Keine Ruhe und keinen Frieden in Frankreich

Dramatisch, was in Nizza passiert ist. Anteilnahme und Trost den Opfern und Hinterbliebenen. Ihnen hilft nicht, dass es während der EM – Gott sei Dank – zu keinem Anschlag gekommen ist. Sie müssen mit Verlust und Leid umgehen. Der französische Staat hat ein Problem. Auch die durch die EM ins Abseits und Aus gewanderten Demonstrationen gegen die umstrittene Reform der Arbeitsgesetze lassen die Grande Nation nicht zur Ruhe kommen. Und nun das. Da kann man nur hoffen, der französische Staat bekommt das hin.

So nah beieinander und dennoch meilenweit voneinander entfernt: Freude und Euphorie – Tod, Schmerz und Trauer.

…dass sowas von sowas kommt

Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm sind heute an die Presse gegangen. Sie teilen mit, dass Christen und religiöse Minderheiten in deutschen Flüchtlingsunterkünften nicht flächendeckend und systematisch diskriminiert werden. Soweit die gute Nachricht.

Beide Kirchen stellen aber fest, dass es wohl in Einzelfällen Übergriffe und Diskriminierung gibt und ….. dass diese Übergriffe Ursachen haben.

Die Ursachen liegen eindeutig in schlechten allgemeinen Standards der Flüchtlingsunterkünfte. Fehlende Privatsphäre, fehlende Tagesstruktur, schlecht ausgebildete Sicherheitsleute und fehlende Betreuungskonzepte begünstigen offensichtlich Übergriffe auf religiöse Minderheiten. Weiterlesen

Vorbilder in widersprüchlichen Zeiten

Wir leben in widersprüchlichen Zeiten. Einerseits verfolgen wir auf den Bildschirmen gebannt die Spiele der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich und sehen und bejubeln Teams, die als Nationalmannschaften von Einwanderern erfolgreich sind. Andererseits wissen wir, dass in vielen der Teilnehmerländer, auch bei uns, fremdenfeindliche Parteien an Einfluss gewinnen oder sogar an der Macht sind.

Die Mehrheit der Wähler in Großbritannien hat sich für den Austritt aus der EU entschieden, nicht zuletzt aufgrund einer massiven Angst-Kampagne zum Thema Immigration. Die aufgeheizte Stimmung forderte mit dem abscheulichen Mord an der ebenso EU- wie Einwanderungs- und Flüchtlingsfreundlichen Labour-Politikerin Jo Cox sogar ein völlig sinnloses Todesopfer.

Ihr Einsatz für eine offene EU und das Schicksal der Flüchtlinge verbindet sie mit Rupert Neudeck, dessen Tod wir in diesem Monat betrauern und der sich weltweit und über viele Jahrzehnte für die Rettung und Aufnahme von Flüchtlingen eingesetzt hat. Über die Wurzeln seines Engagements sagte er einmal: „Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter reicht aus. Diese Geschichte tritt mir immer wieder in den Bauch: Du bist zuständig für die Not anderer Menschen. Jetzt sofort.“ Weiterlesen

Wer behindert hier wen?

Sind Sie in den letzten Tagen oder Wochen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs gewesen? Es kann sein, dass dies in ihren Alltag dazu gehört!
Dann möchte ich Sie mal bitten, fahren Sie mal mit Bus und Bahn mit den Augen von Menschen die körperliche Einschränkungen haben, die auf z.B. einen Rollator oder einen Rollstuhl angewiesen sind oder ein Elektromobil.
Dabei werden Sie schnell feststellen, dass es eine große Herausforderung ist und einer guten Organisation bedarf um das Ziel zu erreichen.
Das Hochflursystem der Kölner Stadtbahn und somit auch die neu gebaute Nord-Süd U-Bahn ist wenn überhaupt nur sehr eingeschränkt nutzbar. Ein Höhenunterschied von bis zu 12cm zum Bahnsteig und Fahrzeug stellt ein erhebliches Hindernis dar. Menschen, die ein E-Scooter benutzen werden seit November 2014 gar nicht mehr befördert, weil die KVB sich rechtlich nicht genügend abgesichert sieht, falls etwas passiert. Dabei ist es in Köln noch nie zu einem Zwischenfall mit E-Scootern in der KVB gekommen.
Auch ältere Menschen mit Rollatoren oder Gehhilfen haben oft Not, schnell nach dem Einstieg in eine Bahn, einen sicheren Platz zu bekommen, um nicht durch das zügige Anfahren einen Sturz zu riskieren. 2015 ist es bei 300 Menschen in Bussen und Bahnen zu stürzen gekommen.

Ich frage:
Kann es sein, dass die Kölner Verkehrsbetriebe sich der Herausforderung einer Inklusiven Stadtgesellschaft nicht stellt und die Mobilität von Menschen mit Behinderungen verhindert?
Kann das sein, dass dies einfach so geschieht und wir alle schauen nur zu?

Der Arbeitskreis barrierefreies Köln bittet uns sein Anliegen zu unterstützen unter www.barrierefreiesköln.de

Folgende Forderungen stellt der Arbeitskreis an die KVB:

– Beginnen Sie unverzüglich mit dem Umbau Ihrer Hochflurbahnen, damit in absehbarer Zukunft ein barrierefreier Zugang auch für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen möglich ist.
– Heben Sie das Mitnahmeverbot für Elektromobile (E-Scooter) in Stadtbahnen und Bussen sofort auf.
– Verlängern Sie die Türöffnungs- und Haltezeiten so, dass auch gehbehinderte und ältere Menschen einen sicheren Sitzplatz finden können.
– Beschleunigen Sie den barrierefreien Umbau der verbliebenen Haltstellen, um wenigstens theoretisch das Ziel eines barrierefreien ÖPNV bis 2022 zu schaffen.

Wissen die Briten, was sie tun? Wie weiter mit Europa und Großbritannien nach dem Brexit-Referendum?

Liebe auf den ersten Blick war das zwischen Großbritannien und der Europäischen Union nie. Eher zwei Königskinder, die nicht zueinander finden wollten oder sollten. Mehr ein „Halb zog sie ihn, halb sank er hin“. Wen wundert daher der Ausgang des Referendums in Großbritannien, auf dessen Grundlage nun die britische Regierung Volkes Stimme in konkrete Politik umzumünzen hat?

Knapp werden würde es allemal, so alle Vorhersagen. Und mit einem knappen Ergebnis habe auch ich persönlich gerechnet. Mehr jedoch damit, dass die Briten noch die Kurve kriegen und wenn es auch keine Liebesheirat war, die 1973 geschlossen wurde, es dennoch bei der Vernunftehe bleibt und es nicht zur Scheidung kommt. Selbst als der sinnlose Mord an der pro-europäischen Labour-Politikerin Jo Cox dazu beitrug, in Großbritannien kurz den Atem anzuhalten, dachte ich noch: „Jetzt kommen die Briten zu Vernunft!“

Eine Extrawurst hatten die Briten in der Europäischen Union von Anfang an. Nicht erst mit ihrer Entscheidung, nicht der Euro-Zone beizutreten und an der eigenen Währung als äußeres Zeichen der nationalen Eigenständigkeit festhalten zu wollen, oder dem Schengener Übereinkommen nicht zuzustimmen. Fast schon ein wenig wie das bayrische „Mia san Mia!“ oder das kleine gallische Dorf. Aber wie viele Extrawürste dürfen es sein? Wie sollten die Briten da auch mit der Europäischen Union warm werden, wenn man sich jederzeit eine Sonderrolle und damit einen Sozius auf dem Trittbrett freihält – bereit, mal auf- und mal abzuspringen, wie es gerade passt?

Ein solches opportunistisches Verhalten entspricht nicht dem Fundament der Europäischen Union, eine Wertegemeinschaft zu sein, die in der gemeinsamen Überzeugung gründet auf Achtung der Menschenwürde, Freiheit, pluralistische Demokratie, Toleranz, Gleichheit und Nichtdiskriminierung, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit, Wahrung der Menschenwürde einschließlich Minderheitenschutz und Solidarität. Der „Affentanz“ – sorry, Gibraltar-, den die Briten in den letzten Monaten vor allem in der Frage der Flüchtlingspolitik sowie der Niederlassungs- und Freizügigkeitsfrage aufgeführt haben, steht für sich.

Abgeschottet für sich pflegen die Briten nun ihr exklusives Inseldasein, verhaftet in längst vergangenen Zeiten des Kolonialismus. Wer aber so offensichtlich nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist und glaubt, auf diese Weise aus der gemeinsamen Verantwortung raus zu sein und sich künftig die Rosinen aus dem englischen Teekuchen picken zu können, der täuscht. Welche Solidarität und welches Entgegenkommen wollen die Briten künftig von den anderen europäischen Staaten einfordern? Glauben sie wirklich, sie sind jetzt raus aus der Nummer mit den Flüchtlingen? Meinen sie, Menschen würden nicht mehr versuchen, nach Großbritannien zu gelangen?

Der Triumph der Brexit-Befürworter wird nur kurzlebig sein. Siege auf Kosten anderer sind selten süß, eher bitter wie englische Orangenmarmelade. Nicht nur für die anderen, vor allem für sich selbst und die nationalen Interessen. Das, was die knappe Mehrheit der Briten und vor allem die Agitatoren des Brexits los getreten haben, wird die Briten selbst überrollen. Die Spaltung in Gesellschaft und Vereinigtem Königreich tritt nur wenige Stunden nach dem Ergebnis des Referendums zutage.

Also, zurück zur Ausgangsfrage: Wissen die Briten, was sie tun?

Demonstrieren für eine bessere finanzielle Ausstattung

Die finanzielle Ausstattung der Schulkinderbetreuung im Primarbereich ist verbesserungswürdig. Viele Kölner Schulen, Träger der Jugendhilfe, Eltern und nicht zuletzt Kinder können ein Lied davon singen.

Aus diesem Grund rufen die Kölner Wohlfahrtsverbände anlässlich der morgigen Sondersitzung des Jugendhilfeausschusses zum Haushaltsplanentwurf 2016/2017 zu einer Demo vor dem Kölner Rathaus auf. Über 100 Offene Ganztagsschulen haben mit Mann und Maus, Kind und Kegel ihr Kommen angekündigt, um auf die mangelnde finanzielle Ausstattung und deren nachteilige Auswirkung für die inhaltliche Arbeit und räumliche Situation lautstark aufmerksam zu machen.

Die Demo findet statt am Dienstag, 21. Juni 2016 in  der Zeit von 13:00 Uhr bis 14:00 Uhr. Treffpunkt ist der Theo-Burauen-Platz.

Fachpolitiker der Ratsfraktionen beim Besuch der Kath. Grundschule in Bilderstöckchen im Mai 2016

Fachpolitiker der Ratsfraktionen beim Besuch der Kath. Grundschule in Köln-Bilderstöckchen im Mai 2016

Fachgespräch der LIGA mit Fachpolitikern der Ratsfraktionen zum Finanzierungsbedarf für die Schulkinderbetreuung in der Kath. Grundschule in Köln-Bilderstöckchen im Mai 2016

Thema des Fachgesprächs war schon hier der Finanzierungsbedarf für die Schulkinderbetreuung

Einladung zur Solidaritätskundgebung in Rondorf

Symbolbild

Am Samstag, dem 11. Juni, ist das Pfarrhaus von Rondorf durch ein Feuer unbewohnbar geworden. Die Polizei vermutet derzeit Brandstiftung als Ursache. Eine achtköpfige Familie aus dem Irak, die hier bei uns vor Ort eine

neue Heimat und Gemeinschaft gefunden hat, ist jetzt obdachlos.

Ganz gleich, was dieses Unglück auch ausgelöst hat: Wir hier in Rondorf wollen klar signalisieren, dass wir zueinander stehen und einander beistehen. Wir wollen auch ein klares Zeichen gegen Gewalt setzen, zu einem friedlichen Miteinander einladen und selber auch dafür einstehen.

Wir laden alle herzlich
am Samstag, den 18. Juni 2016, um 22.30 Uhr
zu einer Solidaritätskundgebung
vor dem zerstörten Pfarrhaus,
Hahnenstraße 21, 50997 Köln, ein.

Hand in Hand wollen wir Licht in der Dunkelheit entzünden, Ängste abbauen und Begegnung schaffen.

Am Sonntag, den 19. Juni, lädt die Katholische Kirchengemeinde Heilige Drei Könige um 11.00
Uhr zu einem Gottesdienst und anschließendem Solidaritätsmahl ein, um auch hier ein Zeichen
für Frieden und Gemeinschaft zu setzen.

Zum Tod von Rupert Neudeck – „Wenn es Unrecht gibt, müssen Sie ganz laut schreien.“- Bewegende Trauerfeier in St. Aposteln

Gastbeitrag von Brigitte Brand-Wilhelmy, Leiterin des Caritas-Therapiezentrums für Folteropfer:

Rupert Neudeck

Rupert Neudeck

Rupert Neudeck, der am 14. Mai 1939 in Danzig geboren wurde, gründete die Hilfsorganisation Cap Anamur und rettete damit 10.375 vietnamesische Flüchtling vor dem Ertrinken im Chinesischen Meer. Am 31.05.2016 ist für uns alle unfassbar Rupert Neudeck mitten aus dem Leben gerissen worden. Er war bis zuletzt voller Tatendrang, vital und unverändert, mutig engagiert, um Leben zu retten.

Bis 1998 gehörte er dem Vorstand des Komitees Cap Anamur an, danach wurde er Sprecher der Hilfsorganisation.  Im April 2003 wurde er gemeinsam mit Aiman Mazyek zum Mitbegründer und Vorsitzenden des internationale Friedenskorps Grünhelme e.V., einer Organisation für den Wiederaufbau von ehemaligen Kriegs- und Krisengebieten. Es war ihm ein besonderes Anliegen, den Islam bekannt zu machen und Ängste vor dem Islam abzubauen und die Menschlichkeit, die mit dem Glauben einhergehen muss, ernst zu nehmen. Deshalb die Farbe grün. Grün ist die Farbe des Islam, analog zu den Blauhelmen der Vereinten Nationen.

Auch die Rechte der Palästinenser verteidigte er mit Entschlossenheit Er wollte nicht mehr schweigen und forderte Gerechtigkeit auch in Palästina. Scharf verurteilte er Hauszerstörungen im Westjordanland u.a. den Abrissbescheid eines von der Organisation Grünhelme gebauten Berufsausbildungszentrums. Rupert Neudeck war Christ und radikaler Humanist. Für ihn galt der Mensch als Mitmensch unabhängig von seiner Religion. Er machte keine Unterschiede, für ihn warder notleidende Mensch immer der Mitmensch.
Während all der Jahre ist seine Frau Christel, mit der er seit 1970 verheiratet war, an seiner Seite nicht wegzudenken. Christel Neudeck hat einen erheblichen Anteil an der Arbeit von Rupert Neudeck.
Rupert Neudeck stand dem Caritas-Therapiezentrum für Folteropfer immer sehr nahe. Über viele Jahre war er Mitglied im Beirat des Therapiezentrums. Angesichts der in den vergangenen Jahren oft schwierigen finanziellen Situation des Therapiezentrums und der großen Not der Flüchtlinge meinte er in seinem letzten Gespräch mit mir im letzten Jahr: „Wenn es Unrecht gibt, müssen Sie schreien, ganz laut schreien.“

Trauerfeier für Rupert Neudeck am 14. Juni in St. Aposteln Köln

Trauerfeier für Rupert Neudeck am 14. Juni in St. Aposteln Köln

Bei der Trauerfeier am 14.06.2016 in St. Aposteln war das Kirchenschiff bis auf den letzten Stehplatz angefüllt. Ein Großteil der Trauernden waren ehemalige „boat people“ mit Kindern und Enkelkindern. In seiner Trauerrede sagte einer von ihnen: „Wir haben unseren geistigen Vater verloren, dem wir unser Leben verdanken, denn ohne ihn ständen wir heute nicht hier.“
In einer bewegenden Rede würdigte Kardinal Woelki das Engagement und das rastlose Wirken für mehr Menschlichkeit von Rupert Neudeck. Er habe gezeigt, was es konkret bedeute, in jedem Menschen das Antlitz Gottes zu entdecken und ihm zu helfen.

Wir werden Rupert Neudeck und seine Unterstützung sehr vermissen und werden ihm immer ein ehrendes Gedenken in unseren Herzen bewahren.

Entsetzen über Brandanschlag in Rondorf

Gastbeitrag von Susanne Rabe-Rahman, Leitung Leistungsbereich Integration und Beratung:

„Es ist noch zu früh, etwas zum Täter und seiner Absicht sagen, ob er das Pfarrhaus in Rondorf oder die dort wohnende Familie treffen wollte, ob er wusste, dass die Familie nicht zu Hause ist oder sie doch dort vermutet hat…

Aber es kann nicht früh und deutlich genug sein, zu sagen, dass wir diesen Brandanschlag zutiefst bedauern, das wir uns der  Pfarrgemeinde und der Familie nahe und verbunden fühlen, das sie alle unser Mitgefühl haben. Wir wollen gern alle nach Kräften helfen, dass die Folgen für die Pfarrgemeinde und insbesondere für die aus dem Irak stammende Familie gemildert werden können.

Wer immer den Brand verursacht hat – ein psychisch kranker Mensch, vielleicht auch ein Extremist  – bekenne sich bitte zu seiner Tat und übernehme die Verantwortung dafür.

Wir wünschen uns eine baldige und umfassende Aufklärung der Hintergründe.

Wir alle wollen dafür Sorge tragen, das sich ein solches verabscheuungswürdiges Ereignis hier nicht wiederholt. Die Menschen in den Gemeinden, Initiativen, in der Nachbarschaft stehen für ein humanitäres und interkulturelles Engagement und sie stehen zu den BewohnerInnen ihres Stadtteils aus diversen Herkunftsregionen.“

Abschied von Marokko. Unser Blick hat sich verändert.

Tag 8, 04. Juni, Rückreise aus Marokko/ Projektreise mit Caritas international

Freitagabend sagte Edouard Danjoy, Diözesan-Caritasdirektor von Rabat, bei einem Abschiedsessen zu uns, es sei eine große Ehre gewesen, dass wir als erstes europäisches Caritas-Team mit einer Delegation zu Gast waren. Unser Interesse an der Caritas-Arbeit Rabat, der Austausch und der Blick durch uns von außen motiviere ihn und sein multikulturelles Team noch mehr. Obwohl sie mit 30 Mitarbeitenden bei Caritas Rabat klein sind, haben sie doch eine große Stärke und können viel bewirken. Möglich wird das auch durch den Kontakt, den sie zum König und zur Regierung pflegen.
Es sei schon ein Paradox, dass, obwohl Kirche und Caritas in Marokko so klein sind, sie an vielen Stellen die einzige helfende Organisation sind. In Fes gibt es beispielsweise ein Lager mit 1000 Migranten, die sich alleine überlassen sind. Dort herrschen unhaltbare Zustände. Caritas kann nicht die Augen vor der Not verschließen, aber auch nicht alles alleine bewältigen. Die Mitarbeiter müssen damit zurecht kommen, nicht allen helfen zu können.

caritas international ermöglicht mit den Projektreisen in Länder, in denen sie Hilfeprogramme unterstützen, Caritas-Mitarbeitenden aus ganz Deutschland, in den internationalen Austausch zu treten und zu sehen, unter welchen Rahmenbedingungen und mit welchen Schwerpunkten die Caritas vor Ort arbeitet.
Wir ziehen in der Gruppe noch einmal Bilanz: Auf verschiedenen Ebenen haben wir intensive Einblicke in die Situation von Kirche und Caritas in Marokko bekommen, in gesetzliche und gesellschaftliche Grundlagen und in ein Sozialsystem, das gerade erst entsteht. Aber nicht nur mit dem Kopf haben wir mehr verstanden. Die vielen Begegnungen und Gespräche mit den unterschiedlichsten Menschen haben unser Herz berührt, wir können es auch fühlen, wie die Situation hier in der Caritas-Arbeit ist, was es heißt eine Migrationskirche in einem islamisch geprägten Land zu sein.
Wir sind mit der Situation der Migranten aus Schwarzafrika direkt in Berührung gekommen. Das alles hat unsern Blick geschärft, wie unmenschlich die Abschottung Europas an den Grenzen ist. Dass es keine „schlechten“ Flüchtlinge gibt, für die Arbeitsmigranten aus afrikanischen Ländern dringend eine Lösung gefunden werden muss. Informationen an die Migranten, wie aussichtslos es für sie ist, in Europa Asyl zu erhalten, hält sie nicht davon ab, es immer wieder zu versuchen. Die KollegInnen berichteten uns, sie würden den Migranten immer wieder alles erklären, aber es komme nicht an. “ Einen Zugvogel kann man nicht aufhalten. Europa muss die Menschen empfangen. Die gegenwärtige Visapolitik ist absurd. Viele Migranten, die es nach Europa geschafft haben, wissen, dass sie gescheitert sind, aber sie können niemals zu ihren Familien in den Herkunftsländen zurück. Dort werden sie meistens nicht mehr aufgenommen. Wenn es Visafreiheit gäbe, würden die Menschen sich als Arbeitsmigranten hin und her bewegen. Der Menschenverlust in den afrikanischen Ländern ist fatal.“ betont Daniel Nourissat, Generalvikar in Casablanca.
Das alles und weitere Themen, zu denen wir uns ausgetauscht haben wie das Geschlechterverhältnis unter den Marokkanern, aber auch unter den Migranten, nehmen wir von der Reise mit. Wir überlegen, wie wir unterstützen können, die ersten Ideen entstehen.

Erst einmal sind wir glücklich, dass wir trotz Turbulenzen während des Flugs sicher am Samstagabend in Frankfurt gelandet sind. Den Anschlussflug in Paris haben wir nur bekommen, weil dieser etwas verspätet kam. Sogar das Gepäck ist angekommen. Bei der Hinreise hatten wir ja weniger Glück und mussten vor dem Weiterflug noch eine Nacht in Paris im Hotel verbringen.

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Zum letzten Mal tauscht sich unsere Gruppe auf dem Flughafen in Rabat vor der Rückreise aus.