Die Not von unbegleiteten Kindern und jugendlichen Flüchtlingen in Köln

Die Odyssee, die diese Kinder hinter sich haben, ist für uns kaum vorstellbar. Ein Kind alleine auf der Flucht, aus Afghanistan, dem Irak oder einem afrikanischen Land, sein Ziel – Europa. Eingepfercht mit vielen anderen in einem Lastwagen, die Türen sind geschlossen, es ist heiß, es gibt kaum Trinkwasser – ein Kind ist in diesem Überlebenskampf oft das schwächste Glied.

Auf seinem Weg ist es obdachlos, lebt auf der Straße, in Slums und muss sich vor Gewalt und sexuellen Übergriffen schützen. Irgendwann kommt es in Deutschland an, das Land seiner Träume, das Frieden, Schutz, Freiheit und Hilfe verspricht. Was erwartet diese Kinder und Jugendlichen, von denen immer mehr auch in Köln „stranden“?

Als „UMF”, unbegleiteter minderjähriger Flüchtling, wie es dann bezeichnet wird, nimmt es zunächst das Jugendamt in Obhut. In der Folge wenden sich meist Bezugsbetreuer der Jugendhilfeeinrichtungen, Vormund, Rechtsanwälte und andere Institutionen an Flüchtlingsberatungsstellen und an das Therapiezentrum für Folteropfer des Kölner Caritasverbandes, um die jungen Flüchtlinge zur aufenthaltsrechtlichen Beratung, zur Abklärung gesundheitlicher Beschwerden und zur Psychotherapie  anzumelden.

Kontinuierlich steigen  die Zahlen der neu eingereisten „UMF“ in Köln. Im Jahr 2011 wurden 163 gezählt. Viele  Institutionen sind mit ihnen befasst: Bundespolizei, Jugendamt, Ausländerbehörde,  Jugendhilfeeinrichtungen, Beratungsstellen Das Therapiezentrum der Caritas verzeichnet eine zunehmende  Zahl junger männlicher Flüchtlinge aus Afghanistan und dem Irak. Hinzu kommen junge Frauen, aus  Äthiopien,  Eritrea und dem Sudan. Durch die extrem langen, gefährlichen Fluchtwege sind die Kinder körperlich und psychisch sehr belastet und erschöpft und weisen Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung auf.

Im letzten Jahr 2011 waren im Caritas-Therapiezentrum 63 UMF in psychotherapeutischer Behandlung. Zusätzlich gibt es Angebote wie die kunsttherapeutisch ausgerichtete „Jungsgruppe“ und  in Zusammenarbeit mit der Sporthochschule Köln eine Sportgruppe. Dennoch kann der Bedarf bei weitem nicht gedeckt werden. Und es zerreißt die Helfer, wenn sie Kinder und Jugendliche in Not abweisen müssen. Solche zusätzlichen Angebote sind nur mit Hilfe von Spenden und ehrenamtlichem Engagement zu stemmen. Auch im Bildungsbereich zeigen sich dramatische Versorgungslücken bei Plätzen in Förderklassen und niedrigschwelligen, berufsfördernden Angeboten.

Eigeninitiative und freiwilliges Engagement sind unverzichtbar, hier ist unser aller Solidarität gefordert. Aber wir brauchen auch dringend mehr institutionelle Förderung und Unterstützung, um diese Kinder aufzufangen und zurück ins Leben zu begleiten. Dafür kämpfen wir an allen Fronten und hoffen auf eine breite Basis über die Parteigrenzen hinweg.

Über den Autor

Monika Kuntze sorgt als Geschäftsfeldleiterin Integrations- und Familienhilfen für passgenaue Beratung und Angebote für Flüchtlinge, Zuwanderer, Kinder, Jugendliche und Familien.

Das begeistert mich: Begegnungen mit anderen Menschen, Kulturen und Religionen. Diese Vielfalt erlebe ich in unseren Caritas-Kitas, wenn die Kinder unabhängig von Vorurteilen miteinander spielen, wo das Miteinander, dass Verbindende im Vordergrund steht.
Diese Begegnungen bringen Vielfalt, vor allem aber bereichern sie.

Mich ärgert: Toleranz und Begegnung auf „Augenhöhe“, Globalisierung, soziale/kulturelle Vielfalt sind Herausforderungen unserer Zeit. Die Realität sind rechtsextreme, fremdenfeindliche und antisemitische Tendenzen. Junge Migrantinnen und Migranten erleben Diskriminierung in den Bereichen Schule, Ausbildung und Beruf, aber auch in Freizeit, Sport und im alltäglichen Leben.

Wir Christen müssen gemeinsam mit ihnen und vielen anderen in dieser wichtigen Frage Flagge zeigen und eine klare Position der Nachfolge Jesu in der Kölner Stadtgesellschaft beziehen. Alles ist in dem einen Satz zusammengefasst: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“

Ein Kommentar zu “Die Not von unbegleiteten Kindern und jugendlichen Flüchtlingen in Köln

  1. Als Mitglied des Fördervereins des Therapiezentrums für Folteropfer hat mir die Betonung der Situation der “UMF” besonders gefallen; auch deshalb, weil wir am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in einem allerdings geringen Umfang selbst unbegleitete Jugendliche fördern. Das Thema ist in der Öffentlichkeit praktisch nicht existent. Ich finde es sehr wichtig, dass sich der Caritas-Verband mit dem Therapiezentrum dieser Kinder und Jugendlichen annimmt.

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