Im Alltag wird gefesselt

So, jetzt haben es bestimmt alle wieder gelesen. In den Pflegeheimen wird im Alltag gefesselt und in der ambulanten Pflege mit Millionenbeträgen betrogen, so die Rundschau in Ihrer Ausgabe vom 25.04 Das negative Bild der Pflege in der Öffentlichkeit wieder mal bestätigt.
Eines vorweg: Menschen fesseln und Sozialkassen millionenfach zu betrügen ist nicht hinzunehmen. Dies gehört aufgedeckt und abgeändert. Dafür gibt es interne und externe Überprüfungen und wer so etwas tut braucht keine Schonung.
Trotzdem stößt mir die Art und Weise dieser  Berichterstattung auf.
Ist den Verfassern solcher Meldungen eigentlich bewusst, wie unreflektiert sie da Botschaften in die Welt setzen?
Zunächst einmal wird in diesem Bericht des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) von Verbesserungen in der Pflege berichtet. Warum liest man davon nichts in einer Schlagzeile?
Der Medizinische Dienst ist ein Kontrollorgan der Kranken- und Pflegekassen, er hat doch gar keine Interesse daran, Pflege positiv darzustellen, sonst verliert doch diese Institution ihre Daseinsberechtigung. Die Kranken- und Pflegekassen haben auch kein Interesse Pflege positiv darzustellen, denn wenn noch mehr Menschen professionelle Pflege in Heimen oder ambulante Pflege in Anspruch nehmen würden, kämen höhere Kosten auf die Kassen zu. Werden solche Überlegungen angestellt, bevor Schlagzeilen veröffentlicht werden?
Fehlverhalten in der Pflege  kann man nicht so pauschal über alle Einrichtungen verbreiten. Damit diffamieren sie Tausende von Pflegekräften, die tagtäglich gute, verantwortliche und höchst anstrengende Arbeit leisten. Damit verunsichern sie auch viele Pflegebedürftige und deren Angehörige, die Unterstützung durch stationäre oder ambulante Pflege bedürfen und die  den Eindruck bekommen, dort  gefesselt oder betrogen zu werden.   
Die Verantwortung dafür, dass wir auch in Zukunft noch Menschen finden, die den Pflegeberuf ergreifen, tragen auch die Medien, die Kassen und der MDK. Ich bitte Sie: Nehmen sie diese Verantwortung wahr.

Über den Autor

Maria Hanisch, Geschäftsfeldleiterin Ambulante Dienste: Ob Senioren, pflegebedürftige Menschen, Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung, mein Credo ist „Die Zukunft ist ambulant.“

Das begeistert mich:
Ich liebe Musik und hier vor allem Bach und seine Werke. Am Wochenende bin ich oft recht flott mit dem Rennrad unterwegs. Höhepunkt dieses schweißtreibenden Sports war meine Teilnahme am „Jederfraurennen“ Rund um Köln, Resultat: 10. Platz in meiner Altersgruppe.

Zu meinem Ärger:
Sozialpolitische Arbeit im Einsatz für Menschen mit Pflegebedarf oder Behinderung braucht Ideen und einen Blick über den Tellerrand. Es macht mich ganz wild, dass wir die Herausforderungen der Zukunft so halbherzig angehen und innovative Konzepte über Parteigrenzen und engen finanziellen Rahmenbedingungen nicht konsequenter vorantreiben.

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