Weidenpesch verändert sich

Auf der Neusser Straße in Weidenpesch gibt es ein Gebäude, das im Lauf der Zeit verschiedene Märkte, vom Supermarkt bis zum Getränkemarkt, beherbergte. Seit mehreren Jahren steht es leer. Man sprach von Asbestbelastung. Auf dem Parkplatz vor dem Gebäude sammelt sich Unrat an. Seit kurzem hängt das Plakat einer Baufirma an einer der Wohnungen über dem ehemaligen Markt. Es scheint sich etwas zu tun. Ende Mai war im Stadtanzeiger zu lesen, die Bezirksvertretung habe veranlasst, dass sich die Verwaltung um das völlig verfallene Haus kümmern möge, notfalls mit rechtlichen Schritten gegen den Eigentümer. Zu spät: Die Atib, der türkische Kulturverein Avrupa Türk-Islam Birligi, hat das Gebäude gekauft. Es soll die neue Europazentrale des Vereins werden.
Dass die Atib das Gebäude kauft, das hätte nicht passieren dürfen, sagt der Kioskbesitzer.
In Weidenpesch herrscht laut Stadtanzeiger Endzeitstimmung. Alles geht den Bach runter, das alte Geschäftszentrum gibt es nicht mehr. „Dieses Trümmergrundstück ist ein Mahnmal, die Verwaltung soll erreichen, dass das Gebäude eine dem Veedel zuträgliche Nutzung bekommt“, sagt SPD-Fraktionschef Horst Baumann.
Ja. Aber: Eine Nutzung durch die Atib ist also nicht zuträglich?
Welche Ängste im Stadtteil lassen die SPD einen Antrag stellen, der die neue Situation des Hauses außer acht lässt. Wissen die nichts von dem Verkauf? Will man rasch noch verhindern, dass sich ein türkisch-islamisches Zentrum in Weidenpesch etabliert?
Ich wohne in Weidenpesch. Ja, es gibt zunehmend mehr Frauen mit Kopftüchern in den Straßen des Viertels. Was ist daraus zu schließen? Wird Weidenpesch aufgekauft? Kommt Mulitkulti wie in Kalk und anderswo? Fallen die Immobilienpreise? Warum sieht mich eine bürgerliche Alt-68erin bei einer Gartenparty in Nippes bedauernd an, als ich sage, ich wohne in Weidenpesch. Der Stadtteil verändert sich, sagt sie, – nicht zum Vorteil. Ich bin ein bisschen verletzt. Auch wenn meinetwegen keine Frau ihr Haar bedecken muss. Redet man miteinander. In Weidenpesch. Wer fängt an?
Seit wann verkauft der Hähnchengrill donnerstags auf dem Parkplatz der zukünftigen Atib-Zentrale keine Hähnchen mehr?

Über den Autor

Was ich mag:

Die Stadt entdecken in ihren Vierteln, Straßen, Plätzen. Dort, wo die Menschen leben. Mir die Veedel von ihnen zeigen lassen. Sich einander die Stadt erzählen. Ungesehenes entdecken. Räume wahrnehmen und weiten. Auch für die Caritas.
Manchmal wird was fühlbar. Wenn in St. Agnes die Sängerinnen und Sänger aus dem Viertel, aus den Gemeinden, aus verschiedenen kulturellen Gegenden dieser Welt das Finale von "Joy to the World" bestreiten. Das ist ein Erfolg: Gemeinde, Caritas, soziale Einrichtungen miteinander ins Gespräch bringen und ins gemeinsame Handeln.

Was ich nicht mag

Parallelwelten. Die Tafel als Billigentsorger der Nahrungsmittelwirtschaft. Tatkraft ohne Nachdenklichkeit und Blick auf gesellschaftliche Zusammenhänge. Besserwisserei gegenüber Benachteiligten. Wenn wir als Caritas die Not nur lindern, aber nicht verhindern können.

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