Ganztagsrealitäten an Kölner Schulen – Mangel verwalten

„Erfolgsmodell Ganztag“ – eine von vielen Bezeichnungen, mit welchen bildungspolitische Veränderungen auch am Rhein gerne beschrieben werden. Geschmückt wird sich etwa damit, dass mit 22.200 Plätzen für rund 64 Prozent der Kölner Schülerschaft in 139 Grund- und 17 Förderschulen Ganztagsangebote zur Verfügung stehen würden. Bei einem Blick hinter die Zahlen fällt es jedoch schwer, hierbei nicht zu resignieren. In Zeiten, in denen „kein Kind zurückgelassen“ werden darf, herrscht Ressourcenmangel allerorten, mit fatalen Konsequenzen für die Qualität hinter der Quantität.

Nichts verdeutlicht dies so sehr wie die zuletzt beschlossene Lohnerhöhung im öffentlichen Dienst. Wer nach Tarif zahlt, muss und will mitgehen. Doch woher nehmen, wenn die ohnehin zu knapp gehaltenen Gelder zum Ausbau des Ganztags nicht miterhöht werden? Irgendwo muss also gespart werden – wieder einmal –, entweder bei der Angebotsqualität, oder bei den Mitarbeiterressourcen. Doch das eine funktioniert nicht ohne das andere: Wo vermeintlich leere Stadtkassen nur befristete Teilzeitverträge ohne Vor- und Nachbereitungszeiten ermöglichen, stimmen auch die Inhalte der Arbeit nicht mehr.

Bildungspolitik ist immer eine Prioritätenfrage: Wenn die Stadt Köln, wie in ihrem Schulentwicklungsplan 2011 beschrieben, auf ein erweitertes Bildungsverständnis baut, in dem von einem Dreiklang von Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen auszugehen sei, so muss auch die Finanzierung stimmen. Sie stimmt nicht – und die Verantwortung zur Umsetzung der hehren Ziele wird den kleinen und großen Trägern überlassen. Diese werden allein gelassen – mit knappen Budgets, großen Worthülsen und nicht zuletzt mit dem Anspruch an ihre eigenen Angebote.

Das überhaupt ein langsamer, aber stetiger Qualitätsausbau von AG-Angeboten bis hin zu Ferienaktivitäten zu verzeichnen ist, liegt am Engagement der Mitarbeiter – frei nach dem Motto: „Gib ihnen wenig, sie machen noch mehr.“ Doch das Ende der Leiter ist erreicht. Es fehlen Fachkräfte und hohe Mitarbeiterfluktuationen halten das Tagesgeschäft auf und stellen Mindeststandards in Frage. Die Stadt Köln mag beraten und begleiten, doch bei allen politisch gut gemeinten Willensbekundungen, werden die Träger der Ganztagangebote mit ihrem Spagat zwischen knappen Budgets und eigenen Qualitätsstandards alleine gelassen.

Über den Autor

Monika Kuntze sorgt als Geschäftsfeldleiterin Integrations- und Familienhilfen für passgenaue Beratung und Angebote für Flüchtlinge, Zuwanderer, Kinder, Jugendliche und Familien.

Das begeistert mich: Begegnungen mit anderen Menschen, Kulturen und Religionen. Diese Vielfalt erlebe ich in unseren Caritas-Kitas, wenn die Kinder unabhängig von Vorurteilen miteinander spielen, wo das Miteinander, dass Verbindende im Vordergrund steht.
Diese Begegnungen bringen Vielfalt, vor allem aber bereichern sie.

Mich ärgert: Toleranz und Begegnung auf „Augenhöhe“, Globalisierung, soziale/kulturelle Vielfalt sind Herausforderungen unserer Zeit. Die Realität sind rechtsextreme, fremdenfeindliche und antisemitische Tendenzen. Junge Migrantinnen und Migranten erleben Diskriminierung in den Bereichen Schule, Ausbildung und Beruf, aber auch in Freizeit, Sport und im alltäglichen Leben.

Wir Christen müssen gemeinsam mit ihnen und vielen anderen in dieser wichtigen Frage Flagge zeigen und eine klare Position der Nachfolge Jesu in der Kölner Stadtgesellschaft beziehen. Alles ist in dem einen Satz zusammengefasst: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“

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