„Denn sie wissen nicht, was sie getan haben …”

Nun kommt es also, was schon nach der ersten Lesung der Pflegereform zu befürchten war.
Die parallele Zeitabrechnung der Leistungen neben dem System der Leistungskomplexe in der ambulanten Pflege.
Die  Politiker der Regierungsparteien  jubeln und reden von der „Wahlfreiheit“ des Kunden. Frau Aschenberg-Dugnus, pflegepolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, kann die Kritik der Verbände gar nicht verstehen und glaubt mit diesem Teil der Reform  den Pflegekräften Entlastung und den Kunden mehr Auswahlmöglichkeiten zu verschaffen.
Versteht eigentlich niemand, was hier passiert??
Unter dem Deckmantel der Wahlfreiheit wird das alte System zerstört und Pflege teurer. Der Kunde wird sich in Zukunft zu Recht immer für die preisgünstigere Variante entscheiden. Damit wird die bisherige Finanzierungsstruktur ambulanter Dienste völlig gesprengt und letztendlich deren Existenz gefährdet. Das hat zur Folge, dass alle Leistungen der Pflegeversicherung neu verhandelt werden müssen. Alle bisher gefundenen Abgrenzungen zwischen Pflege und Hauswirtschaft sowie Betreuungsleistungen müssen inhaltlich neu definiert werden.
Da rollt eine Menge bürokratischer Ballast auf die Dienste zu.
Für den Kunden wird das neue System komplizierter und undurchschaubar. Bisher war es schon schwierig genug für einen zu Pflegenden sich im Wirrwarr der Pflege und Finanzierungen zurecht zu finden.  
Eine große Last jedoch bleibt bei den Pflegefachkräften hängen, sie müssen diese Reform den Kunden erklären, allein und jeden Tag.

Über den Autor

Maria Hanisch, Geschäftsfeldleiterin Ambulante Dienste: Ob Senioren, pflegebedürftige Menschen, Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung, mein Credo ist „Die Zukunft ist ambulant.“

Das begeistert mich:
Ich liebe Musik und hier vor allem Bach und seine Werke. Am Wochenende bin ich oft recht flott mit dem Rennrad unterwegs. Höhepunkt dieses schweißtreibenden Sports war meine Teilnahme am „Jederfraurennen“ Rund um Köln, Resultat: 10. Platz in meiner Altersgruppe.

Zu meinem Ärger:
Sozialpolitische Arbeit im Einsatz für Menschen mit Pflegebedarf oder Behinderung braucht Ideen und einen Blick über den Tellerrand. Es macht mich ganz wild, dass wir die Herausforderungen der Zukunft so halbherzig angehen und innovative Konzepte über Parteigrenzen und engen finanziellen Rahmenbedingungen nicht konsequenter vorantreiben.

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