Ich betreue

Was bedeutet es, wenn jemand für mich entscheidet? Dazu müsste ich eigentlich Bernd, meinen Bruder fragen, denn ich bin seine gesetzliche Betreuerin. Und weil ein Unglück selten alleine kommt: Er hat noch eine zweite Schwester und wir teilen uns die Aufgabe der Betreuung. Dass Schwestern nicht immer einer Meinung sind, sehen wir in diesem Fall als Vorteil. Wir können uns gegenseitig austauschen, streiten und kontrollieren. Wir lieben unseren Bruder und möchten sicherlich nur das Beste für ihn. Aber uns ist klar, eine gesetzliche Betreuung bedingt letztendlich immer auch ein Machtgefälle zwischen Entscheidern und denen, über die entschieden wird. Wir haben die Möglichkeit, Bernd gemeinsam zuzuhören und mit ihm Entscheidungen gemeinsam herauszuarbeiten.

Viele haben diese Möglichkeit nicht. Und für den gesetzlichen Betreuer bedeutet das auch, dass manche Unterschrift zu einem operativen Eingriff oder einer medizinischen Behandlung alleine noch schwerer wiegt. Wir gesetzliche Betreuer haben sicher alle schon einmal erlebt, dass wir Einfluss nehmen; aber auch die Last der Verantwortung vor Entscheidungen mit großer Tragweite.

Ein Gastbeitrag von Petra Hammen, Fundraiserin

Über den Autor

“Gast” ist das Profil unserer Gast-Autorinnen und Gast-Autoren, die für taufrische Geschichten von vor Ort sorgen. Denn egal ob von vorbildlichen Jugendprojekten oder schwierigen Teenagern, von Missständen in der Pflege oder rührenden Begegnungen im Altenheim, von Flüchtlings-Diskriminierung oder einer Willkommenskultur: Die Caritas-Mitarbeitenden in den verschiedenen Zentren, Einrichtungen und Projekten erleben die Spanne zwischen Freud und Leid täglich hautnah. Aus diesem Grund berichten in unserem Blog immer wieder Mitarbeitende der vielfältigen Caritas-Geschäftsfelder unter dem Profil “Gast”.

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