Wie viel darf’s denn bittschön sein? Oder: Ist die Pflege heute noch bezahlbar?

„Pflege in Deutschland ist nicht mehr bezahlbar! Altenheime in Deutschland sind zu teuer.“ So titelte die Welt im Oktober 2012! „Im Alter ab nach Osteuropa!“ So einfach löst der Kölner Express die Veränderung der Alterspyramide. Wie leider so oft, wenn sich die Medien mit dem Thema  „Alter und Pflege“ beschäftigen ist die Diskussion weder fachlich noch inhaltlich bereichernd und zeigt auch keine echten Lösungen für eine der vordringlichen Herausforderungen der deutschen Gesellschaft in den nächsten 20 Jahren auf. Im Übrigen ist diese Problematik keine auf Deutschland beschränkte Symptomatik einer kränkelnden Gesellschaft, sondern betrifft alle westlichen Industrieländer.

Der aus der Koalition vorgetragene „Pflege-Riester“ wird auch keine Lösung sein, denn die Finanzierung der Pflege im Alter ist ein Problem, welches sich vor allem bei Menschen mit niedrigem Einkommen und unzureichender Altersvorsorge einstellt. Auch hier führt die öffentliche Diskussion in die Irre: Nicht jeder alte Mensch im Pflegeheim wird zum Sozialhilfefall – in den Caritas-Altenzentren liegt der Anteil der über die Sozialhilfe mitfinanzierten Pflegeversorgungen aktuell bei 45  %, mehr als die Hälfte aller Heimbewohner ist in der Lage die Heimkosten aus eigenen Mitteln zu bestreiten.

Richtig ist aber: Das bisherige Konstrukt einer Teilabsicherung durch die gesetzliche Pflegeversicherung und die vorgeschlagene  zukünftige  private und kapitalgedeckte Zusatzabsicherung nützt nur denjenigen, die es sich leisten könnten. Sie bedroht aber im Falle der Pflegebedürftigkeit vom Geringverdiener bis zum Bezieher mittlerer Einkommen die materielle Existenz vieler Menschen.

Zugleich steht die zunehmende Finanzierungslücke der Pflege der totalen Ebbe am Pflegearbeitsmarkt gegenüber. Zunehmende Zahlen von Pflegebedürftigen mit zunehmenden Betreuungsbedarfen, die nicht durch Angehörige oder Nachbarschaftshilfe  aufgefangen werden können, stellen einen krassen Gegensatz zu einer schwindenden Anzahl von Pflegefachkräften am Arbeitsmarkt dar.

Auch hier führt die Kostendiskussion in eine falsche Richtung und lenkt die Diskussion (vielleicht bewußt) am eigentlichen Problem vorbei. Gute Pflegekräfte haben ein gutes Einkommen verdient! Pflegeberufe sind hochspezialisierte Ausbildungsberufe, mit hohen Anforderungen an die körperliche und geistige Fähigkeiten der Mitarbeiter in diesen Berufen, mit Arbeitszeiten in denen der große Teil der Bevölkerung seiner Freizeit nachgeht.

Rund 75% der laufenden betrieblichen Kosten in einem Pflegeheim sind Personalkosten. Der durchschnittliche Pflegesatz in einem Caritas-Altenzentrum der Caritas Köln liegt in der mittleren Pflegestufe (Pflegestufe 2) bei derzeit 105,80 €. Dieser Tagessatz beinhaltet alle Pflege- und Betreuungsleistungen,  die Unterkunft und die Vollverpflegung.

Die Kosten eines Friseurbesuches in Köln (Damen, Waschen, Schneiden, Legen)  liegen bei 45,00 €, eine Nacht in einem Kölner Innenstadt-3-Sterne-Standardhotel incl. Frühstück kostet 147,- € und eine Arbeitsstunde eines Sanitärfachbetriebes wird mit 51,76 € in Rechnung gestellt.

Ist Pflege da tatsächlich zu teuer?

Nicht die Frage ob Pflege noch bezahlbar ist darf die Diskussion weiter bestimmen, sondern die ernsthafte Diskussion wie die gute Pflege in Deutschland dauerhaft finanzierbar und leistbar bleibt!

Über den Autor

Detlef Silvers,
leitet das Geschäftsfeld Stationäre Betreuung - vielfältig mit einem Dienstleistungsangebot von Tagespflege, Kurzzeitpflege, vollstationärer Dauerpflege, Wohnen für Menschen mit Behinderungen bis zur Begleitung Sterbender in Hospizen.
Menschlichkeit pflegen! - hierfür steht Stationäre Betreuung der Caritas!
Mit 770 Mitarbeitenden in 21 Einrichtungen an 13 Standorten in Köln leisten wir so gemeinsam unseren Dienst für über 900 Menschen.

Das begeistert mich:
Mit Menschen zusammen kommen und gemeinsam etwas bewegen! Etwas aufbauen, dass auch nach Jahren noch Bestand haben kann! Rahmenbedingungen schaffen für eine gute Lebenssituation der Betreuten und fördernde Arbeitsbedingungen für Mitarbeitende!

Das ärgert mich:
Die oft einseitige Darstellung von Pflege in der Öffentlichkeit! Pflegemängel in Heimen, verbesserungswürdige Arbeitssituationen, Personalnotstände – ja das gibt es leider! Aber noch mehr gibt es engagierte Mitarbeiter, überzeugende Leitungen und gute Träger! Wir brauchen keine Skandalisierungen, sondern die richtigen Konzepte, um die Pflege zukunftsorientiert zu entwickeln!

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