Das Alter ist und bleibt relativ!

„Wenn 24 Mio. Einwohner über 65 Jahre alt sind“ so lautete vor einigen Wochen eine Überschrift in der Zeitung Die Welt. „Was dann?“ war mein spontaner Gedanke, ehe ich den Artikel weiter las. Ausführlich wurden die demographischen Zahlen dargestellt und unter jedwedem Blickwinkel beleuchtet. Wie wirkt sich der mit der „Alterung“ der Gesellschaft verbundene Bevölkerungsrückgang statistisch aus? Wie lauten die mit der alternden Bevölkerung einhergehenden Herausforderungen für das Arbeitskräfte-Angebot der Wirtschaftskraft Deutschland? Wie wirkt sich der demographischer Wandel auf die Sozialsysteme, das Wohnen und den Städtebau oder regional aus?

Mit Sicherheit alles richtige und wichtige Erkenntnisse. Vor allem aber Erkenntnisse, die alles andere als neu sind. Schwierig wird es immer, und das ist dem Artikel mit Sicherheit nicht zu unterstellen, wenn die demographische Entwicklung unterschwellig der älteren Generation zum Problem gemacht wird.

Inaktivität ist etwas, was der älteren Generation weder in der Vergangenheit noch heute vorgehalten werden könnte. Auch hier trifft alles andere zu. Und so versteht und sieht sich die ältere Generation auch nicht. „Alter“ heißt heute nicht mehr: einsam, hilfebedürftig, teuer für die Sozialsysteme und ohne Gewinn für die Gesellschaft. Die ältere Generation räumt selbst mit falschen, klischeehaften und längst überholten Bildern vom Leben im Alter auf. Die ältere Generation versteht sich selbst als aktiv, intensiv zivilgesellschaftlich engagiert, sozial vernetzt, sinnvoll sowie nutzbringend und –gewinnend für sich und andere.

Wie engagiert und jung geblieben ältere Menschen sind, davon zeugen beispielsweise die Seniorennetzwerke in Köln, aber auch die Nachbarschaftshilfe Kölsch Hätz von Caritas und Diakonie. Hier engagieren sich Kölner Senioren ehrenamtlich, übernehmen freiwillig Verantwortung für andere Menschen, schenken ihre Zeit und ihr Wissen, geben konkrete Hilfe und Unterstützung und setzen sich aktiv für das soziale Klima und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in ihrem unmittelbaren Sozialraum ein.

Hut ab vor so viel Lebensfreude, Energie und Engagement im Alter!

Über den Autor

Dorothee Bodewein leitet den Leistungsbereich Integration und Beratung; ob es um Arbeitslosigkeit, Integration von Neuzuwandernden und Einwanderern, Überwindung von Armut und Verschuldungssituationen, sozialraumorientierte soziale Arbeit, die Kooperation mit Migrantenorganisationen, Antidiskriminierungsarbeit, interkulturelle Öffnung oder die Förderung bürgerschaftlichen Engagements geht, immer geht es darum, Menschen Perspektiven zu geben und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen zu suchen.

Das begeistert mich...
... dass es Menschen gibt, die sich haupt- und ehrenamtlich für andere einsetzen, ihre Zeit schenken sowie ihr Wissen und Können einbringen, um ältere, alleinstehende, einsame, kranke oder fremde Menschen ein Stück ihres Weges zu begleiten, in ausweglosen Situationen Zuversicht, Perspektive und Anstoß zu geben.

Das ärgert mich ...
... wenn Menschen ausgegrenzt und in der Gesellschaft nicht wahrgenommen werden aufgrund Geschlecht, Hautfarbe, Nationalität, Alter, Behinderung, Gesundheit und Leistungskraft, Erfolg oder Misserfolg; ja, wenn Menschen ihr Recht auf Würde, freie Entfaltung, Chancengleichheit oder einfach anders zu sein, abgesprochen wird.

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