In einem der vielen Hinterhöfe Tiranas

Zweiter Tag: Pünktlich um 9 Uhr sind wir heute früh startklar. Noch bevor wir aufbrechen, begrüßt uns Dr. Albert Nikolla, Direktor der Caritas Albanien, herzlich und wünscht uns spannende und interessante Begegnungen. Dann verteilen wir uns auf drei Fahrzeuge und machen uns auf den Weg in einen der vielen Vororte von Tirana, die in den letzten zwanzig Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind.

Die Sozialarbeiterin Eleanor mit KindernDie Sozialarbeiterin Eleanor mit Kindern

In Breglumi, im Osten Tiranas, leben schätzungsweise 20.000 Menschen. Die meisten von ihnen hat die Landflucht in die Hauptstadt getrieben. Es sind Bergbauern aus dem Norden Albaniens und vor allem Roma-Familien. Das vermeintlich bessere Leben in der Hauptstadt ist hart und entbehrungsreich. 

Ein Großteil der Familien lebt vom Strandgut der anderen: Sie sammeln Müll – Plastikmüll, Eisen und Elektroschrott – sortieren und verkaufen ihn. Eine Familie, die gut im Geschäft ist, bringt es damit auf ein Monatseinkommen von maximal 80 Euro. Das reicht nicht mal für die Grundnahrungsmittel. Breglumi ist als “wilde Siedlung” entstanden. Die Familien haben sich hier einfach niedergelassen. Ihre Baracken aus Holz und Wellblech sind nach und nach kleinen Häusern gewichen. Aber es gibt hier keine Infrastruktur. Das heißt, es gibt keine richtigen Straßen, keine Kanalisation, keine Stromversorgung. In den meisten Baracken und Häusern des Viertels gibt es folgerichtig kein fließendes Wasser, keinen Strom, keine sanitären Anlagen. Krankheiten, die durch mangelnde Hygiene und Mangelernährung bedingt sind, sind weit verbreitet. 

Volker Kusnierz vom Caritasverband Frankfurt mit Schülern in BreglumiVolker Kusnierz vom Caritasverband Frankfurt mit Schülern in Breglumi

In Breglumi hat die Caritas vor zwei Monaten ein neues und größeres Haus bezogen, das nun als Jugendzentrum genutzt wird. Als wir gegen 10 Uhr vormittags eintreffen, sind bereits etwa 50 Kinder da. Die Jüngeren finden Platz zum Spielen, Malen, Singen.

Sie finden hier das Stück Kindheit, für das es bei ihnen zu Hause keinen Platz und Raum gibt. Daneben lernen sie elementare Dinge des Alltags angefangen bei der Körperhygiene bis hin zu einfachen Handgriffen im Haushalt wie Geschirrspülen, Wäsche waschen, putzen. Die älteren Kinder machen ihre Hausaufgaben, bevor sie zur zweiten Schicht nachmittags in die Schule gehen. Denn die Schule hat 1.500 Schüler aber nur Kapazitäten für etwa die Hälfte von ihnen. So werden die Kinder in zwei Schichten unterrichtet.  

Dorian, der Leiter des Jugendzentrums, wird von mehreren Sozialarbeiterinnen und Erzieherinnen unterstützt. Das Team der Caritas hat auch die Eltern der Kinder im Blick. Sie laden sie regelmäßig ins Zentrum ein, beteiligen sie an allen wichtigen Entscheidungen und verlangen von ihnen im Gegenzug einmal im Monat auch freiwilligen Einsatz in der Gemeinde, sei es um Strom- und Wassserleitungen zu legen oder eine Straße befahrbar zu machen.

So kommen die Eltern auch hierher, wenn sie Rat und Hilfe brauchen. Eleanor, eine der Sozialarbeiterinnen der Caritas, erzählt uns von der jungen Mutter, die mit dem zweiten Kind schwanger war. Sie kam und fragte um Rat, weil sich das Kind im Mutterleib nicht bewegte. Dorian und Eleanor brachten sie erst zum Arzt, dann ins Krankenhaus. Der jungen Frau fehlte nichts, außer Essen. Sie konnte sich nur eine Mahlzeit am Tag leisten. Eleanor brachte die werdende Mutter zu den Mutter-Teresa-Schwestern. Die Schwestern kümmern sich seither um sie. Inzwischen geht es der jungen Mutter und dem werdenden Kind gut. Das Baby wird in drei Monaten zur Welt kommen.

geschrieben von Christine Decker a, 27.05.2013, caritas international

Über den Autor

Monika Kuntze sorgt als Geschäftsfeldleiterin Integrations- und Familienhilfen für passgenaue Beratung und Angebote für Flüchtlinge, Zuwanderer, Kinder, Jugendliche und Familien.

Das begeistert mich: Begegnungen mit anderen Menschen, Kulturen und Religionen. Diese Vielfalt erlebe ich in unseren Caritas-Kitas, wenn die Kinder unabhängig von Vorurteilen miteinander spielen, wo das Miteinander, dass Verbindende im Vordergrund steht.
Diese Begegnungen bringen Vielfalt, vor allem aber bereichern sie.

Mich ärgert: Toleranz und Begegnung auf „Augenhöhe“, Globalisierung, soziale/kulturelle Vielfalt sind Herausforderungen unserer Zeit. Die Realität sind rechtsextreme, fremdenfeindliche und antisemitische Tendenzen. Junge Migrantinnen und Migranten erleben Diskriminierung in den Bereichen Schule, Ausbildung und Beruf, aber auch in Freizeit, Sport und im alltäglichen Leben.

Wir Christen müssen gemeinsam mit ihnen und vielen anderen in dieser wichtigen Frage Flagge zeigen und eine klare Position der Nachfolge Jesu in der Kölner Stadtgesellschaft beziehen. Alles ist in dem einen Satz zusammengefasst: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“

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