Anna Mollel – eine starke Frau aus Tansania

Die Trägerin des World’s Children’s Prize 2012 (mit der Bedeutung eines alternativen Nobelpreises) war am 8. Juni auf Einladung der Caritas zu Gast in Köln! Peter Krücker, Vorstand des Kölner Caritasverbandes, sprach aus, was alle dachten: “Wir sind stolz, dass Sie uns besuchen, es ist eine große Ehre für uns, dass Sie hier in Köln unser Gast sind.”

Empfang im Rathaus, Anna Mollel mit Caritas-Vorstand Peter Krücker und Bürgermeister Bartsch

Bürgermeister Hans-Werner Bartsch empfing den großen Gast in Stellvertretung des Oberbürgermeisters im Senatssaal des Kölner Rathauses und würdigte ihre Verdienste: “Sie haben Großes in Ihrem Land für die Rechte von Kindern mit Behinderung in der Massai-Bevölkerung geleistet. 12.500 Kinder wurden durch Ihre Initiative medizinisch behandelt und Hunderte wieder in ihre Dorfgemeinschaften integriert und gehen auf normale Schulen.”

Und als passende Fügung traf Anna Mollel im Rathaus anschließend mit Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz zusammen, die aus Anlass des Eucharistischen Kongresses zeitgleich von Oberbürgermeister Roters empfangen wurden. So konnte unter anderem auch Kardinal Meisner sie noch kurz willkommen heißen.

Bürgermeister Bartsch, Kardinal Meisner, Anna Mollel, Peter Krücker und Dr. Thorsten Hinz (CBP)

In Tansania ist die Vorstellung, vor allem auf dem Land, nach wie vor verbreitet, dass ein Kind mit Behinderung als Strafe Gottes gesehen wird. Oft werden die Kinder vor den anderen Dorfbewohnern versteckt, nicht selten werden sie misshandelt. Wie gelingt es Anna Mollel, in den Dörfern die Kinder aufzuspüren, ihnen zu helfen und die Familien aufzuklären? “Wichtig ist der Respekt, mit dem ich auf die Familien zugehe, – und Zeit. Das geht nicht innerhalb von einer Stunde, das kann ich gar nicht in normaler Arbeitszeit messen. Ich spreche intensiv mit der Familie und nehme mir die Zeit, die es braucht, das kann oft mehrere Stunden dauern. Das funktioniert nur auf Augenhöhe”, erklärt sie nachdrücklich.

Kinder in aller Welt stimmen darüber ab, wer den hochrangigen Weltkinderrechtepreis erhalten soll. 2012 bekam Anna Mollel den Preis von Königin Silvia in Schweden überreicht. Mit dem Preisgeld von 100.000 $ hat sie in ihrem Land eine inklusive Schule erbaut, die sie auch jetzt, nach ihrer Pensionierung, noch aktiv weiter betreibt. “Angefangen haben wir mit der Schule ganz einfach im Freien unter einem Baum und jetzt haben wir ein Gebäude mit mehreren Unterrichtsräumen und Materialien. Und es ist ein Selbstläufer. Viele Familien mir behinderten und nichtbehinderten Kindern kommen zu uns, weil sie von der Schule gehört haben.” Für den weiteren Unterhalt der Schule ist sie auf Spenden angewiesen. Aber noch wichtiger ist ihr, dass die Arbeit, das Anliegen der Kinder mit Behinderung, in den Herzen der Menschen ankommt, denen sie davon berichtet.

Und das gelingt ihr schon allein durch ihre große Ausstrahlung, durch ihre Eindringlichkeit und ihre Präsenz, mit der sie die Arbeit in ihrem Projekt vorstellt – im Rathaus im Gespräch mit Bürgermeister Bartsch, und später auch im Kleinen Sendesaal des WDR im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung.

Wer Anna Mollel erlebt, ist beeindruckt von ihrer ruhigen Kraft, von dieser starken Frau, die so Unglaubliches in ihrem Land in Bewegung setzt.

Und wenn sie dann auch noch ihre Geschichte erzählt, wird deutlich: Veränderung, Weiterentwicklung scheint nur möglich, wenn sich starke
Frauen dafür einsetzen, eben starke Frauen wie Anna Mollel.

Anna Mollel, selbst eine Massai, ist 1951 geboren. Ihr Vater, ein Polygamist, hatte mit neun Frauen 45 Kinder. Mit der Anzahl der Frauen wurde Reichtum demonstriert, somit galt ihr Vater als reicher Mann. Anna Mollels Mutter war seine vierte Frau und sie betont ausdrücklich: “Meine Mutter war es, die gegen den Widerstand meines Vaters meine Schul- und Berufsausbildung durchsetzte.” Das ist nach wie vor in der Massai-Kultur eine Ausnahme, der Vater wollte sie bereits als Zwölfjährige mit einem viel älteren Mann verheiraten.

Allein ihrer Mutter verdanke sie es, dass sie ihr Ziel, eine Ausbildung zur Krankenschwester, erreichen konnte. Sie fand Arbeit in einem Rehazentrum für Kinder mit Behinderung, unterstützt von Caritas international, – wo dann alles begann.

Inzwischen ist Anna Mollel in Tansania, und durch die Auszeichnung auch weltweit, als mutige und unermüdliche Verfechterin von Inklusion und der Rechte für Kinder mit Behinderung bekannt.

Anna Mollel, eine starke Frau aus Tansania – eine Begegnung in Köln, die im Kopf, vor allem aber im Herzen noch lange nachwirkt.

Kontakt zu Anna Mollel und ihrem Projekt über Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e.V. (CBP) in Freiburg, Dr. Thorsten Hinz, www.cbp.caritas.de

 

Über den Autor

Marianne Jürgens,
Pressesprecherin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, sorgt dafür, dass die Stadt über die Caritasarbeit spricht.


Das begeistert mich:

Sobald Musik erklingt, gibt es kein Halten mehr: Ein Leuchten im Gesicht des 91-jährigen Herrn Schmitz. Herr Schmitz tanzt mit Rollator und Herr Schmitz tanzt mit dem 5-jährigen Jordi. So geschehen beim Caritas-Tanzprojekt „come 2 move – gelöste Grenzen“. Caritas und Kunst: Das berührt die Seele von 60 Teilnehmern aller Generationen mit und ohne Handicaps und von Zuschauern gleichermaßen. Wunderbare Wege der Sozialarbeit...


Zu meinem Ärger:

Die gesellschaftliche Realität macht nicht vor der Kirchentür halt. Der Fall einer gekündigten Leiterin eines katholischen Kindergartens in Königswinter, die nach der Trennung von ihrem Mann in einer neuen Beziehung lebt, ist nur einer von vielen. Sind Katholiken beim Arbeitgeber Kirche angestellt, werden solche Lebensbrüche direkt zur Existenzfrage. Und der Kirche gehen menschlich kompetente, engagierte und angesehene Mitarbeitende verloren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.