Aus dem Elend ins neue Elend

Ob auf dem sogenannten “Arbeiterstrich” an der Venloer Straße in Ehrenfeld oder um die Ecke auf einem Bolzplatz: Rumänen und Bulgaren, die aus bitterer Armut in ihren Heimatländern nach Köln gekommen sind, in der Hoffnung hier Arbeit zu finden, gehören in einigen Kölner Stadtteilen bereits zum gewohnten Bild.

Foto: Uli Lange

Dabei sind von allen Zuwanderern aus den beiden EU-Staaten Rumänien und Bulgarien 80 % erwerbstätig und teilweise auch  qualifizierte Facharbeiter.
In der Öffentlichkeit sichtbarer sind die anderen 20 %, – die Menschen, deren Elend sich hier fortsetzt.
Eines muss allen klar sein: Rumänen und Bulgaren, die nach Deutschland eingewandert sind, haben als EU-Staatsbürger ein Recht hier zu sein.

Und viele möchten bleiben. Sie wollen arbeiten, egal was. Alles ist besser als das Leben, das sie in ihrem Heimatland erwartet. Sie versuchen, sich als Tagelöhner anzubieten und werden oft schamlos ausgebeutet. Oder sitzen Wucherern auf, die ihnen einzelne Betten in überbelegten Wohnungen vermieten. Den Sozialarbeitern sind Fälle bekannt, in denen beispielsweise 700 € für das Ausfüllen eines Kindergeldantrags von eigenen Landsleuten abgeknöpft werden und dadurch längerfristige Abhängigkeiten und Verschuldung entstehen. Dabei könnte Hilfe bei Anträgen in den Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände selbstverständlich kostenfrei in Anspruch genommen werden.

Existenzielle Hilfen in den Einrichtungen der Wohlfahrtsverbände wie Duschen, Mittagessen, Kleiderkammern oder Notschlafstellen werden intensiv genutzt, aber diese Menschen mit Hilfen und Beratungsangeboten zu erreichen, die sie dauerhaft aus ihrer prekären Situation herausholen, gelingt nur selten. Kinder, die unter solchen Bedingungen in den Familien leben, sind die besonders Leidtragenden.

Die größte Hürde ist die Sprache. Daher gibt es nur eine Lösung: Es müssen Muttersprachler als Kulturmittler und Integrationslotsen eingestellt werden. Dafür brauchen die Wohlfahrtsverbände finanzielle Unterstützung.

Das Land NRW hat den Kommunen 7,5 Millionen für Integrationshilfe in Aussicht gestellt. Noch ist bei den Wohlfahrtsverbänden nichts angekommen. Dabei ist durch den nahenden Winter und mit der vollständigen Arbeitsmarktöffnung ab 1. Januar 2014 mit einer erneuten Einreisewelle zu rechnen.

Über den Autor

Marianne Jürgens,
Pressesprecherin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, sorgt dafür, dass die Stadt über die Caritasarbeit spricht.


Das begeistert mich:

Sobald Musik erklingt, gibt es kein Halten mehr: Ein Leuchten im Gesicht des 91-jährigen Herrn Schmitz. Herr Schmitz tanzt mit Rollator und Herr Schmitz tanzt mit dem 5-jährigen Jordi. So geschehen beim Caritas-Tanzprojekt „come 2 move – gelöste Grenzen“. Caritas und Kunst: Das berührt die Seele von 60 Teilnehmern aller Generationen mit und ohne Handicaps und von Zuschauern gleichermaßen. Wunderbare Wege der Sozialarbeit...


Zu meinem Ärger:

Die gesellschaftliche Realität macht nicht vor der Kirchentür halt. Der Fall einer gekündigten Leiterin eines katholischen Kindergartens in Königswinter, die nach der Trennung von ihrem Mann in einer neuen Beziehung lebt, ist nur einer von vielen. Sind Katholiken beim Arbeitgeber Kirche angestellt, werden solche Lebensbrüche direkt zur Existenzfrage. Und der Kirche gehen menschlich kompetente, engagierte und angesehene Mitarbeitende verloren.

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