Leben auf der Insel

Die Flüchtlingsunterkunft Herkulesstraße befindet sich auf dem Areal zwischen A 57 und Gleisdreieck. Das ist eine Insellage ohne Infrastruktur und nur durch eine Brücke über die Autobahn mit dem Rest der Welt verbunden. Hier werden in Zukunft 160 Flüchtlinge untergebracht, vielleicht noch mehr, wenn auf dem Gelände noch zusätzliche Container aufgestellt werden. Damit geht die Stadt den Weg zurück zu Massenunterkünften, deren Zeit man eigentlich als überwunden ansah. So verabschiedete der Rat am 17.06.2003 Leitlinien zur  Unterbringungskapazitäten in Wohnheimen  in denen maximal 50 – 80 Bewohnerplätzen vorzuschlagen wurden. Von der Einhaltung der getroffenen Vereinbarungen hat sich die Stadt längst verabschiedet. Weder gab es eine Abstimmung mit dem Runden Tisch für Flüchtlingsfragen, noch wurde ein Betreuungs- und Integrationskonzept erstellt.
Nicht zu vergessen, wir sprechen hier von Menschen, die geflohen sind, vor einem  blutigen Bürgerkrieg, vor Verfolgung und mit Angst um Leib und Leben. Frauen, Kinder, Muslime und Christen. Sie alle fliehen. Die meisten fliehen  in die Nachbarländer und nur die wenigsten direkt nach Europa.

Hier angekommen, werden sie ohne jede Vorbereitung auf Inseln wie in der Herkulesstraße  untergebracht, die nicht an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden sind. Da wundert es nicht, dass darüber weder die Flüchtlinge noch die Hilfsorganisationen begeistert sind. Die  nachbarschaftlichen und zwischenmenschlichen Abläufe, Beratung und Unterstützung, Sprachförderung und Integrationsmaßnahmen finden nicht statt.

Gefordert sind kommunale Unterbringungskonzepte, die eine Einbeziehung und Teilhabe der Flüchtlinge zum Ziel haben statt die Betroffenen irgendwo im Gewerbegebiet in Großunterkünften zu isolieren.
Jeder Flüchtling will irgendwo ankommen und ein neues Leben beginnen, das heißt auch eine eigene Wohnung beziehen, arbeiten und ein neues Leben aufbauen.

Ziel jeder kommunalen Flüchtlingspolitik muss es daher sein, dieses Ankommen perspektivisch zu ermöglichen und Alltäglichkeit zu schaffen. Es wird Zeit, dass sich die Kommune auch ihrer Verantwortung stellt und längst überfällige, nachhaltige Konzepte entwickelt.

Über den Autor

Monika Kuntze sorgt als Geschäftsfeldleiterin Integrations- und Familienhilfen für passgenaue Beratung und Angebote für Flüchtlinge, Zuwanderer, Kinder, Jugendliche und Familien.

Das begeistert mich: Begegnungen mit anderen Menschen, Kulturen und Religionen. Diese Vielfalt erlebe ich in unseren Caritas-Kitas, wenn die Kinder unabhängig von Vorurteilen miteinander spielen, wo das Miteinander, dass Verbindende im Vordergrund steht.
Diese Begegnungen bringen Vielfalt, vor allem aber bereichern sie.

Mich ärgert: Toleranz und Begegnung auf „Augenhöhe“, Globalisierung, soziale/kulturelle Vielfalt sind Herausforderungen unserer Zeit. Die Realität sind rechtsextreme, fremdenfeindliche und antisemitische Tendenzen. Junge Migrantinnen und Migranten erleben Diskriminierung in den Bereichen Schule, Ausbildung und Beruf, aber auch in Freizeit, Sport und im alltäglichen Leben.

Wir Christen müssen gemeinsam mit ihnen und vielen anderen in dieser wichtigen Frage Flagge zeigen und eine klare Position der Nachfolge Jesu in der Kölner Stadtgesellschaft beziehen. Alles ist in dem einen Satz zusammengefasst: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“

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