Sind Sie glücklich?

Zum Glücklich sein gehört deutschen Spruchweisheiten nach bekanntlich nicht viel. Der Duden beschreibt Glück als eine angenehme und freudige Gemütsverfassung oder einen Zustand innerer Befriedigung und Hochstimmung.

Wie glücklich die Deutschen sind, denen eher eine pessimistische Grundeinstellung nachgesagt wird, darüber gibt der jüngst veröffentlichte „Glücksatlas 2013“ Auskunft. Nach dieser Studie, bei der die Forscher das Glück in messbare Faktoren wie Einkommen, Berufs- und Familiensituation, Gesundheit und Freizeit aufteilen, ist das Glück vor allem im Norden Deutschlands zu Hause und zwar in dieser Reihenfolge: Schleswig-Holstein,  Hamburg und das nördliche Niedersachsen. Unglücklich oder eher unzufrieden sind dagegen die Brandenburger, Sachsen-Anhalter und Thüringer.

Insgesamt betrachtet kann selbst die Eurokrise den Glücksmomenten der Deutschen nichts anhaben. Im europaweiten Vergleich befindet sich Deutschland im oberen Drittel auf Platz acht. Und wie sieht es in Nordrhein-Westfalen, in Köln aus? Die drei in der Studie erfassten Großräume bzw. Regionen Düsseldorf, Westfalen und Köln finden wir im Mittelfeld, auf den Plätzen 10 bis 12 wieder. Während die Düsseldorfer laut Glücksatlas mit ihrer Freizeit zufrieden sind und ihnen am meisten ihre Gesundheit und ihr Einkommen Sorge machen, freuen sich die Kölner am meisten über ihre Wohnungssituation – kein Wunder: immerhin sind wir hier ja auch in der schönsten Stadt der Welt.
 
Was ich besonders bemerkenswert finde und mich angesichts so manchem gesellschaftlichen Klima angenehm überrascht hat, ist, dass deutschsprachige Migranten ab 16 Jahren, die ebenfalls von den Forschern zu ihrem Glücklich sein befragt wurden, nach eigener Einschätzung ebenso gut wie der Gesamtbevölkerung geht. Mit knapp 15 Millionen Menschen macht diese Gruppe 20 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Demnach sehen die Kinder der Zuwanderer – vorausgesetzt sie haben gute Sprachkenntnisse – mit Zuversicht in die Zukunft, was mich an einen Ausspruch von Günther Jauch erinnert: „Bildung kann einen sehr glücklich und gelassen machen.“
Migranten sind im Schnitt sogar optimistischer. So glauben 54 Prozent der Befragten mit Kindern unter 30 Jahren, dass es ihrem Nachwuchs später einmal bessergeht. Von den Einheimischen wird das nur von 27 Prozent ebenso gesehen.

Diese Einschätzung kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Thema Diskriminierung für viele Zuwanderer eine Rolle spielt. Immerhin gab jeder Zweite der Befragten an, aufgrund ihrer Herkunft schon einmal ungerecht behandelt worden zu sein. Was mag ihnen durch den Kopf gehen, wenn man in diesen und vergangenen Tagen in den Medien Bilder sieht und Berichte liest, wie gegen die Unterbringung von Asylbewerbern offen demonstriert und in geradezu perfider Art und Weise skandaliert wird: “Wir sind das Volk!” Ein Weckruf der Wende, der als Synonym für die friedliche Revolution von 1989 für Demokratie, Freiheit, Offenheit und Toleranz steht.

Bekanntlich sind es die kleinen und nicht immer kostspieligen Dinge, die Freude machen und zum Glücklich sein beitragen. Heute schon dem Kollegen ein Lächeln, der Sitznachbarin im Bus ein nettes Wort, der Mutter mit dem Kinderwagen eine Geste der Höflichkeit oder dem Obdachlosen Aufmerksamkeit geschenkt? Versuchen Sie es mal. Es ist nicht schwer. Man muss nur wollen, dann steht dem eigenen Glück nichts im Wege, nicht einmal man selbst!

Über den Autor

Dorothee Bodewein leitet den Leistungsbereich Integration und Beratung; ob es um Arbeitslosigkeit, Integration von Neuzuwandernden und Einwanderern, Überwindung von Armut und Verschuldungssituationen, sozialraumorientierte soziale Arbeit, die Kooperation mit Migrantenorganisationen, Antidiskriminierungsarbeit, interkulturelle Öffnung oder die Förderung bürgerschaftlichen Engagements geht, immer geht es darum, Menschen Perspektiven zu geben und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen zu suchen.

Das begeistert mich...
... dass es Menschen gibt, die sich haupt- und ehrenamtlich für andere einsetzen, ihre Zeit schenken sowie ihr Wissen und Können einbringen, um ältere, alleinstehende, einsame, kranke oder fremde Menschen ein Stück ihres Weges zu begleiten, in ausweglosen Situationen Zuversicht, Perspektive und Anstoß zu geben.

Das ärgert mich ...
... wenn Menschen ausgegrenzt und in der Gesellschaft nicht wahrgenommen werden aufgrund Geschlecht, Hautfarbe, Nationalität, Alter, Behinderung, Gesundheit und Leistungskraft, Erfolg oder Misserfolg; ja, wenn Menschen ihr Recht auf Würde, freie Entfaltung, Chancengleichheit oder einfach anders zu sein, abgesprochen wird.

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