Die Würde des alten Menschen….. muss schon mal warten!

Die Charta der Rechte der hilfe- und pflegebürftigen Menschen sagt in Ihrem Artikel 1: „Jeder hilfe- und pflegebedürftige Mensch hat das Recht auf Hilfe zur Selbsthilfe und auf Unterstützung, um ein möglichst selbstbestimmtes und selbständiges Leben führen zu können.“ Und diese Charta wird von Bundesregierung und der Stadt Köln ausdrücklich unterstützt.

Und dann schauen wir in die Realität des Lebens: Eine Bewohnerin zieht in ein Caritas-Altenzentrum. Die Rente und die Hilfe der Pflegeversicherung genügen leider nicht um die Pflege zu finanzieren – trotz eines lebenslangen Arbeitens und der Leistung eine Familie mit Kinder geführt zu haben. Also besteht die Notwendigkeit die Leistungen der Sozialhilfe zur Hilfe bei Pflegebedürftigkeit in Anspruch zu nehmnen – zum ersten Mal im Leben Sozialhilfe.

Doch das Sozialamt braucht in der Regel 6 – 8 Monate um den Anspruch zu prüfen. Andere haben da Vorrang! Der alten Dame geht es doch gut! Sie ist doch versorgt! Dach überm Kopf und drei Mahlzeiten (plus Nachmittagskaffee) am Tag.

Nur: In dieser Zeit verfügt die Frau über keinerlei finanzielle Mittel, denn die Rente dient ja der Finanzierung der Heimkosten! Kein Geld für einen Friseurbesuch! Kein Geld für eine Tageszeitung oder die Teilnahme an Ausflügen! Kein Geld sich ein Glas Wein oder die Zigarette am Abend zu gönnen! Und das 6 bis 8 Monate lang!

Nachfrage der Angehörigen und der Mitarbeiterin des Heimes beim Sozialamt: Ja so ist das eben! Dann soll doch die Caritas sich dem annehmen!

Ja, das tun wir auch. Wir sind auch Anwalt der Pflegebedürftigen und Ihrer Rechte! Wir gewähren der alten Dame „Kredit“ und sorgen dafür, dass Sie ein paar Euro „Taschengeld“ verfügbar hat.

Aber sieht so die Wahrung der Rechte von alten, hilfebdürftigen und pflegebedürftigen Menschen aus? Ist das Würde? Es wäre schön, wenn Politik und Verwaltung nicht nur über Rechte und Würde redet, sondern selbst dazu beiträgt diese zu bewahren! Und sei es nur durch die zeitnahe Gewährung von Anspruchen der Sozialhilfe bei alten und pflegebedürftigen Menschen.

Über den Autor

Detlef Silvers,
leitet das Geschäftsfeld Stationäre Betreuung - vielfältig mit einem Dienstleistungsangebot von Tagespflege, Kurzzeitpflege, vollstationärer Dauerpflege, Wohnen für Menschen mit Behinderungen bis zur Begleitung Sterbender in Hospizen.
Menschlichkeit pflegen! - hierfür steht Stationäre Betreuung der Caritas!
Mit 770 Mitarbeitenden in 21 Einrichtungen an 13 Standorten in Köln leisten wir so gemeinsam unseren Dienst für über 900 Menschen.

Das begeistert mich:
Mit Menschen zusammen kommen und gemeinsam etwas bewegen! Etwas aufbauen, dass auch nach Jahren noch Bestand haben kann! Rahmenbedingungen schaffen für eine gute Lebenssituation der Betreuten und fördernde Arbeitsbedingungen für Mitarbeitende!

Das ärgert mich:
Die oft einseitige Darstellung von Pflege in der Öffentlichkeit! Pflegemängel in Heimen, verbesserungswürdige Arbeitssituationen, Personalnotstände – ja das gibt es leider! Aber noch mehr gibt es engagierte Mitarbeiter, überzeugende Leitungen und gute Träger! Wir brauchen keine Skandalisierungen, sondern die richtigen Konzepte, um die Pflege zukunftsorientiert zu entwickeln!

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