Altersdiskriminierung beginnt mit undifferenziertem Altersbild

„Erkenntnisse“ unseres Mitarbeiters Hermann-Josef Roggendorf  nach der Bekanntgabe der  Hochaltrigenstudie von Prof. Kruse, Heidelberg

Im gesellschaftlichen und kulturellen Umgang mit Menschen im hohen Alter (85 und älter) sind sehr viel differenziertere Altersbilder notwendig, die nicht nur gesundheitliche Risiken, sondern auch das soziale und kulturelle Kapital dieser Personengruppe ausdrücklich ansprechen und würdigen.
Prof. Kruse belegt, dass die Sorge für und die Sorge um andere Menschen auch die Motivlage hochbetagter Menschen wesentlich bestimmt. Das mitverantwortliche Leben endet nicht im hohen Alter, sondern setzt sich in diesem fort, auch wenn sich aufgrund der verringerten körperlichen Ressourcen die Ausdrucksformen dieses Lebens wandeln.
Die von ihm durchgeführten Interviews bestätigen, dass sich ein Großteil der Senioren nicht nur als verletzlich erlebt, sondern bei sich selbst auch das Potential zur Selbst- und sozialen Weltgestaltung sieht. Die Überzeugung, aktiver Teil der Gesellschaft zu sein, das eigene Wissen weitergeben und dadurch in nachfolgenden Generationen fortleben zu können, hilft Menschen im hohen Alter, die eigene Verletzlichkeit innerlich zu überwinden.
Drei der Befragten, erklärten, dass das Gefühl der eigenen Verantwortung für das Wohl folgender Generationen im hohen Alter nicht zurückgeht. Das Bedürfnis nach Austausch mit jungen Menschen ist im hohen Alter stark ausgeprägt. Wenn die Möglichkeit des mitverantwortlichen Lebens nicht mehr gegeben ist, dann wird dies als ein „Aus-der-Welt-Fallen“ erlebt, das mit einem deutlichen Rückgang an Lebensqualität verbunden ist.
Der Selbstmord von 2 Hochaltrigen, von dem ich in diesen Tagen erfuhr, macht mich betroffen und verdeutlicht mir, dass gesellschaftlich bedingte Grenzen der Teilhabe auch im hohen Alter negative Folgen für Wohlbefinden, Lebensbindung und Lebensqualität und massiven Einfluss auf das Leben haben. Daraus ergibt sich eine besondere Verpflichtung für Kommunen, Institutionen, Vereine und Familien.
In unserer Gesellschaft sind auch für hochbetagte Menschen Möglichkeiten zur Mitgestaltung zu schaffen, beziehungsweise zu erhalten. Chancen zur natürlichen Begegnung zwischen Jung und Alt, Chancen, Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen – auch wenn diese quantitativ noch so klein sind -, müssen als Teil einer generationenfreundlichen Gestaltung des öffentlichen und privaten Raums verstanden werden – ganz einfach, weil dies sinnstiftend ist.

Über den Autor

Maria Hanisch, Geschäftsfeldleiterin Ambulante Dienste: Ob Senioren, pflegebedürftige Menschen, Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung, mein Credo ist „Die Zukunft ist ambulant.“

Das begeistert mich:
Ich liebe Musik und hier vor allem Bach und seine Werke. Am Wochenende bin ich oft recht flott mit dem Rennrad unterwegs. Höhepunkt dieses schweißtreibenden Sports war meine Teilnahme am „Jederfraurennen“ Rund um Köln, Resultat: 10. Platz in meiner Altersgruppe.

Zu meinem Ärger:
Sozialpolitische Arbeit im Einsatz für Menschen mit Pflegebedarf oder Behinderung braucht Ideen und einen Blick über den Tellerrand. Es macht mich ganz wild, dass wir die Herausforderungen der Zukunft so halbherzig angehen und innovative Konzepte über Parteigrenzen und engen finanziellen Rahmenbedingungen nicht konsequenter vorantreiben.

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