Turin eine Stadt der “Vielfalt”

Im Rahmen eines EU-Projektes (CAPSO- Caritas in Europa – Promoting Together Solidarity) war ich eine Woche in Turin. In Gesprächen mit CaritasmitarbeiterInnen und Ehrenamtlichen, während Hospitationen in verschiedenen sozialen Einrichtungen, wurde mir die Not der Menschen sehr deutlich. Aber es gibt auch das „bunte“ Turin !

    

Die Konsequenz aus der globalen Wirtschaftskrise seit 2008 bedeutete eine hohe Arbeitslosigkeit in allen Bevölkerungsschichten (neue Armut). Besonders dramatisch ist die hohe Zahl der Arbeitslosen jungen Menschen mit guter Qualifikation und Akademikern. Die Zahl der Menschen, die zur Arbeitssuche Italien verlassen, steigt ständig.

Tausende Süditaliener wanderten in den 60ziger Jahren nach Turin aus, um eine Arbeit zu erhalten, vergleichbar mit den Gastarbeitern aus der Türkei in der Bundesrepublik. In Turin gehören Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zum alltäglichen Stadtbild.

Besonders sichtbar wird dies auf dem größten Markt  Europas, der Porta Palazzo, dort erlebt man eine bunte Mischung der Kulturen und Produkte.

Aber Turin hat auch die Lega Nord, die alles daran setzt, Zuwanderung und Integration zu verhindern. Ein Caritasmitarbeiter formulierte dies so: ” Zuerst führte die Lega eine Kampagne gegen die Süditaliener, die vor Jahrzehnten nach Turin zogen, dann waren es Fremde im Allgemeinen und jetzt sind es die Muslime und Flüchtlinge.”

Turin, das von den Vereinten Nationen als das optimale Erfolgsmodell für die Integration in Italien bezeichnet wurde, hat sich auf die Integration in den Schulen konzentriert und betreibt ein Programm, das Jugendlichen mit Migrationshintergrund die Chance bietet, sich als freiwillige “Sozialarbeiter” zu betätigen.

Interkulturelle Bibliotheksarbeit mal anders: “Bibliomigra” – eine fahrende und mehrsprachige Bibliothek, habe ich bei meinen Streifzügen durch Turin entdeckt.

Über den Autor

Monika Kuntze sorgt als Geschäftsfeldleiterin Integrations- und Familienhilfen für passgenaue Beratung und Angebote für Flüchtlinge, Zuwanderer, Kinder, Jugendliche und Familien.

Das begeistert mich: Begegnungen mit anderen Menschen, Kulturen und Religionen. Diese Vielfalt erlebe ich in unseren Caritas-Kitas, wenn die Kinder unabhängig von Vorurteilen miteinander spielen, wo das Miteinander, dass Verbindende im Vordergrund steht.
Diese Begegnungen bringen Vielfalt, vor allem aber bereichern sie.

Mich ärgert: Toleranz und Begegnung auf „Augenhöhe“, Globalisierung, soziale/kulturelle Vielfalt sind Herausforderungen unserer Zeit. Die Realität sind rechtsextreme, fremdenfeindliche und antisemitische Tendenzen. Junge Migrantinnen und Migranten erleben Diskriminierung in den Bereichen Schule, Ausbildung und Beruf, aber auch in Freizeit, Sport und im alltäglichen Leben.

Wir Christen müssen gemeinsam mit ihnen und vielen anderen in dieser wichtigen Frage Flagge zeigen und eine klare Position der Nachfolge Jesu in der Kölner Stadtgesellschaft beziehen. Alles ist in dem einen Satz zusammengefasst: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“

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