Damit Flüchtlingskinder im Leben bestehen…

Viele Kinder wachsen in einem Alltag auf, der geprägt ist von Kriegen, Gewalt, Vertreibung oder dem Verlust der Familie. Wir alle kennen die Schreckensbilder, die uns das Ausmaß der Not in Kriegs- und Krisengebieten zeigen. Nicht sichtbar hingegen sind die seelischen Wunden, welche die Gewalt hinterlässt. Die seelische Gesundheit der Kinder ist darum ein elementarer Baustein für das friedliche Zusammenleben. Diesen Kindern Chancen für eine bessere Zukunft zu geben, ist Ziel der therapeutischen Arbeit mit Kindern im Therapiezentrum für Folteropfer.

Gerade geflohene Kinder und Jugendliche müssen auch hier in Köln unter erschwerten Bedingungen  leben. Oftmals müssen sie sich ohne schützende Bezugsperson in einer fremden Kultur zurechtfinden. Oder sie müssen mit den Folgen der Traumatisierung Ihrer Eltern zu Recht kommen. Sie müssen die Kita, die Schule oder die Ausbildung in einer fremden Sprache bewältigen und können dabei nur selten eine langfristige Perspektive entwickeln, denn ein gesicherter Aufenthaltsstatus wird Ihnen oft nicht gewährt.

Bereits im Jahr 2013 wurden über 5.500 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Deutschland durch die Jugendämter in Obhut genommen. Unabhängige Studien gehen von einer Prävalenzrate der Traumatisierungen in Höhe von 30-40% bei den Betroffenen aus. Entsprechend hoch ist die Rate der Anfragenden nach sozialarbeiterischer und psychologischer Beratung und Psychotherapie  im Therapiezentrum.

Das Therapiezentrum für Folteropfer bietet den geflüchteten Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern sowie unbegleiteten Minderjährigen, ein auf ihre Bedürfnisse abgestimmtes spezialisiertes Therapie- und Beratungskonzept an. Weiterhin finden im Einzelfall Vermittlungen an niedergelassene Psychotherapeuten, die supervisorisch begleitet werden, statt. Als sehr hilfreich hat sich die gute Kooperation mit den katholischen Erziehungsberatungsstellen in Köln in dieser Notlage erwiesen.

Die seelische Erholung von Traumatisierungen setzt eine sichere Bindung, Bildung, das Gefühl der Selbstwirksamkeit und die Existenz von guten inneren Bildern voraus.

Darüber hinaus ist die Voraussetzung für die seelische Heilung eine äußere Sicherheit, d.h. ein gesicherter Aufenthalt im Aufnahmeland, ein emotionales „sich Einlassen“ des Klienten sowie die Verarbeitung der schrecklichen Erlebnisse im sicheren therapeutischen Setting.

Die Angebote des Therapiezentrums in Köln sind vielfältig: Neben psychotherapeutischen Einzeltherapien, bieten Gruppen mit kunsttherapeutischen oder psychosozialen Schwerpunkten Möglichkeiten für die Klienten sich in vielfältiger Weise auszudrücken. Die Reittherapie, speziell für traumatisierte Kinder und Jugendliche konzipiert, stärkt das Vertrauen der Betroffenen in sich und in andere. Darüber hinaus bieten Ferienmaßnahmen, wie Wochenenden in der Natur mit der Familie, eine gute Gelegenheit, Körper und Seele wieder in Einklang zu bringen und gute innere Bilder gegen die Bilder des Schreckens setzen zu können. Ein innerer sicherer Raum kann so langsam gebildet werden.

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist eine sehr bereichernde Arbeit für die Therapeuten und Sozialarbeiter, da sie sichtbare und langfristige Erfolge mit sich bringt.

Eine Voraussetzung, dass die Berater und Behandler der „Fels in der Brandung“ für die Betroffenen bleiben, ist die wirtschaftliche Absicherung und Refinanzierungder in diesem Bereich.

Fakt ist, dass aufgrund der fehlenden Regelfinanzierung des Therapiezentrums im therapeutischen Bereich, die Arbeit ausschließlich über befristete und unsichere Projektmittel geleistet werden kann. Von daher können wichtige Maßnahmen bis hin zu Therapien nicht geplant werden, die Kontinuität laufender Therapien ist gefährdet und neue Flüchtlinge können derzeit nicht mehr aufgenommen werden, selbst die langen Wartelisten mussten geschlossen werden.

Das Therapiezentrum benötigt nach 30jährigem humanitärem Engagement dringend eine sichere finanzielle Basis, damit Flüchtlingskinder und Jugendliche mit ihren Eltern weiterhin Unterstützung und Hilfe finden.

 

 

Über den Autor

Monika Kuntze sorgt als Geschäftsfeldleiterin Integrations- und Familienhilfen für passgenaue Beratung und Angebote für Flüchtlinge, Zuwanderer, Kinder, Jugendliche und Familien.

Das begeistert mich: Begegnungen mit anderen Menschen, Kulturen und Religionen. Diese Vielfalt erlebe ich in unseren Caritas-Kitas, wenn die Kinder unabhängig von Vorurteilen miteinander spielen, wo das Miteinander, dass Verbindende im Vordergrund steht.
Diese Begegnungen bringen Vielfalt, vor allem aber bereichern sie.

Mich ärgert: Toleranz und Begegnung auf „Augenhöhe“, Globalisierung, soziale/kulturelle Vielfalt sind Herausforderungen unserer Zeit. Die Realität sind rechtsextreme, fremdenfeindliche und antisemitische Tendenzen. Junge Migrantinnen und Migranten erleben Diskriminierung in den Bereichen Schule, Ausbildung und Beruf, aber auch in Freizeit, Sport und im alltäglichen Leben.

Wir Christen müssen gemeinsam mit ihnen und vielen anderen in dieser wichtigen Frage Flagge zeigen und eine klare Position der Nachfolge Jesu in der Kölner Stadtgesellschaft beziehen. Alles ist in dem einen Satz zusammengefasst: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“

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