Flüchtlinge im Baumarkt und Spitzenpolitiker hinterm Baum

Die Krise der Unterbringung von Flüchtlingen in Köln erreicht ihren vorläufigen Höhepunkt! Flüchtlinge sollen in einen Baumarkt…, aber nicht als Kunden, sie sollen hier wohnen. Fernab im Industriegebiet steht ein alter Praktiker-Baumarkt leer. Eine große Halle, riesiger Parkplatz, vergittertes Außengelände des Gartenmarktes. Hier sollen 200 Flüchtlinge leben: ohne Tageslicht, Toiletten und Duschen in Containern auf dem Parkplatz. Eine Abtrennung und die Schaffung von Privatbereichen war anfangs (aus Brandschutzgründen!!!) nicht vorgesehen, sie soll jetzt aber in einem Messebausystem errichtet werden. Das bringt wenigstens optische Trennung, akustische aber nicht!

Ich frage mich, wie das enden soll. Wie sollen hier Menschen zur Ruhe kommen, die einen langen Weg über Monate und Jahre auf sich genommen haben. Deren Leben bedroht war, durch die Situation im Herkunftsland und die Gefahren der Flucht. Was hier passieren wird, kennen wir von anderen Massen-Unterkünften: Durch die unqualifizierte Unterbringung weit ab und unterhalb aller Standards werden Konflikte entstehen. Das ist die zwangsläufige Folge bei Stress. Und Stress ist bei einer solchen Unterbringung vorprogrammiert: Weil das Tageslicht fehlt, weil es keine Privatsphäre gibt, weil die Kinder laut sind, weil viele unterschiedliche Kulturen zusammen kommen, weil die Tagesstruktur fehlt. Und die Konflikte führen zur Abschottung der Unterbringung, zur Massierung des Wachdienstes, führen zur Ablehnung der Nachbarschaft. Das scheint das Gesetz der Flüchtlingsunterbringung zu sein.

Solche Umstände entstehen, wenn sich keiner richtig kümmert. Das ist wahrlich kein Vorwurf an die Sozialverwaltung, die kümmert sich Tag und Nacht und versucht, was sie kann.
Das ist aber ein Vorwurf an die Chefetagen: Die Spitzen-Politiker aller Fraktionen halten sich raus, sie stehen hinterm Baum, schicken, wenn überhaupt, dann Fachpolitiker vor. Keiner geht in die Verantwortung und stellt sich vor die Kameras – die Sozialdezernentin ist die einzige! Doch das Elend der Flüchtlinge muss zur Chefsache werden. Es braucht die massive Unterstützung der gesamten Politik und der Verwaltung. Die Prioritäten in vielen Politik- und Verwaltungsbereichen müssen anders gesetzt werden: Es kann nicht sein, dass Grundstücke nicht genutzt werden dürfen, weil Gewerbe entstehen soll. Es kann nicht sein, dass der Bau einer Flüchtlingsunterkunft nicht voran geht, weil die Bearbeitung in der Verwaltung Monate braucht. Es kann nicht sein, dass Gebäude leer stehen, weil sie irgendwann einmal anders genutzt werden sollen.

Wir brauchen die gemeinsame Anstrengung aller, um die Herausforderung der Flüchtlingsunterbringung zu bewältigen. Dann steht endlich die Politik in der Verantwortung und der Flüchtling im Baumarkt – aber als Kunde!

Über den Autor

Peter Krücker: als Sprecher des Vorstandes bin ich für alle Leistungen der Kölner Caritas der Letztverantwortliche. Gemeinsam mit meinem Kollegen Hubert Schneider bilde ich den Vorstand - bin sozusagen der Chef.

Was mich begeistert: Mut und Initiative, klare Worte und deutliche Meinungen. Ich habs gerne, wenn Leute die "Ärmel aufkrempeln" und anpacken statt ständig nur rumzureden. Und mich begeistern meine beiden Kinder. Mit den Kinderaugen sieht die Welt manchmal völlig anders aus - und das Leuchten in den Augen haben zu viele Menschen schon verlernt.

Was mich ärgert: Ungerechtigkeit ! Das regt mich auf und da muss jeder den Mund aufmachen! Und wenn der Mund nicht aufgemacht wird, macht sich jeder zum Teil der Ungerechtigkeit. Und was mich noch ärgert, ist nörgeln und meckern statt besser machen. Dumpfes Gerede ohne Inhalte, Reden ohne Wissen, worum es wirklich geht.

Ein Kommentar zu “Flüchtlinge im Baumarkt und Spitzenpolitiker hinterm Baum

  1. Natürlich sind die Politiker in der Pflicht an dem Zustand was zu tun. Ich bin jetzt auch nicht soweit informiert, in wie weit die Anzahl von Flüchtlingen im Stadtrat bekannt waren.
    Ich lebe in der Nähe des alten Praktikers und die Menschen wirken nicht so gestresst wie es der Artikel aussagt. Sie wirken eher erleichtert das Sie weg aus den Krisengebieten sind. Ich bin aber auch der Meinung dies darf nur als Notunterkunft dienen und sie sollen schnell in Wohnungen umgesiedelt werden. Selbst wenn es nur eine 2 Zimmer Wohnung für eine 4-5 köpfige Familie ist.

    Mein Pladöyer lautet Nur in Wohnungen werden sie den absoluten Frieden/ das Gefühl des Ankommens finden

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