Hauptsache „satt“ und „sauber“? Würdevoll Pflegen ist mehr.

Bei einer Podiumsdiskussion im Domforum hat Christine Sowinski, Referentin vom Kuratorium Deutsche Altenhilfe KDA, einige aus meiner Sicht spannende Thesen aufgestellt. Hier Ihre Kernthesen:
1) Leidet die Gesellschaft an einer „Pflege- Phobie?“ Die mediale Aufbereitung des Thema “Pflege“ z.B. im Fernsehen scheint ein großangelegter gesellschaftlicher Abwehrprozess gegen die eigenen Sterblichkeit und das Erleben von Krankheit und Leid zu sein, z.B. durch Skandalisierung, Täter und Opfer- Zuschreibungen.
2) In der Diskussion um Pflege werden mindestens drei Dinge in unzulänglicher Weise vermischt, erstens die soziale Situation des älteren Menschen z.B. seine Einsamkeit, zweitens das Kranksein und das Sterben und drittens die professionelle Begleitung. Es erscheint zum Teil so, als würde z.B. der Prozess der Demenz durch schlechte Pflege entstehen. Damit wird Pflege schnell zum „Sündenbock“.
3) Verschlimmern wir in der Pflege durch ungeschicktes Agieren unsere Situation durch Aktionen wie „Pflege am Boden“, in der stationären Pflege durch Pausen im Wohnbereich („Immer wenn ich zu Besuch komme, sitzen die nur da, rauchen und trinken Kaffee“), Jammern („Keiner erkennt uns an“.)
Wie kommen wir weiter? Was sind selbstgemachte Probleme, wo braucht Pflege Unterstützung der Gesellschaft auch finanzieller Art?

Positivbeispiele könnten sein: Umgang mit Demenz innerhalb der Landesinitiative Demenz-Service NRW, Reform der stationären Wohnformen zu neuen Wohnformen, punkten mit Kompetenz statt jammern.
Natürlich liegt einiges im Argen: Anspruch und Realität in der Pflege klaffen oft auseinander. Weil Pflegeleistungen nicht ausreichend refinanziert werden, stehen Pflegekräfte in ihrer Arbeit meist unter immensem Zeitdruck.
Aber es gibt Ideen, die Lage zu verbessern. Ein Vorschlag: So wie in
Betriebskitas investiert wird, könnten in Zukunft auch von Unternehmerseite zum Beispiel Tagespflegeplätze geschaffen werden.
Denn wir wollen es doch alle – für unsere Angehörigen und auch später für uns selbst: Pflege und Betreuung auf höchstem fachlichen und menschlichen Niveau.
Christine Sowinski plädierte dafür, dass auch die Mitarbeitenden in der Pflege selbst einiges verändern können. Es sei Zeit, endlich mit dem Jammern aufzuhören. Sicher, der Personal-schlüssel muss dringend verändert werden. Jeder Einzelne in unserer Gesellschaft muss be-greifen, dass die Pflegeversicherung nur eine Teilkaskoversicherung ist und bereit sein, sich gute Pflege etwas kosten zu lassen. Die Pflegekräfte selbst könnten sich politisch mehr enga-gieren, um damit Druck auszuüben und Veränderungen zu bewirken. Es gehe auch darum, öffentlich deutlich zu machen, wie erfüllend und sinnstiftend dieser Beruf sein kann.

So bestätigte eine Pflegemitarbeiterin aus dem Publikum am Ende der Veranstaltung. „Es macht mir einfach Spaß, zu helfen. Es ist ein anspruchsvoller Beruf, in dem ich wirklich etwas für Menschen bewirken kann.“

Über den Autor

Maria Hanisch, Geschäftsfeldleiterin Ambulante Dienste: Ob Senioren, pflegebedürftige Menschen, Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung, mein Credo ist „Die Zukunft ist ambulant.“

Das begeistert mich:
Ich liebe Musik und hier vor allem Bach und seine Werke. Am Wochenende bin ich oft recht flott mit dem Rennrad unterwegs. Höhepunkt dieses schweißtreibenden Sports war meine Teilnahme am „Jederfraurennen“ Rund um Köln, Resultat: 10. Platz in meiner Altersgruppe.

Zu meinem Ärger:
Sozialpolitische Arbeit im Einsatz für Menschen mit Pflegebedarf oder Behinderung braucht Ideen und einen Blick über den Tellerrand. Es macht mich ganz wild, dass wir die Herausforderungen der Zukunft so halbherzig angehen und innovative Konzepte über Parteigrenzen und engen finanziellen Rahmenbedingungen nicht konsequenter vorantreiben.

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