Marktgedanken

In den letzten Wochen waren immer mal wieder Berichte in den Zeitungen zu lesen, die über das zu viel an Operationen in Deutschland berichteten oder darüber, dass jede 3. Geburt ein Kaiserschnitt ist. Dabei werden Operationen oft unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten entschieden, denn unter gesundheitlicher Notwendigkeit. Häufig, so lese ich, schimpft dann die Politik auf die Ärzte oder Klinikleitungen.
Ich finde das schon bedenklich. Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten Rahmenbedingungen geschaffen, die konsequent von den Tätigen im Gesundheitswesen – und der Pflege – betriebswirtschaftliches Handeln einfordern, warum wundern wir uns dann, wenn wir uns auch tatsächlich so verhalten!
Die moralische Keule zu schwingen – hilft bei politischen Fragen nicht wirklich.
Meine These lautet:
Die „Verbetriebswirtschaftlichung“ von gesellschaftlichen Beziehungen und Arbeitsbereichen funktioniert überall da nicht, wo es sich im Kern um Beziehungen der Ungleichheit handelt. Da sind Beziehungen der Familien (Erwachsener-Kind), der Medizin/Pflege (Arzt-Patient-Pflege-Patient) und auch der Bildung (Lehrer-Schüler).
Der Markt geht nämlich grundsätzlich davon aus, dass die Beziehungen die wir zuordnen, Beziehungen unter Gleichen sind.
Bei Beziehungen der Ungleichheit funktioniert das Denkmodell Markt von der Struktur her nicht. Arzt-Patient, Mutter-Kind, Professor-Student sind nicht nur faktisch (also quasi zufällig) ungleich, ihre Beziehung existiert überhaupt nur auf der Grundlage der Ungleichheit.
Ist es dann nicht  ein Unding, ihr Verhältnis als „Dienstleistung“ (also unter Marktlogik) zu beschreiben und es ist irgendwie auch Unsinnig, die auf den Märkten notwendige Regulierung (Betriebswirtschaft) auf diese Beziehung anzuwenden?
So sind z.b. Patienten in einer Pflegebeziehung nicht einfach nur Abnehmer eines Produktes, sondern sozusagen Mitproduzent der Dienstleistungserbringung. Die Interaktion zwischen Pflegekraft und zu Pflegender ist zentrale Bedingung für das Gelingen des Angebotes, damit ist das Angebot aber nur begrenzt standardisierbar, stark situativ geprägt und mit einen hohen Maß an Unvorhersehbarkeit verbunden
Jetzt ist das Dilemma groß, denn die Frage, die sich daraus stellt ist doch: Wie gestalten wir in Zukunft Ungleichheit? Wie organisieren wir Beziehungen zwischen Ungleichen, die für unser Überleben notwendig sind, so, dass niemand zu Schaden kommt?
Einige Gedanken zu diesem Text habe ich aus dem Blog von Antje Schrupp

Über den Autor

Maria Hanisch, Geschäftsfeldleiterin Ambulante Dienste: Ob Senioren, pflegebedürftige Menschen, Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung, mein Credo ist „Die Zukunft ist ambulant.“

Das begeistert mich:
Ich liebe Musik und hier vor allem Bach und seine Werke. Am Wochenende bin ich oft recht flott mit dem Rennrad unterwegs. Höhepunkt dieses schweißtreibenden Sports war meine Teilnahme am „Jederfraurennen“ Rund um Köln, Resultat: 10. Platz in meiner Altersgruppe.

Zu meinem Ärger:
Sozialpolitische Arbeit im Einsatz für Menschen mit Pflegebedarf oder Behinderung braucht Ideen und einen Blick über den Tellerrand. Es macht mich ganz wild, dass wir die Herausforderungen der Zukunft so halbherzig angehen und innovative Konzepte über Parteigrenzen und engen finanziellen Rahmenbedingungen nicht konsequenter vorantreiben.

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