Der Traum von einem besseren Leben in Marokko -Selbsthilfeorganisationen von Migranten aus Afrika

Tag 4, 31. Mai in Marokko, Teil 2
Am Nachmittag treffen wir VertreterInnen von Migrantenorganisationen zum Austausch. Auf dem Weg in ein besseres Leben in Europa sind sie in Marokko gestrandet, weil Europas Grenzen dicht sind. Oft sind sie bis zu sieben Jahre unterwegs, bis sie Marokko erreichen. Auch nach Jahren ist der Wunsch in ihnen eingebrannt, irgendwann doch noch das Meer zu überqueren und Europa zu erreichen.
Der Präsident der Migrantenorganisation APIMA, Blaise Masemba Mpembele berichtet von einem Mann, der seit 16 Jahre immer noch hofft, sein Ziel Europa zu erreichen. Sein ganzes Leben ist auf dieses Ziel hin ausgerichtet. Aber nur 10% kommen in Europa an, 90% der Migranten verbleiben in Marokko. APIMA möchte die Kompetenzen dieser Menschen fördern und sie davon abhalten, ihr Leben in der Wartezeit zu verschwenden. Ziel ihrer Organisation ist die Integration der Migranten in die marokkanische Gesellschaft. Dazu gehört auch, sie fortzubilden und eine Brücke zu marokkanischen Firmen zu bauen, die bereit sind, MigrantInnen aus Schwarzafrika einzustellen. Sie wollen die Menschen überzeugen, dass sie in Marokko ein menschenwürdiges Leben führen können.

Ihre zweite wichtige Aufgabe ist die Unterstützung der schwarzafrikanischen Gefangenen in den marokkanischen Gefängnissen. Mit Hilfe der Caritas Marokko verteilen sie Decken, Hygieneartikel und vieles mehr an die Gefangenen. Sie unterstützen diese stellvertretend für ihre Familien, die weit weg sind.
Ousmane Ba, Président der Vereinigung der Subsahara-Migranten in Marokko beschreibt die Aktivitäten seiner Organisation, die von caritas international unterstützt werden:
1. Vernetzung der vielen kleinen Migranten-Vereine
2. Betreuung der Migranten bei ihrer Integration in Marokko
3. Programme gegen den Rassismus und Begegnungsprojekte für Jugendliche aus Marokko und Subsahara-Afrika
4. Unterbringungsmöglichkeiten für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge, schwangere Frauen und psychisch labile Menschen.
Jetzt im Sommer werden mehr Migranten in Marokko erwartet, Menschen, die teilweise mit schwersten Verletzungen kommen, weil sie an den hohen Zäunen Europas gescheitert sind. Ousmane Ba appelliert, dass dringend mehr Notunterkünfte für sie gebraucht werden: “Sie sterben in unseren Händen, weil wir keine Bleibe für sie haben.”
Ein weiterer Vertreter der Subsahara-Organisation erinnert an die Libyen-Krise, als 1 Million Subsahara-Migranten nach Europa fliehen wollten und in Malta und Italien gescheitert sind: “Die Welt will uns nicht. Wie kann es sein, dass arabische Flüchtlinge in Deutschland aufgenommen und wir abgelehnt werden. Was tun katholische Kirche und Caritas gegen diese Diskriminierung?” konfrontiert er uns mit einer Frage, die ihm sehr auf der Seele brennt. Wir erklären ihm das komplizierte Asylrecht in Deutschland, auf dessen Grundlage viele Asylanträge ablehnt werden. Auch aus unserer Sicht ist es ein Skandal, die Subsahara-Migranten nicht nach Europa zu lassen. Er hofft, die Begegnungen und der Austausch würden zahlreicher: “Dann fühlen wir uns hier nicht so allein gelassen.”
Zum Schluss danken die Vertreter der Migrantenorganisationen noch für die große Unterstützung ihrer Arbeit durch die Caritas. Christine Decker stellt weitere Hilfe von caritas international in Aussicht und berichtet von der mündlichen Zusage des zuständigen Bundesministeriums, arbeitende Migranten in Marokko substanziell zu finanzieren.

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Über den Autor

Marianne Jürgens,
Pressesprecherin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, sorgt dafür, dass die Stadt über die Caritasarbeit spricht.


Das begeistert mich:

Sobald Musik erklingt, gibt es kein Halten mehr: Ein Leuchten im Gesicht des 91-jährigen Herrn Schmitz. Herr Schmitz tanzt mit Rollator und Herr Schmitz tanzt mit dem 5-jährigen Jordi. So geschehen beim Caritas-Tanzprojekt „come 2 move – gelöste Grenzen“. Caritas und Kunst: Das berührt die Seele von 60 Teilnehmern aller Generationen mit und ohne Handicaps und von Zuschauern gleichermaßen. Wunderbare Wege der Sozialarbeit...


Zu meinem Ärger:

Die gesellschaftliche Realität macht nicht vor der Kirchentür halt. Der Fall einer gekündigten Leiterin eines katholischen Kindergartens in Königswinter, die nach der Trennung von ihrem Mann in einer neuen Beziehung lebt, ist nur einer von vielen. Sind Katholiken beim Arbeitgeber Kirche angestellt, werden solche Lebensbrüche direkt zur Existenzfrage. Und der Kirche gehen menschlich kompetente, engagierte und angesehene Mitarbeitende verloren.

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