Abschied von Marokko. Unser Blick hat sich verändert.

Tag 8, 04. Juni, Rückreise aus Marokko/ Projektreise mit Caritas international

Freitagabend sagte Edouard Danjoy, Diözesan-Caritasdirektor von Rabat, bei einem Abschiedsessen zu uns, es sei eine große Ehre gewesen, dass wir als erstes europäisches Caritas-Team mit einer Delegation zu Gast waren. Unser Interesse an der Caritas-Arbeit Rabat, der Austausch und der Blick durch uns von außen motiviere ihn und sein multikulturelles Team noch mehr. Obwohl sie mit 30 Mitarbeitenden bei Caritas Rabat klein sind, haben sie doch eine große Stärke und können viel bewirken. Möglich wird das auch durch den Kontakt, den sie zum König und zur Regierung pflegen.
Es sei schon ein Paradox, dass, obwohl Kirche und Caritas in Marokko so klein sind, sie an vielen Stellen die einzige helfende Organisation sind. In Fes gibt es beispielsweise ein Lager mit 1000 Migranten, die sich alleine überlassen sind. Dort herrschen unhaltbare Zustände. Caritas kann nicht die Augen vor der Not verschließen, aber auch nicht alles alleine bewältigen. Die Mitarbeiter müssen damit zurecht kommen, nicht allen helfen zu können.

caritas international ermöglicht mit den Projektreisen in Länder, in denen sie Hilfeprogramme unterstützen, Caritas-Mitarbeitenden aus ganz Deutschland, in den internationalen Austausch zu treten und zu sehen, unter welchen Rahmenbedingungen und mit welchen Schwerpunkten die Caritas vor Ort arbeitet.
Wir ziehen in der Gruppe noch einmal Bilanz: Auf verschiedenen Ebenen haben wir intensive Einblicke in die Situation von Kirche und Caritas in Marokko bekommen, in gesetzliche und gesellschaftliche Grundlagen und in ein Sozialsystem, das gerade erst entsteht. Aber nicht nur mit dem Kopf haben wir mehr verstanden. Die vielen Begegnungen und Gespräche mit den unterschiedlichsten Menschen haben unser Herz berührt, wir können es auch fühlen, wie die Situation hier in der Caritas-Arbeit ist, was es heißt eine Migrationskirche in einem islamisch geprägten Land zu sein.
Wir sind mit der Situation der Migranten aus Schwarzafrika direkt in Berührung gekommen. Das alles hat unsern Blick geschärft, wie unmenschlich die Abschottung Europas an den Grenzen ist. Dass es keine “schlechten” Flüchtlinge gibt, für die Arbeitsmigranten aus afrikanischen Ländern dringend eine Lösung gefunden werden muss. Informationen an die Migranten, wie aussichtslos es für sie ist, in Europa Asyl zu erhalten, hält sie nicht davon ab, es immer wieder zu versuchen. Die KollegInnen berichteten uns, sie würden den Migranten immer wieder alles erklären, aber es komme nicht an. ” Einen Zugvogel kann man nicht aufhalten. Europa muss die Menschen empfangen. Die gegenwärtige Visapolitik ist absurd. Viele Migranten, die es nach Europa geschafft haben, wissen, dass sie gescheitert sind, aber sie können niemals zu ihren Familien in den Herkunftsländen zurück. Dort werden sie meistens nicht mehr aufgenommen. Wenn es Visafreiheit gäbe, würden die Menschen sich als Arbeitsmigranten hin und her bewegen. Der Menschenverlust in den afrikanischen Ländern ist fatal.” betont Daniel Nourissat, Generalvikar in Casablanca.
Das alles und weitere Themen, zu denen wir uns ausgetauscht haben wie das Geschlechterverhältnis unter den Marokkanern, aber auch unter den Migranten, nehmen wir von der Reise mit. Wir überlegen, wie wir unterstützen können, die ersten Ideen entstehen.

Erst einmal sind wir glücklich, dass wir trotz Turbulenzen während des Flugs sicher am Samstagabend in Frankfurt gelandet sind. Den Anschlussflug in Paris haben wir nur bekommen, weil dieser etwas verspätet kam. Sogar das Gepäck ist angekommen. Bei der Hinreise hatten wir ja weniger Glück und mussten vor dem Weiterflug noch eine Nacht in Paris im Hotel verbringen.

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Zum letzten Mal tauscht sich unsere Gruppe auf dem Flughafen in Rabat vor der Rückreise aus.

Über den Autor

Marianne Jürgens,
Pressesprecherin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, sorgt dafür, dass die Stadt über die Caritasarbeit spricht.


Das begeistert mich:

Sobald Musik erklingt, gibt es kein Halten mehr: Ein Leuchten im Gesicht des 91-jährigen Herrn Schmitz. Herr Schmitz tanzt mit Rollator und Herr Schmitz tanzt mit dem 5-jährigen Jordi. So geschehen beim Caritas-Tanzprojekt „come 2 move – gelöste Grenzen“. Caritas und Kunst: Das berührt die Seele von 60 Teilnehmern aller Generationen mit und ohne Handicaps und von Zuschauern gleichermaßen. Wunderbare Wege der Sozialarbeit...


Zu meinem Ärger:

Die gesellschaftliche Realität macht nicht vor der Kirchentür halt. Der Fall einer gekündigten Leiterin eines katholischen Kindergartens in Königswinter, die nach der Trennung von ihrem Mann in einer neuen Beziehung lebt, ist nur einer von vielen. Sind Katholiken beim Arbeitgeber Kirche angestellt, werden solche Lebensbrüche direkt zur Existenzfrage. Und der Kirche gehen menschlich kompetente, engagierte und angesehene Mitarbeitende verloren.

Ein Kommentar zu “Abschied von Marokko. Unser Blick hat sich verändert.

  1. Ich habe den Blog über den Besuch in Marokko mit großem Interesse verfolgt und finde es großartig, dass ihr die dort gewonnenen Eindrücke auf diese Weise teilt. Ich bin ein wenig über die Aussage gestolpert, dass das die erste Delegation aus Europa war, die Rabat auf diese Weise besucht hat. Ich denke das für das gegenseitige Verständnis und die Lösung der Probleme diesseits und jenseits des Mittelmeeres nicht nur ein Austausch unter den Verbänden und Fachkräften, sondern auch der gegenseitige Besuch unbedingt notwendig ist.

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