Zum Tod von Rupert Neudeck – „Wenn es Unrecht gibt, müssen Sie ganz laut schreien.“- Bewegende Trauerfeier in St. Aposteln

Gastbeitrag von Brigitte Brand-Wilhelmy, Leiterin des Caritas-Therapiezentrums für Folteropfer:

Rupert Neudeck

Rupert Neudeck

Rupert Neudeck, der am 14. Mai 1939 in Danzig geboren wurde, gründete die Hilfsorganisation Cap Anamur und rettete damit 10.375 vietnamesische Flüchtling vor dem Ertrinken im Chinesischen Meer. Am 31.05.2016 ist für uns alle unfassbar Rupert Neudeck mitten aus dem Leben gerissen worden. Er war bis zuletzt voller Tatendrang, vital und unverändert, mutig engagiert, um Leben zu retten.

Bis 1998 gehörte er dem Vorstand des Komitees Cap Anamur an, danach wurde er Sprecher der Hilfsorganisation.  Im April 2003 wurde er gemeinsam mit Aiman Mazyek zum Mitbegründer und Vorsitzenden des internationale Friedenskorps Grünhelme e.V., einer Organisation für den Wiederaufbau von ehemaligen Kriegs- und Krisengebieten. Es war ihm ein besonderes Anliegen, den Islam bekannt zu machen und Ängste vor dem Islam abzubauen und die Menschlichkeit, die mit dem Glauben einhergehen muss, ernst zu nehmen. Deshalb die Farbe grün. Grün ist die Farbe des Islam, analog zu den Blauhelmen der Vereinten Nationen.

Auch die Rechte der Palästinenser verteidigte er mit Entschlossenheit Er wollte nicht mehr schweigen und forderte Gerechtigkeit auch in Palästina. Scharf verurteilte er Hauszerstörungen im Westjordanland u.a. den Abrissbescheid eines von der Organisation Grünhelme gebauten Berufsausbildungszentrums. Rupert Neudeck war Christ und radikaler Humanist. Für ihn galt der Mensch als Mitmensch unabhängig von seiner Religion. Er machte keine Unterschiede, für ihn warder notleidende Mensch immer der Mitmensch.
Während all der Jahre ist seine Frau Christel, mit der er seit 1970 verheiratet war, an seiner Seite nicht wegzudenken. Christel Neudeck hat einen erheblichen Anteil an der Arbeit von Rupert Neudeck.
Rupert Neudeck stand dem Caritas-Therapiezentrum für Folteropfer immer sehr nahe. Über viele Jahre war er Mitglied im Beirat des Therapiezentrums. Angesichts der in den vergangenen Jahren oft schwierigen finanziellen Situation des Therapiezentrums und der großen Not der Flüchtlinge meinte er in seinem letzten Gespräch mit mir im letzten Jahr: „Wenn es Unrecht gibt, müssen Sie schreien, ganz laut schreien.“

Trauerfeier für Rupert Neudeck am 14. Juni in St. Aposteln Köln

Trauerfeier für Rupert Neudeck am 14. Juni in St. Aposteln Köln

Bei der Trauerfeier am 14.06.2016 in St. Aposteln war das Kirchenschiff bis auf den letzten Stehplatz angefüllt. Ein Großteil der Trauernden waren ehemalige „boat people“ mit Kindern und Enkelkindern. In seiner Trauerrede sagte einer von ihnen: „Wir haben unseren geistigen Vater verloren, dem wir unser Leben verdanken, denn ohne ihn ständen wir heute nicht hier.“
In einer bewegenden Rede würdigte Kardinal Woelki das Engagement und das rastlose Wirken für mehr Menschlichkeit von Rupert Neudeck. Er habe gezeigt, was es konkret bedeute, in jedem Menschen das Antlitz Gottes zu entdecken und ihm zu helfen.

Wir werden Rupert Neudeck und seine Unterstützung sehr vermissen und werden ihm immer ein ehrendes Gedenken in unseren Herzen bewahren.

Über den Autor

Monika Kuntze sorgt als Geschäftsfeldleiterin Integrations- und Familienhilfen für passgenaue Beratung und Angebote für Flüchtlinge, Zuwanderer, Kinder, Jugendliche und Familien.

Das begeistert mich: Begegnungen mit anderen Menschen, Kulturen und Religionen. Diese Vielfalt erlebe ich in unseren Caritas-Kitas, wenn die Kinder unabhängig von Vorurteilen miteinander spielen, wo das Miteinander, dass Verbindende im Vordergrund steht.
Diese Begegnungen bringen Vielfalt, vor allem aber bereichern sie.

Mich ärgert: Toleranz und Begegnung auf „Augenhöhe“, Globalisierung, soziale/kulturelle Vielfalt sind Herausforderungen unserer Zeit. Die Realität sind rechtsextreme, fremdenfeindliche und antisemitische Tendenzen. Junge Migrantinnen und Migranten erleben Diskriminierung in den Bereichen Schule, Ausbildung und Beruf, aber auch in Freizeit, Sport und im alltäglichen Leben.

Wir Christen müssen gemeinsam mit ihnen und vielen anderen in dieser wichtigen Frage Flagge zeigen und eine klare Position der Nachfolge Jesu in der Kölner Stadtgesellschaft beziehen. Alles ist in dem einen Satz zusammengefasst: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“

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