Im Fokus: Unbegleitete Minderjährige in Marokko und in Deutschland

img_0335Die Caritas in Marokko unterstützt ganz besonders die Unbegleiteten Minderjährigen aus Schwarzafrika, die dort auf dem Weg nach Europa gestrandet sind. Jetzt tauschten sich Mitarbeitende aus der Migrationsarbeit der Caritas verschiedener Städte Deutschlands mit Kollegen aus Marokko in einem Workshop in Frankfurt zu diesem Thema aus.

Caritas international machte die Begegnung möglich und hatte Jorge Dominguez und Fairouz Idbihi aus dem Caritas-Migrationzentrum in Rabat eingeladen. 

Fairouz arbeitet als einzige Psychologin mit den meist jungen Männern, die auf ihrer Flucht oft schwer traumatisiert wurden. In Marokko und auch in Deutschland werden die Therapien dadurch erschwert, dass die Perspektive für die Betroffenen meist völlig unklar ist. So geht es oft um eine erste Notfallversorgung und Stabilisierung. Fairouz hilft auch, wenn die psychiatrisch Erkrankten in ihr Heimatland zurückkehren möchten, informiert die Familie über die Erkrankung und bleibt auch danach in Kontakt, um sicher zu stellen, dass der Patient dort Hilfe bekommt.

Die Bedingungen der Migrationsarbeit in Marokko sind denkbar schlecht: Es gibt keine gesundheitliche Versorgung und Absicherung für die Migranten, die meist illegal im Land leben. Krankenhäuser, Ärzte und Psychologen fehlen. Und der Bedarf ist riesig. Aber Fairouz als einzige Psychologin im Caritas-Zentrum erhält Rückhalt im Kollegenteam, durch Netzwerktreffen mit anderen Nichtregierungsorganisationen und durch Supervision.

img_0332Die Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland sind beeindruckt, wie viel Hilfe von zahlenmäßig Wenigen bei der Caritas Marokko geleistet wird.

Fairuz und Jorge möchten wissen, wie es mit den Unbegleiteten weiter geht, wenn sie es doch nach Europa bzw. Deutschland geschafft haben. Trotz Absicherung steht in Deutschland einer wirklichen Integration ein Regelwerk und Bürokratie entgegen, die vieles blockieren.

Thomas Heek, Leiter der Caritas im Grenzdurchgangslager Friedland, fasst zusammen: “In Marokko funktioniert vieles nicht, weil es nicht da ist. In Deutschland geht ebenfalls vieles nicht, obwohl es da ist.”

Am Ende waren alle froh über den gegenseitigen Austausch, der Abstand zur eigenen Arbeit und Reflexion möglich machte.

Jorge und Fairouz können jungen Menschen aus Schwarzafrika jetzt besser aus eigener Anschauung berichten, welch unsichere Zukunft sie in Europa erwartet, falls sie die Grenzen überwinden könnten. Sie möchten sie ermutigen, sich eine Perspektive in ihrer Heimat oder in Marokko aufzubauen.

Über den Autor

Marianne Jürgens,
Pressesprecherin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, sorgt dafür, dass die Stadt über die Caritasarbeit spricht.


Das begeistert mich:

Sobald Musik erklingt, gibt es kein Halten mehr: Ein Leuchten im Gesicht des 91-jährigen Herrn Schmitz. Herr Schmitz tanzt mit Rollator und Herr Schmitz tanzt mit dem 5-jährigen Jordi. So geschehen beim Caritas-Tanzprojekt „come 2 move – gelöste Grenzen“. Caritas und Kunst: Das berührt die Seele von 60 Teilnehmern aller Generationen mit und ohne Handicaps und von Zuschauern gleichermaßen. Wunderbare Wege der Sozialarbeit...


Zu meinem Ärger:

Die gesellschaftliche Realität macht nicht vor der Kirchentür halt. Der Fall einer gekündigten Leiterin eines katholischen Kindergartens in Königswinter, die nach der Trennung von ihrem Mann in einer neuen Beziehung lebt, ist nur einer von vielen. Sind Katholiken beim Arbeitgeber Kirche angestellt, werden solche Lebensbrüche direkt zur Existenzfrage. Und der Kirche gehen menschlich kompetente, engagierte und angesehene Mitarbeitende verloren.

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