Bundespolitik – auch für “Desinteressierte”

Zu Gast bei der Bundespressekonferenz

Letzte Woche war ich mit einer Gruppe katholischer Journalistinnen und Journalisten auf Einladung des Bundespresseamtes in Berlin:
In einer lebhaften Bundespressekonferenz stellten sich Regierungssprecher Steffen Seibert und die Sprecher der Ministerien herausfordernden Fragen der Journalisten. Diese betrafen unter anderem die Folgen der kurzfristigen Absage Netanjahus für ein Treffen mit Außenminister Gabriel, die Reise Angela Merkels nach Saudi-Arabien, die Vorfälle in der Bundeswehr und entwicklungspolitische Themen.
Besonders aktiv mischte Blogger Tilo Jung mit, der jede Bundespressekonferenz als Einziger in voller Länge sendet und mit „naiven“ Fragen auch „Desinteressierte“ für Politik interessieren will (Blog: www.jungundnaiv.de). Auch wenn manche seiner Fragen etwas unbedarft daher kommen und teilweise für Kopfschütteln der Sprecher oder auch leicht genervte Reaktionen bei Journalistenkollegen sorgen: Er erreicht mit seinem Blog viele jüngere Menschen, die sich nicht mehr über etablierte Medien informieren und interessiert sie für bundespolitische Themen.

Blick aus dem Bundeskanzleramt

 

Alle darauf folgenden Gespräche für unseren Journalistengruppe  mit Verantwortlichen der Ministerien waren „unter drei“, also als Hintergrundinformation gedacht und vertraulich. Die offene Gesprächsatmosphäre in kleinem Kreis war eine Chance, Stimmungen und Informationen über Abläufe mit zu bekommen, die über Presseerklärungen hinausgehen.

Im Bundesverteidigungsministerium stand die Einführung von Militärseelsorge für die rund 1600 muslimischen Soldaten (von insgesamt 178.000 Bundeswehrangehörigen) auf der Agenda, – ein Vorhaben, das auf der Deutschen Islamkonferenz beschlossen wurde. Mit dem parlamentarischen Staatssekretär Markus Grübel kamen auch die jüngsten Missstände in der Bundeswehrausbildung zur Sprache. Inzwischen wurden weitere Skandale wie der unglaubliche Vorfall des Doppellebens eines Bundeswehrsoldaten mit rechter Gesinnung bekannt. Ministerin von der Leyen spricht inzwischen von grundsätzlichen Führungsproblemen in der Bundeswehr.

Aufschlussreich war die Schilderung der deutsch-amerikanischen Beziehungen in den ersten 100 Tagen von Präsident Trump durch Jürgen Hardt, Koordinator für transatlantische Zusammenarbeit im Auswärtigen Amt. Sein Fazit ist verhalten, aber doch zuversichtlich.

Bundesminister Peter Altmaier äußerte sich zur Flüchtlingspolitik: In 2015 war die Aufnahme der 800.000 Flüchtlinge ein humanitäres Gebot. Inzwischen werden Akzente vor allem auf die Integration der Menschen mit einer realistischen Bleibeperspektive, auf Unterstützung der europäischen Grenzsicherung, auf Entwicklungspolitik zur Eindämmung von Fluchtursachen und auf Rückführungspolitik gesetzt. Über die vereinbarte Gesprächszeit hinaus ließ Altmaier sich auch auf kritische Fragen zur Einstufung von Afghanistan als sogenanntes sicheres Herkunftsland oder zur problematischen Handhabung des Familiennachzugs ein.

Im Kabinettsaal mit Bundesminister Peter Altmaier

Das Gespräch mit Bundesminister Altmaier im berühmten Kabinettsaal des Bundeskanzleramtes, in dem sich jeden Mittwoch Angela Merkel mit ihren Ministerinnen und Ministern trifft, setzte den Schlusspunkt unter zwei intensive Tage.

Über den Autor

Marianne Jürgens,
Pressesprecherin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, sorgt dafür, dass die Stadt über die Caritasarbeit spricht.


Das begeistert mich:

Sobald Musik erklingt, gibt es kein Halten mehr: Ein Leuchten im Gesicht des 91-jährigen Herrn Schmitz. Herr Schmitz tanzt mit Rollator und Herr Schmitz tanzt mit dem 5-jährigen Jordi. So geschehen beim Caritas-Tanzprojekt „come 2 move – gelöste Grenzen“. Caritas und Kunst: Das berührt die Seele von 60 Teilnehmern aller Generationen mit und ohne Handicaps und von Zuschauern gleichermaßen. Wunderbare Wege der Sozialarbeit...


Zu meinem Ärger:

Die gesellschaftliche Realität macht nicht vor der Kirchentür halt. Der Fall einer gekündigten Leiterin eines katholischen Kindergartens in Königswinter, die nach der Trennung von ihrem Mann in einer neuen Beziehung lebt, ist nur einer von vielen. Sind Katholiken beim Arbeitgeber Kirche angestellt, werden solche Lebensbrüche direkt zur Existenzfrage. Und der Kirche gehen menschlich kompetente, engagierte und angesehene Mitarbeitende verloren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.