„Ich spende nur für eine deutsche Familie!“

Neulich rief mich ein Spender an, der ganz konkret eine Familie unterstützen wollte. Im Gegensatz zu einigen anderen Hilfsorganisationen ist es bei der Caritas Köln durchaus üblich, für einen Zweck, zum Beispiel ein bestimmtes Projekt, zu spenden.

So sehr ich mich über das Interesse und die Bereitschaft, eine größere Summe zu spenden, gefreut habe, hatte ich beim Anliegen des Spenders auch Bedenken. Denn wie wählen wir genau die Familie mit dem größten Bedarf aus? Spricht sich das nicht herum und viele andere Familien melden ebenfalls ihren Bedarf nach Unterstützung an? Wird die unterstütze Familie sogar dafür geächtet, dass nur sie eine Unterstützung bekommt?

„Ich möchte nur für eine deutsche Familie spenden“, war das zweite Anliegen des Spenders. Da wir mit vielen geflüchteten Familien zu tun haben, die großen Bedarf nach Beratung und Unterstützung haben, konnten wir diesem Wunsch nicht nachkommen. Wir haben entschieden, dass die Bewertung, in welchen Bereichen Unterstützung sinnvoll und notwendig ist, in letzter Instanz bei uns als Caritas liegt. Und natürlich beziehen wir bei dieser Bewertung auch ethische Überlegungen ein.

Für unsere Hilfsangebote sind wir in vielen Bereichen auf Spenden angewiesen und gerne bieten wir unseren Spenderinnen und Spendern verschiedene Projekte und Unterstützungsmöglichkeiten an. Aber es gibt eine Grenze, über die hinaus wir vereinzelte Wünsche nicht erfüllen können und wollen. Und auch wenn es sehr schwer fällt, lehnen wir in besonderen Fällen wie diesem auch mal eine Spende ab.

Über den Autor

Kerstin Schlick ist als Fundraiserin im Caritasverband Ansprechpartnerin für alle Spenderinnen und Spender sowie Stiftungen.

Das begeistert mich: In Köln zu leben und zu arbeiten. Etwas für die Menschen dieser Stadt zu bewegen – gemeinsam mit anderen. Überall dort, wo wir Verantwortung füreinander übernehmen, wo wir Vielfalt leben und gestalten, wird die Stadt lebens- und liebenswerter.

Das ärgert mich: Jammern auf hohem Niveau, keine Verantwortung übernehmen. Viele Menschen in Deutschland haben einen hohen Lebensstandard und doch höre ich viele jammern. Wie es sich anfühlen muss, seine Heimat zu verlassen, um (hoffentlich) eine Perspektive für das eigene Leben und das seiner Kinder zu haben, diese Frage scheinen sich nur die Wenigsten zu stellen. Ist es so schwer, zu sagen: Ich habe so viel, ich kann auch etwas abgeben? Ich bin zufrieden? Ich übernehme Verantwortung?

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