Quo vadis, SPD und CDU?

Ich muss jetzt dann doch mal ein paar Gedanken zur momentanen Debatte loswerden (auch wenn das ein etwas längerer Beitrag wird…): Ich sehe auf Facebook in den letzten Tagen reichlich Fotos von ausgefüllten oder (noch) nicht ausgefüllten Wahlzetteln zum Mitgliedervotum der SPD, versehen mit reichlich Kommentaren, z.T. mal wieder dem ein oder anderen Shitstorm und, damit kein falscher Eindruck entsteht:  Ja, ich finde es gut, dass sich offensichtlich so viele Mitglieder der SPD an diesem Votum beteiligen.

Dennoch bewegt mich im Kern eine andere Frage als die, ob es eine Neuauflage der Großen Koalition gibt oder nicht: Wie geht es eigentlich weiter mit den großen Parteien SPD und CDU? Zum inhaltlich-personellen Zustand der SPD ist ja hinlänglich viel zu lesen. Die Frage ist, ob das Momentane den Kern der Debatte trifft oder wir nicht grundsätzlicher über unsere Parteien und deren personelle Situation diskutieren müssen? Zum Personal ein paar kleine Gedanken, die Debatte zur programmatischen Situation würde sicher den Rahmen sprengen:

Beim Rumeiern in der Frage, welche Personen denn nun z.B. die CDU am Kabinettstisch vertreten werden und dem, was an Personal bereits bekannt ist, kann doch nur festhalten werden: Der CDU steht in absehbarer Zeit (auf allen Ebenen) ein ähnliches personell-inhaltliches Problem bevor, wie es die SPD (zugegebenermaßen sicher in großen Teilen selbstverschuldet) gerade bzw. in den letzten Jahren bereits erlebt (hat). Drei Fragen dazu, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn es gibt sicherlich weitere Gründe:

  1. Welche Art von Personalentwicklung und Förderung junger Talente, die es sicherlich gibt, betreiben die großen Parteien eigentlich, losgelöst von Ortsvereins-, Kreis- oder Landesverbandsebene und sonstigen Quoten- bzw. Proporzfragen? Also welche Struktur haben die Parteien eigentlich und entspricht diese noch den Anforderungen junger Leute und deren Lebensläufen (wer KANN sich also eigentlich engagieren und in welchem Zeitraum)? Daran schließt dann unmittelbar die Frage an, wie Ämterbesetzungen in Parteien erfolgen, welche Anforderungen an Kandidat*innen gestellt werden und ob diese noch zeitgemäß ablaufen bzw. sind.
  1. Welche Kultur gibt es innerhalb der Parteien? Wird menschlich-respektvoll miteinander umgegangen oder zeigt gerade die Debatte z.B. in der SPD ein anderes Bild? Geht es wirklich um Kompetenz oder schlicht um Macht und welche Außenwirkung wird damit eigentlich erzielt bzw. welche Eindrücke entstehen? Macht das Lust, sich in einer Partei zu engagieren? Und nein, ich bin nicht naiv und weiß, dass diese Fragen nicht in reiner Lehre beantwortet werden können und welche Notwendigkeiten und Zwänge es gibt und geben muss…
  1. Wie gehen wir (Medien, Bevölkerung, etc.) eigentlich mit unseren Politiker*innen um? Locken denn Beschimpfungen etwa von ehrenamtlichen Ratsmitgliedern, mit häufiger persönlicher Kritik unter der Gürtellinie, sich zu engagieren? Hinzu kommen die Erwartungshaltungen an Politiker*innen, für jedes Problem, auf alle Fragen eine sofortige, schnelle und unmittelbare, allumfassende Antwort und Lösung zu haben. Der Shitstorm, wenn das (Überraschung!!) mal nicht so ist, der zunehmende Wunsch nach Entertainment in der politischen Auseinandersetzung und die fehlende Bereitschaft, inhaltliche Debatten zu führen und Argumente der Gegenseite zuzulassen: Kann das alles tatsächlich junge Menschen motivieren, sich in der (zunächst ja meist ehrenamtlichen) Politik zu engagieren?

Ja, Politiker*innen müssen ihren Job, ihre Entscheidungen und auch ihre eventuellen Interessenkonflikte transparent machen, aber sie verdienen genau den gleichen Respekt für ihre Arbeit, wie alle anderen auch, weil sich in der Tat die Meisten ein solches Pensum und solche Öffentlichkeit (vor allem auf der kommunalen und Landesebene) sicher nicht nur des Geldes wegen antun. Ach ja: Und sie sind weder unfehlbar noch sind Sie Brüder und Schwestern von Jesus, können also auch keine Wunder vollbringen. Lasst uns also aufhören, in irgendwelche Meschen heilsbringerische Fähigkeiten (ich sage nur “Gottkanzler Schulz”) zu interpretieren, da ist maximal der Wunsch Vater des Gedankens.

Also: Respekt (auch in der ja durchaus berechtigten inhaltlichen Kritik) bitte und lassen wir doch dabei die Fragen raus, ob der Anzug gut sitzt, wie das Make-Up oder die Frisur aussehen oder noch Schlimmeres, von dem man so liest. Uns sollten doch inhaltliche Aussagen von Politiker*innen interessieren und mit denen sollten wir uns auch auseinandersetzen. Und bei allem Gemecker sollten alle sich die Frage stellen, warum sie sich a) selbst nicht politisch engagieren und mal vom Sofa aufstehen, wenn alle anderen, die sich politisch engagieren, doch ach so unfähig sind und b) es so wenig andere (junge Menschen) tun.

Nur mal so, zum Nachdenken…

Über den Autor

Alexander Letzel beschäftigt sich in seiner Position als Vorstandsreferent mit sozialpolitischen Fragestellungen des Vorstandes und des Verbandes.
Er ist bei ebenfalls für die Konzeption neuer Themen verantwortlich, wie zum Beispiel der Digitalisierung.

Das begeistert mich: Familienzeit und als Profi-
Tänzer-Standard der Tanzsport.

Das ärgert mich: Ungerechtigkeit jeglicher Art, Rassismus, Ausgrenzung und wenn der FC Schalke 04 verliert.

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