Luxus Wohnen: Kreative Lösungen und Solidarität sind gefragt

Der Wohnungsmarkt in den Metropolen explodiert. Schon lange gibt es keine bezahlbaren Wohnungen für Menschen, die der Caritasverband begleitet: Menschen mit Behinderungen, Psychisch Erkrankte, Alleinerziehende, alte Menschen mit kleinen Renten, Geflüchtete, – ganz zu schweigen von den rund 5000 Wohnungslosen in der Stadt, – sie alle haben keinerlei  Chancen, vernünftige Wohnungen zu finden. Längst werden auch schon die Menschen mit mittleren Einkommen, die Erzieher_innen, Sozialarbeiter_innen, Pflegekräfte bei der Wohnungssuche abgehängt. Der Wettbewerb  um Wohnungen nimmt groteske Züge an: Da werden Hochglanz-Bewerbungsmappen und Power-Point-Präsentationen mitgenommen, um sich von Mitbewerbern abzusetzen. Es fließt Geld für Wohnungsvermittlung, für die Übernahme von verbleibenden Möbeln in der Wohnung, die nur noch die Bezeichnung Sperrmüll verdienen, werden astronomische Summen verlangt. Wie immer, wenn etwas Mangelware und damit zu Luxus wird, gibt es Vermieter, die renditegierig sind und Notsituationen ausnutzen.

Dabei ist und bleibt Wohnen ein Menschenrecht und ist mehr als nur ein Dach über dem Kopf. Es bietet die Basis für Teilhabe am sozialen Leben, schafft Sicherheit und Entfaltungsmöglichkeiten. 

“Jeder Mensch braucht ein Zuhause”, lautet die Kampagne der Caritas in diesem Jahr (https://www.zuhause-fuer-jeden.de/). Überall in der Stadt, am Hauptbahnhof, am Flughafen, an viel befahrenen Straßen, sind jetzt die Kampagnenplakate in Köln zu sehen. 1 Million Wohnungen fehlen in Deutschland, in Köln sind es  60.000 Wohnungen, rechnet der Mieterverein hoch. Aber auch wenn es auf einmal einen Masterplan der Stadt geben würde und der Bau von Wohnraum erste Priorität hätte: Es kann keine schnellen Lösungen geben.

Wie geht es also weiter?

Natürlich müssen wir Missstände und Ursachen auf kommunaler Ebene klar benennen und für Veränderungen kämpfen. Auch die Kirche als großer Grundbesitzer in Köln ist in ihrer sozialen Verantwortung gefordert, bezahlbare Wohneinheiten zu schaffen. So wie sich die Kirche vor Jahrzehnten im sozialen Wohnungsbau  mit der Stegerwaldsiedlung und zum Beispiel der Katholikentagssiedlung für kinderreiche Familien in Longerich hervorgetan hat, könnte es doch in Zukunft eine Kardinal-Höffner-Siedlung mit bis zu 400 Wohneinheiten geben, schlägt Caritas-Vorstand Peter Krücker beim diesjährigen Frühjahrsempfang vor. (Seine vollständige Ansprache rund um das Thema “Wohnen” ist hier nachzulesen.)

Aber sollten wir uns nicht alle auch selbst in die Verantwortung nehmen? Die Lage wird sich weiter zuspitzen. Wie in den 50er und 60er Jahren könnte zur Entspannung der Wohnungssituation beitragen, wenn  Familien zusammenrücken und Einliegerwohnungen für geflüchtete Familien schaffen. In der Longericher Siedlung war das damals Voraussetzung für die Vergabe der Häuser an Familien. Und wie viele Häuser sind nach dem Auszug der erwachsenen Kinder zu groß geworden, in wie vielen Häusern stehen die ehemaligen Kinderzimmer leer und werden die für Familien angelegten Häuser nur noch von einer Person, maximal zwei Personen bewohnt? 
Viele zivilgesellschaftlichen Initiativen haben sich rund um das Thema Wohnen gebildet und drängen mit kreativen Ideen und viel Power auf Umsetzung , ob als Bauherrenmodelle, generationenübergreifende Wohngemeinschaften oder -häuser, Wohnprojekte auf Stelzen über Parkplätzen und Schienen, etc.
Nachbarländer wie die Schweiz oder auch die Niederlande machen es uns vor: Dort bleiben solche Initiativen nicht frustriert in den ganzen bürokratischen Genehmigungsverfahren hängen, sondern werden als innovative Wohnmodelle öffentlich unterstützt.

Hoffentlich gibt es bald endlich auch bei uns einen Ruck mit mehr Experimentierfreudigkeit und schlanken Genehmigungsverfahren, damit sich alle Menschen ihr Zuhause schaffen können.

Über den Autor

Marianne Jürgens,
Pressesprecherin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, sorgt dafür, dass die Stadt über die Caritasarbeit spricht.


Das begeistert mich:

Sobald Musik erklingt, gibt es kein Halten mehr: Ein Leuchten im Gesicht des 91-jährigen Herrn Schmitz. Herr Schmitz tanzt mit Rollator und Herr Schmitz tanzt mit dem 5-jährigen Jordi. So geschehen beim Caritas-Tanzprojekt „come 2 move – gelöste Grenzen“. Caritas und Kunst: Das berührt die Seele von 60 Teilnehmern aller Generationen mit und ohne Handicaps und von Zuschauern gleichermaßen. Wunderbare Wege der Sozialarbeit...


Zu meinem Ärger:

Die gesellschaftliche Realität macht nicht vor der Kirchentür halt. Der Fall einer gekündigten Leiterin eines katholischen Kindergartens in Königswinter, die nach der Trennung von ihrem Mann in einer neuen Beziehung lebt, ist nur einer von vielen. Sind Katholiken beim Arbeitgeber Kirche angestellt, werden solche Lebensbrüche direkt zur Existenzfrage. Und der Kirche gehen menschlich kompetente, engagierte und angesehene Mitarbeitende verloren.

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