Rechte Gewalt

Bei rechter Gewalt und Übergriffen denke ich an den NSU-Prozess, Anschläge auf Flüchtlingswohnheime, aber auch an rechte Schmierereien und diskriminierende Sprache wie z.B. von AFD-Politikern. Deshalb hatte die Caritas im Rahmen der Bundestagswahl die Kampagne „Wählt Menschlichkeit“ ausgerufen. Auf diesen Slogan haben wir auch auf den Bussen der Mobilen Jugendarbeit aufmerksam gemacht. Die Botschaft war; „Deine Stimme zählt. Wähle Menschlichkeit. Es geht dabei um unsere demokratischen Grundwerte und um die Entscheidung, in welchem Land wir in Zukunft leben möchten.“ Dieser Aufruf muss einigen Leuten nicht gefallen haben, denn unser Bus wurde mit „braunen Parolen“ beschmiert.
Unsere Reaktion darauf war dieses Schild, das wir an der Scheibe angebracht haben. Weiterlesen

Keine Abschiebungen nach Afghanistan

Die politische und die Sicherheitslage in Afghanistan sind nicht stabil. Die Rückkehrer sind von Krieg und Gewalt bedroht. Selbst vermeintlich sichere Regionen sind für Zivilisten gefährlich, nicht zuletzt wegen der terroristischen Aktivitäten der Taliban. Das zeigt sich besonders durch die hohe Zahl der mehr als 900.000 Binnenflüchtlinge innerhalb des Landes aufgrund der bewaffneten Konflikte. Dazu kommen etwa 220.000 Flüchtlinge, die vor Konflikten in Pakistan fliehen und in Afghanistan Schutz suchen.

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Wir sind vorbereitet

IMG_Schlafkoje eingerichtetDer Caritasverband übernimmt zusammen mit dem Malteser Hilfsdienst die Betreuung und Versorgung der Flüchtlinge in der Unterkunft Luzerner Weg in Köln Mülheim. Gemeinsam stellen wir uns der großen Herausforderung den Menschen eine gute Betreuung zu bieten, aber auch den enormen logistischen Aufwand der Versorgung zu bewältigen.

Auf dem Grundstück wurde eine Notunterkunft für Geflüchtete errichtet. Sie besteht aus sechs eingeschossigen Leichtbauhallen, von denen fünf der Unterbringung dienen und eine als Speise- und Aufenthaltsraum genutzt wird. Die Außenanlagen befinden sich noch im Bau. Geplant sind  u.a. ein Kinderspielplatz, ein Bolzplatz sowie Sitzbänke.

Die Belegung der Unterkunft erfolgt  sukzessive. Insgesamt sollen dort – verteilt auf die 5 Hallen – bis zu 400 Personen untergebracht werden. Die ersten 28 Personen sind gestern eingezogen. In den kommenden 2-3 Wochen werden dann nach und nach die ersten beiden Hallen belegt werden. Weiterlesen

Zum Tod von Rupert Neudeck – „Wenn es Unrecht gibt, müssen Sie ganz laut schreien.“- Bewegende Trauerfeier in St. Aposteln

Gastbeitrag von Brigitte Brand-Wilhelmy, Leiterin des Caritas-Therapiezentrums für Folteropfer:

Rupert Neudeck

Rupert Neudeck

Rupert Neudeck, der am 14. Mai 1939 in Danzig geboren wurde, gründete die Hilfsorganisation Cap Anamur und rettete damit 10.375 vietnamesische Flüchtling vor dem Ertrinken im Chinesischen Meer. Am 31.05.2016 ist für uns alle unfassbar Rupert Neudeck mitten aus dem Leben gerissen worden. Er war bis zuletzt voller Tatendrang, vital und unverändert, mutig engagiert, um Leben zu retten.

Bis 1998 gehörte er dem Vorstand des Komitees Cap Anamur an, danach wurde er Sprecher der Hilfsorganisation.  Im April 2003 wurde er gemeinsam mit Aiman Mazyek zum Mitbegründer und Vorsitzenden des internationale Friedenskorps Grünhelme e.V., einer Organisation für den Wiederaufbau von ehemaligen Kriegs- und Krisengebieten. Es war ihm ein besonderes Anliegen, den Islam bekannt zu machen und Ängste vor dem Islam abzubauen und die Menschlichkeit, die mit dem Glauben einhergehen muss, ernst zu nehmen. Deshalb die Farbe grün. Grün ist die Farbe des Islam, analog zu den Blauhelmen der Vereinten Nationen.

Auch die Rechte der Palästinenser verteidigte er mit Entschlossenheit Er wollte nicht mehr schweigen und forderte Gerechtigkeit auch in Palästina. Scharf verurteilte er Hauszerstörungen im Westjordanland u.a. den Abrissbescheid eines von der Organisation Grünhelme gebauten Berufsausbildungszentrums. Rupert Neudeck war Christ und radikaler Humanist. Für ihn galt der Mensch als Mitmensch unabhängig von seiner Religion. Er machte keine Unterschiede, für ihn warder notleidende Mensch immer der Mitmensch.
Während all der Jahre ist seine Frau Christel, mit der er seit 1970 verheiratet war, an seiner Seite nicht wegzudenken. Christel Neudeck hat einen erheblichen Anteil an der Arbeit von Rupert Neudeck.
Rupert Neudeck stand dem Caritas-Therapiezentrum für Folteropfer immer sehr nahe. Über viele Jahre war er Mitglied im Beirat des Therapiezentrums. Angesichts der in den vergangenen Jahren oft schwierigen finanziellen Situation des Therapiezentrums und der großen Not der Flüchtlinge meinte er in seinem letzten Gespräch mit mir im letzten Jahr: „Wenn es Unrecht gibt, müssen Sie schreien, ganz laut schreien.“

Trauerfeier für Rupert Neudeck am 14. Juni in St. Aposteln Köln

Trauerfeier für Rupert Neudeck am 14. Juni in St. Aposteln Köln

Bei der Trauerfeier am 14.06.2016 in St. Aposteln war das Kirchenschiff bis auf den letzten Stehplatz angefüllt. Ein Großteil der Trauernden waren ehemalige „boat people“ mit Kindern und Enkelkindern. In seiner Trauerrede sagte einer von ihnen: „Wir haben unseren geistigen Vater verloren, dem wir unser Leben verdanken, denn ohne ihn ständen wir heute nicht hier.“
In einer bewegenden Rede würdigte Kardinal Woelki das Engagement und das rastlose Wirken für mehr Menschlichkeit von Rupert Neudeck. Er habe gezeigt, was es konkret bedeute, in jedem Menschen das Antlitz Gottes zu entdecken und ihm zu helfen.

Wir werden Rupert Neudeck und seine Unterstützung sehr vermissen und werden ihm immer ein ehrendes Gedenken in unseren Herzen bewahren.

Integration von Flüchtlingen in Arbeit

Aufnahme und Unterbringung von Asylsuchenden und Flüchtlingen sind dringliche Probleme, die kurzfristig von den Kommunen gelöst werden müssen. Mittel- und langfristig geht es aber um gesellschaftliche Integration, Spracherwerb, Ausbildung und Beschäftigung.

Dies wird in den kommenden Jahren eines der zentralen politischen Themen sein.

Die Erfahrungen aus unserer Beratungsarbeit zeigen, dass Integrationsangebote in aller Regel gerne und freiwillig in Anspruch genommen werden. So liegt es meist nicht an einer fehlenden Bereitschaft der Flüchtlinge zur Teilnahme, sondern an fehlenden und passgenauen Angeboten, wenn Asylsuchende und Schutzberechtigte nicht zeitnah entsprechende Maßnahmen besuchen. Dies belegen auch die teils monatelangen Wartezeiten. Im Spracherwerb und der Integration in den Arbeitsmarkt sieht auch die Bundesregierung zwei wichtige Eckpunkte für eine gelingende Integration in die Gesellschaft. Doch Integration als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden umfasst die soziale, wirtschaftliche und gesellschaftliche Teilhabe.

Zudem können sich die Flüchtlinge erst wirklich in den Arbeitsmarkt integrieren, wenn die Asylverfahren erfolgreich abgeschlossen werden. Das kann nach der Ankunft leicht acht, neun Monate oder länger dauern. Obwohl durch das Asylverfahrensbeschleunigungsgesetz Integrationskurse für Asylbewerber mit „guter Bleibeperspektive“ geöffnet wurden, gibt es kein bundesweites Sprachkurs-Programm für alle Asylsuchenden. Außerdem dauert die Anerkennung von Abschlüssen lange, die Vorrangprüfung schränkt die Arbeitsmöglichkeiten ein.

Asylpaket II – Ein Spielball der Politik?

Das neuerliche Gerangel um das Asylpaket II und der Streit um den Familiennachzug ist kaum noch zu verstehen. Ich frage mich bei dem Hin und Her: Erst gibt es eine Einigung, danach hat man dann erst  von Änderungen erfahren? Was stand denn in welchem Gesetzesentwurf und wer hat es überhaupt gelesen? – Ist Herrn Seehofer, Herrn Gabriel und auch Frau Merkel wirklich bewusst, dass sie über Leben und Tod von Menschen entscheiden?
Laut dem Gesetzesentwurf soll der Familiennachzug für „subsidiär Geschützte“ für zwei Jahre ausgesetzt werden. Es geht dabei um Flüchtlinge, die ihre unsichere Heimat verlassen, ohne persönlich konkret bedroht zu sein.
Zurzeit müssen Angehörige häufig monatelang in einer desolaten Situation auf eine Zusammenführung warten, was eine mehrjährige Trennung von Familien bedeutet. Das führt dazu, dass Frauen und Kinder nicht mehr legal einreisen können und damit besteht die Gefahr, dass diese besonders schutzbedürftigen Menschen lebensgefährliche und illegale Fluchtwege benutzen. Frauen und Kinder begeben sich in die Hände von Schleusern und setzten ihr Leben auf den maroden Booten auf dem Mittelmeer aufs Spiel. Vor einigen Monaten war der selbstgestellte Anspruch der Bundesregierung noch die „zügige Integration in Deutschland“. Die Zusammenführung mit ihrer Familie und das Wissen um ihre Sicherheit sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass Geflüchtete Perspektiven für das Leben in einem neuen Land entwickeln und Traumata von Krieg und Flucht verarbeiten können.
Für eine gelingende Integration ist die Einschränkung des Familiennachzugs das absolut falsche Signal. Integration heißt, dass die Familien schnell die Chance bekommen, in Deutschland gemeinsam ein neues Leben aufbauen und eine Zukunftsperspektive entwickeln zu können.

Wer darf sich hier integrieren?

Das Asylbeschleunigungsgesetz ist ein bisschen so wie Zuckerbrot und Peitsche. Es gibt zum einen vier Länder Syrien, Eritrea, Irak und Iran. Sie bekommen das Zuckerbrot. Das heißt, die Leute aus diesen Nationen können bereits während des Asylverfahrens an Sprachkursen teilnehmen oder einen Antrag auf Zulassung zum Integrationskurs stellen. Wenn sie einen vorläufigen Pass, die „Aufenthalsgestattung“ haben. Das war bislang nicht möglich. Für diese Leute beschleunigt sich das formale Sprachlernen in staatlich geförderten Kursen enorm.
Dagegen werden die Menschen aus den Ländern des Westbalkans nicht nur ausgegrenzt, sondern für sie soll außerdem die Rückführung beschleunigt werden. Und dann gibt es ja noch die dritte Gruppe von Ländern wie Algerien, Pakistan, Ägypten, Nigeria die keiner der beiden Gruppen zugeordnet sind. Deren Verfahren dauern nach wie vor sehr lange, ohne dass die Asylbegehrenden einen Sprachkurs besuchen können.

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Flucht durch Europa

Täglich entscheide ich mich aufs Neue, schaue ich mir die Berichte und Bilder in den Nachrichten und Sondersendungen an. Mein Arbeitsalltag ist bestimmt vom Thema Flüchtlinge. Wie organisieren wir die große Nachfrage an Beratung? Wie verbessern wir die Lebensumstände? Sind die Kinder in der Kita, in der Schule? Wie gelingt es uns, für Schutzbedürftige, alleinreisende Frauen mit minderjährigen Kindern, kranke und traumatisierte Menschen eine Alternative zu einer Massenunterkunft zu finden?
Täglich frage ich mich, was tut die EU?

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Statt Aufnahme und Integration Abwehr und Ausgrenzung

Das Gesetz soll insbesondere der Beschleunigung von Asylverfahren dienen. Gleichwohl sind Regelungen vorgesehen, die dazu geeignet erscheinen, Personen, die lediglich im Besitz einer Duldung sind, auf Jahre in diesem Status zu halten und ihnen eine aktive Teilnahme am Erwerbsleben zu verwehren.
Mit den geplanten Maßnahmen wird die Integration von Asylsuchenden massiv erschwert!
Die Kirchen plädierten dafür, die Erleichterungen, die in den letzten Jahren für diese Personengruppe erreicht werden konnten, nicht rückgängig zu machen.
Die nun festgelegte Unterscheidung in Personen mit und ohne Bleiberechtsperspektive sehe ich als sehr problematisch. Bei großem Verständnis für das Bedürfnis, angesichts der hohen Anzahl von Schutzsuchenden das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sowie Länder und Kommunen zu entlasten, ist diese Einteilung aus meiner Sicht nicht sachgerecht. Sie entspricht auch nicht dem auf eine individuelle Prüfung ausgerichteten Asylrecht. Genauso finde ich es sehr bedenklich, dass bei den Regelungen, die Personengruppen aufgrund einer prognostizierten schlechten Bleibeperspektive von Integrationsmaßnahmen ausgeschlossen werden. Weiterlesen

Tief betroffen über feiges und hinterhältiges Attentat – Beste Genesungswünsche für Frau Reker vom Runden Tisch für Integration

Sehr geehrte Frau Reker,

Das feige und hinterhältige Attentat auf Sie hat uns alle tief betroffen. Es ist unfassbar, mit welcher Brutalität der von Fremdenhass und rechtsextremistischen Wahnvorstellungen getriebene Täter auf Sie und die Menschen, die Sie begleitet haben, eingestochen hat. Dieser Angriff galt Ihnen und allen, die sich dafür einsetzen, dass Menschen, die in unserem Lande Schutz vor Verfolgung und Not suchen, solidarisch und menschenwürdig aufgenommen werden. Darum müssen und werden wir  uns verstärkt gemeinsam gegen jede Form von Fremdenhass und Ausländerfeindlichkeit und für eine humane Flüchtlings-und Einwanderungspolitik und das friedliche Miteinander in unserer Gesellschaft und unserer Stadt engagieren. Ihnen und den anderen Opfern des Attentäters wünschen wir eine schnelle und vollständige Genesung.

Mit den besten Grüßen

Dr. Wolfgang Uellenberg-van Dawen

Sprecher des Kölner Runden Tischs für Integration

Vorsitzender des EL-DE-Haus Vereins,
Förderverein des NS – Dokumentationszentrums der Stadt Köln