„Zusammen sind wir Heimat“

Auszug aus der Ansprache zum Frühjahrsempfang der Caritas für Köln am 31.03.2017 im Domforum:

„Heimat ist da, wo es mir gut geht, ich mich angenommen, aufgenommen und verstanden fühle, wo meine Familie und Freunde sind, überall da kann Heimat sein. Es gibt zumeist auch mehrere Heimaten: Eine Kindheitsheimat, eine politische Heimat, eine musikalische Heimat, eine kulturelle Heimat … und und und. Und: Heimat ist nie etwas Statisches. Heimat lebt, sie atmet, sie entwickelt sich – so wie wir uns entwickeln.

Die Jahreskampagne der deutschen Caritas hat das Motto „Zusammen sind wir Heimat“. Sie zeigt mit ihren Motiven Situationen, in denen Heimat entsteht. Die Botschaft ist einfach wie herausfordernd: Wie können wir im Kleinen wie im Großen einander Heimat geben? Wie kann Köln eine Stadt sein und bleiben, in der alle Menschen gut miteinander leben können?

Es geht um alle: Neu Hinzugekommene wie Alteingesessene, Alte wie Junge, Kranke wie Gesunde, Behinderte wie Wohnungslose, Arbeitslose wie Niedrigqualifizierte, Arme wie Reiche, Christen und Muslime, Schwul-Lesbische und Heteros. Das Miteinander gut zu gestalten und Integration und Inklusion für alle zu ermöglichen, ist eine gesellschaftliche Herausforderung und für den Zusammenhalt unseres Gemeinwesens und damit für die Gesellschaft von zentraler Relevanz.
Vom migrationspolitischen Standpunkt aus hat die deutsche Gesellschaft eine lange Erfahrung, Menschen eine Heimat zu geben: als Arbeitsmigranten während des deutschen Kaiserreichs, als Vertriebene, Umsiedler oder Kriegsrückkehrer nach 1945, als südosteuropäische Arbeitsmigranten oder Flüchtlinge aus der DDR in den 1960er Jahre, als Asylbewerber aus Osteuropa, Asien und Afrika (Boat People), als Kontingentflüchtlinge oder Spätaussiedler seit den 1970er Jahre.
Die zum Teil tiefgreifenden Bevölkerungsumwälzungen machen unsere Stadt bunter, interessanter und kosmopolitischer. Sie bringen zugleich eine Fülle an Herausforderungen mit sich und lassen eine Anerkennungskultur wachsen, auf die wir stolz sein können. Diese geht aber vielen Betroffenen, was die rechtliche Anerkennung und gesellschaftliche Akzeptanz, vor allem die Chancengerechtigkeit anbetrifft, noch nicht weit genug.

Die Herausforderung, allen hier lebenden Menschen eine gute Heimat zu ermöglichen, ist nicht zu unterschätzen. Während sich viele dafür einsetzen, dass Köln eine einladende, offene und gute Stadt für alle Menschen ist, wecken die Herausforderungen bei anderen den Wunsch, Identität zu bestimmen und in einem exkludierenden Sinn Heimat zu reklamieren. Sie vollziehen eine strikte Trennung zwischen „wir“ und „ihr“. Sie fürchten, was sie nicht kennen. Sie sehen das Trennende, die Hautfarbe, die Sprache, die Religion, die politische Ansichten. Sie sehen nicht, was miteinander geteilt wird: Die Leidenschaft zu Musik, die Begeisterung für Sport, die Freude an Büchern, der Genuss, mit Freunden zusammen zu sein, die Sorge um Familienangehörige, die Erfahrung von Verlust und Tod, die Hoffnung auf Sicherheit, Frieden und ein wenig Wohlstand.

Unsere Gesellschaft hat sich über die Themen Asyl und Migration zerstritten. Die Diskussionen werden von einigen hochemotional geführt, unzugänglich für jede Form von Fakten und Argumenten. Selbst im privaten Umfeld wird es schwierig, diese Themen mit der notwendigen und gebotenen Sachlichkeit zu diskutieren. Unsere Gesellschaft hat zugelassen, dass wir zunehmend mit Populismus und politischem Extremismus zu kämpfen haben. Aber, unsere Geschichte zeigt uns, dass wir es schaffen können. Es in der Vergangenheit mehr als einmal schon geschafft haben, denjenigen, die Heimat suchen, Heimat zu geben und diese mit ihnen zu teilen.

Ja, die Vielfalt an Kulturen, Religionen und Nationen in unserer Gesellschaft hat zugenommen. Aber nicht erst seit den Ereignissen auf dem Budapester Bahnhof im September 2015. Ja, eine offene Gesellschaft mit unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Nationen kann verunsichern, darf es auch. Sie kann aber auch anregen und Zukunft sein. Ja, Vielfalt stellt Anforderungen an das Zusammenleben. Es braucht Heimathirsche, die sich offen zeigen, und Einwanderer, die sich in die neue Heimat einfinden und die Grundlagen des Lebens akzeptieren, ohne das Eigene ganz aufgeben zu müssen.

Ein inklusives, interkulturelles und interreligiöses Zusammenleben zu gestalten, heißt die Akzeptanz gemeinsamer Regeln und die Verständigung auf gemeinsame demokratische Werte wie Grundrechte der Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit oder Gleichberechtigung von Mann und Frau. Sie sind Voraussetzungen und Eckpfeiler für eine offene und plurale Gesellschaft und nicht verhandelbar. Weiterlesen

Angst essen Seele auf

In einer Ausländerkneipe, in die sie vor dem Regen geflohen ist, lernt die etwa sechzigjährige Witwe Emmi Kurowski (Brigitte Mira), die als Putzfrau arbeitet, den mindestens zwanzig Jahre jüngeren Marokkaner Ali (El Hedi Ben Salem) kennen. Ali tanzt mit Emmi. Sie reden miteinander. Er begleitet sie nach Hause. Er zieht zu Emmi. Schließlich heiraten sie. Für die anderen ist diese Eheschließung ein Skandal: Emmis erwachsene Kinder schämen sich ihrer Mutter. Die Nachbarn tuscheln. Der Kolonialwarenhändler weist Emmi aus dem Laden. Emmis Arbeitskollegen verachten sie. Als Emmi Angst vor der unerwarteten Entwicklung verspürt, versucht Ali sie zu beruhigen: „Nix weinen. Nix Angst. Angst essen Seele auf!“.

Dieser letzte Filmtitel gebende Satz aus dem Film von Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahr 1974 ist ein Zitat, das vielen von uns geläufig ist. Es gibt in wunderbarer und erschreckender Weise die Stimmungslage in unserer Bevölkerung, zumindest bei einem Teil wieder. Was ich nicht kenne, macht mir Angst. Furcht und Angst zu haben, ist nichts Schlimmes. Es ist menschlich. Es betrifft oft individuelle Bereiche: Angst vor Krankheit eines Angehörigen, Furcht vor materieller Armut oder Sorge um den Arbeitsplatz. Angst und Furcht haben, darf man. Wir dürfen sie aber nicht die Überhand gewinnen lassen. Ein Geist der Furcht und Angst ist das, was wir fürchten sollten. Schlimm ist ein Klima, das Angst zulässt, in dem andere bewusst für ihre Zwecke allgemeine Ängste schüren. Weiterlesen

Heimat, Samba, Dom

g-k_amhof_20110315_6154Dr. Johannes Stahl, der Autor dieses Beitrags, ist der Kurator des Kunstprojektes „Fluchten“, das vom Diözesan Caritasverband für das Erzbistum Köln initiiert wurde. www.fluchten.eu
Es ist Rosenmontag in Köln. An ausgesuchter Stelle, das heißt in größtmöglicher Nähe zum Dom, ist eine Tribüne aufgebaut worden, auf der neben der bezahlenden Karnevalsgesellschaft ein ortsansässiges Samba-Ensemble seine Instrumente bedient. Als Aushilfskraft an einem einfachen aber lauten Instrument bin ich mit von der Partie, während der Triumphzug der Jecken vorbei zieht. Von dieser Parade wahrgenommen und für sie spielend mache ich mir Gedanken über diese alljährliche Manifestation von Heimat.Obwohl langjährig in Köln ansässig, würde ich keinesfalls behaupten, dass diese Stadt mein wirkliches Zuhause ist. Beim Spielen fällt mein Blick auf eine Arbeit des in Paris ansässigen Street Art Künstlers Space Invader. Eher unauffällig außerhalb des erdgeschossverbundenen Blickfelds angebracht, spielt dieses kleine und illegal angebrachte Mosaik mit den Formen eines in den 1970er Jahren verbreiteten Videospiels. Eine weiß getünchte Rattenfalle kam wohl später noch dazu. Man könnte geradezu sagen, es vollzieht eine Invasion in meinen Domblick – und dem von vielen anderen Menschen. Für mich hat es das Gefühl der Fremdheit an diesem Ort und in dieser Situation etwas abgemildert.

Wem gehört der Begriff Heimat?

Da soll jemand noch mal sagen, Politiker halten ihre Versprechen nicht. Nun auf den neuen US-Präsidenten trifft dies zumindest nicht zu. Ob alles Hand und Fuß hat, politisch gut oder sinnvoll ist, sei an dieser Stelle mal großzügig hintenangestellt. Eines verspricht es zumindest mit den neuen US-Präsidenten nicht zu werden: langweilig.

Alles andere als langweilig ist es in den letzten Tagen mit Sicherheit auch denjenigen ergangen, die aus bestimmten Herkunftsländern stammend, auf präsidialen Erlass erst einmal nicht in die USA einreisen durften. So wurden nicht nur Urlauber und Geschäftsreisende auf eine unsichere Buckelpiste geschickt. Untern ihnen sind auch Menschen, die einfach nur heim kehren wollten, weil sie in der Zwischenzeit in den USA ihre Heimat gefunden haben.

Kann es Heimat nur einmal geben? Ist Heimat an den Ort gebunden, an dem ich geboren und aufgewachsen bin? Ist Heimat nur räumlich zu verstehen? Kann jemand einem sagen, was seine Heimat ist, in die er bitte schön auch wieder zurückgehen bzw. die er am liebsten erst gar nicht verlassen soll? Kann ich allein Heimat sein?

Der Deutsche Caritasverband stellt in diesem Jahr mit seiner Kampagne „Zusammen sind wir Heimat“ einen besonderen Fokus auf das Thema und setzt sich ein für eine offene Gesellschaft, in der wir einander Heimat geben können. Die Caritas widmet sich damit einem typisch deutschen Begriff. Für viele Menschen ist dieser Begriff verstaubt. Ihm haftet mitunter auch etwas ganz schön Spießbürgerliches an. Jedem von uns entstehen sofort tausend Bilder im Kopf. Er ist auch ein belasteter Begriff; wurde und wird politisch missbraucht, um sich abzuschotten und andere Menschen auszugrenzen.

Wenn ich an den Begriff Heimat denke, entsteht in mir ein Gefühl. Vor meinem geistigen Auge sehe ich auch Orte und Regionen. Die sind aber nicht zwangsläufig die meiner „Heimat-„Stadt, in der ich geboren und aufgewachsen bin. Ich sehe Menschen, mit denen mich positive Gefühle verbinden, wie Freiheit und Weite, Verständnis und Verstanden werden, sein zu können wie man ist, sich nicht erklären oder begründen zu müssen, geistig, wie seelisch und körperlich eins zu sein. Heimat kann ich nicht allein sein. Heimat ist nicht zwangsläufig auf immer und ewig ein bestimmter Ort; nur dann, wenn ich die emotionalen Dinge auch damit in Verbindung bringen kann.

Tausende Menschen haben ihre Heimat verlassen. Vielen ist diese Entscheidung mit Sicherheit nicht leicht gefallen. Sie treibt aber vielleicht das Gefühl, die Hoffnung und die Sehnsucht an, eine neue Heimat zu finden. Wer kann, mag ihnen das verdenken. Damit sie in Deutschland Heimat finden, müssen sich Einheimische und Zugewanderte öffnen und sich mit Respekt und Wertschätzung begegnen. Dieses Miteinander gut zu gestalten und Integration zu ermöglichen, ist von zentraler gesellschaftlicher Relevanz. Gleich, wer auch immer meinen mag, politisch die Hoheit über den Begriff Heimat zu besitzen. Heimat ist veränderbar. Heimat ist gestaltbar. Heimat ist nichts Einmaliges. Aber das, was jeder mit Heimat verbindet, ist ein einmaliges Gefühl.

Soziale Netzwerke – für viele ein Weg aus der Isolation

photocasesq1aly3uj3jd1Ein Gastbeitrag von Sarah Mauch, Studentin der Medienkommunikation und Praktikantin in der Öffentlichkeitsarbeit des Caritasverbandes Köln:

Welche Bedeutung hat das Digitale für geflüchtete Menschen? Und wie können Soziale Netzwerke bei der Integration unterstützen? Das war ein Thema auf dem Fachtag #sozialimnetz  am 24. Januar in Köln.

Köln ist eine vielfältige, interkulturelle Stadt, die als offen und einladend gilt. Es gibt hilfreiche und viele Angebote für Migranten und Flüchtlinge. Aber es gibt ja auch viele, die diese Angebote dringend brauchen. Nur oft werden sie nicht in dem Umfang genutzt, wie sie benötigt werden.

Das liegt unter anderem daran, dass die Informationen nicht zur Zielgruppe durchdringen. Geflüchtete Menschen informieren sich hauptsächlich über Social Media, allem voran Facebook und WhatsApp. Viele soziale Dienste informieren jedoch noch auf herkömmlichen Wegen wie über Flyer, Zeitungsberichte oder auf Homepages. Leider liegen die meisten Flyer nicht auf Arabisch, Farsi oder sonstigen Muttersprachen aus, die wenigsten Geflüchteten lesen die hiesige Tageszeitung oder haben den Überblick über die vielen sozialen Einrichtungen, die fast alle eine Homepage führen.

Es gilt, die vielen tollen Angebote „an den Mann und die Frau“ zu bringen und sie zugänglich zu machen. Rafaee Shekho, Zahnmedizinstudent aus Syrien, berichtet auf dem Fachtag, er beziehe alle Informationen aus Facebook-Gruppen, die zu bestimmten Themen gegründet werden. Diese Gruppen können von zwei bis mehreren tausend Mitgliedern alles sein. „Schmuggler haben eine tolle Facebook-Präsenz. Die Leute kommen so an einen Weg, einen gefährlichen Weg, nach Europa.“ Er selbst fand auf Facebook eine Alternative für seinen Fluchtweg – ohne Schmuggler.
Smartphones und Internetzugang sind keine Luxusgüter für geflüchtete Menschen, es ist der einzige Weg, mit zurückgebliebenen Verwandten oder Freunden in Kontakt zu bleiben oder schnell an wichtige Informationen zu gelangen. Rafaee Shekho hatte große Schwierigkeiten, sein Studium anerkennen zu lassen und es hier fortsetzen zu dürfen. Er quälte sich durch Beamtendeutsch und saß stundenlag auf Ämtern. Schließlich fand er, über Facebook natürlich, einen Übersetzer der ihm ehrenamtlich half. Weiterlesen

Aufhebung der Anonymität im Netz – ist das die Lösung?

Fake news, Hasskommentare, ein amerikanischer Präsident, der über wütende Tweets Politik machen will…

Manchmal drängt sich der Gedanke auf, ob es die Mühe lohnt, sich gegen die Populisten im Netz zu stellen. Klar ist, es gibt keine Alternative. Jetzt erst recht! Überlassen wir die Sozialen Netzwerke nicht denen, die diese Medien für ihren Hass missbrauchen.

Was können wir tun? www.no-hate-speech.de und www.hasshilft.de sind nur zwei Beispiele für kreative Wege.

Und bei Hasskommentaren? Statt ignorieren, sollten wir:

  • Löschen und anzeigen,
  • Moderieren,
  • Diskutieren,
  • oder mit Humor reagieren.

Und gerade in diesem Wahljahr müssen wir viele im Netz werden, die allen zeigen, dass Minderheitenmeinungen durch Trolle und Social Bots aufgebauscht werden zu vermeintlichen Mehrheiten.

Was ist mit der Forderung, die Anonymität im Internet aufzuheben?Die allgemeine Diskussion dazu ist kontrovers. Klar, wer sich hinter einem Pseudonym versteckt, dem fällt es leichter, Hass auszuschütten oder sogar zu Gewalt aufzurufen. Aber was ist mit den vielen Foren und Plattformen, in denen Pseudonyme es erleichten oder sogar die einzige Möglichkeit sind, sich zum Beispiel über Krankheit auszutauschen.

Dazu gibt es, denke ich, keine einfache Antwort. Eindeutig ist aber die Forderung, dass Plattformen wie Facebook bei Strafermittlungen die wahren Identitäten herausgeben müssen.

infopostkarte-fachtag_sozialimnetz_24-01-2017_Morgen, auf unserem Fachtag „Sozial im Netz“ diskutieren wir dieses Thema.  Und wie wird die Soziale Arbeit in der digitalen Zukunft aussehen?

Mehr dazu unter www.caritas-fachtag.de und morgen direkt vom Fachtag aus den Workshops heraus und über die Vorträge u.a. von

photography © Esra Rotthoff 2013 www.esrarotthoff.com

photography © Esra Rotthoff 2013
www.esrarotthoff.com

Raul Krauthausen @raulde über den Twitterhashtag #sozialimnetz

 

Quo vadis Tafel?

Nils Freund, der Autor des Beitrags, ist Mitarbeiter im Stab Caritaspastoral und zuständig für das Thema „existenzunterstützende Angebote“

Die etwa 900 Tafeln in der Bundesrepublik versorgen in etwa 1,5 Millionen Menschen, dies tun sie mit Hilfe von ca. 60.000 ehrenamtlichen Unterstützerinnen und Unterstützern .
Durch den starken Anstieg der Flüchtlingszahlen in den letzten 2 Jahren geraten vor allem die Lebensmittelausgaben immer stärker unter Druck. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen, die im Alter von Armut bedroht sind, den Weg zu den Ausgabestellen suchen. Vor allem steigende Mieten „fressen“ die oftmals kleinen Renten älterer Menschen auf.
Was aber bedeutet diese Entwicklung für die Tafeln? Um dies zu verstehen muss man sich die Entwicklung der Tafelbewegung insgesamt vor Augen führen. Aus einem Wunsch, einem Überfluss an Lebensmitteln zu begegnen und diesen allen Menschen zugänglich zu machen, entwickelten sich viele Tafeln zu institutionalisierten Lückenbüßern. Gab es früher nur so lange etwas zu verteilen, bis die vorhandenen gespendeten Ressourcen erschöpft waren, wird heute an vielen Orten hinzugekauft. Eine gesteigerte Nachfrage führte, obwohl nicht mehr erforderlich, zur vermehrten Einführung von Bedürftigkeitsnachweisen und Nachweispflichten bzgl. des Wohnortes. Hinzu kommen in jüngster Zeit die Herausforderungen, welche geflüchtete Menschen im Kontext Tafeln mitbringen. Weiterlesen

Ankommen – Willkommen – Bleiben |Chancen und Herausforderungen einer Integrationsgesellschaft

Was im Zusammenhang mit der Flüchtlingsdebatte alles NICHT geht, das wurde in den vergangenen Wochen und Monaten von so ziemlich jedem, der sich berufen fühlte, mal in zivilisierter, mal in unerträglicher Form geäußert. Vielfach dominiert die Debatte immer noch die zwischenzeitlich von den Skeptikern und Schwarzsehern in eine Frage mutierte Aussage der Kanzlerin „Schaffen wir das?“. Vielfach beschäftigt die Kommunen immer noch die vordergründige Frage der Begegnung der ersten existenziellen Not, der Unterbringung und Versorgung der geflüchteten Menschen mit allem, was für das Ankommen und tägliche Leben Not tut.

Von einer Normalität des Alltags sind die geflüchteten Menschen an vielen Stellen noch weit entfernt, auch wenn sie zwischenzeitlich ein Dach über dem Kopf haben und sich in ihrem häufig noch provisorischen Leben bei uns Alltag und Routine festmachen lassen. Grundlagen und wichtige Weichenstellungen für eine gute Zukunft in Deutschland, so denn klar ist, wer bleiben darf und wer nicht, gehören nicht für jeden geflüchteten Menschen zum Alltag. So fehlt es beispielsweise in Köln an ausreichenden Plätzen für Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien in Kindertageseinrichtungen und Schulen.

Die weitaus größte gesellschaftliche Herausforderung liegt noch vor uns, die der Integration. Was zu einer Integration erforderlich ist, wo wir aktuell durch die zahlreichen Willkommensinitiativen stehen, mehr noch welche Hardware und vor allem Software wir brauchen, damit dieser wichtige Weg erfolgreich und in einem großen gesellschaftlichen Konsens miteinander beschritten werden kann, damit setzt sich am 02. Dezember 2016 ein Fach-Nachmittag auseinander, zu dem das katholische Stadtdekanat Köln in Kooperation mit Katholikenausschuss, Katholisches Bildungswerk, Katholische Jugendagentur, Caritasverband, IN VIA, SkF, SKM, Malteser Hilfsdienst, Katholische Familienbildung und Katholisches Schulreferat im Rahmen der Aktion Neue Nachbarn einlädt.

Neben dem ANKOMMEN und WILLKOMMEN gehört auch das BLEIBEN sowie in ganz besonderem Maß die Auseinandersetzung mit den Chancen und Herausforderungen einer Integrationsgesellschaft. Weiterbringende Impulse für diese notwendigerweise zu führende Debatte erhoffen sich die Veranstalter vor allem vom Migrationsforscher und langjährigen Politikberater Prof. Dr. Klaus J. Bade, aber auch in der anschließenden Podiumsdiskussion mit Vertreter(inne)n aus Stadt, Willkommensinitiativen, Migrantenselbstorganisationen, freier Wohlfahrtspflege, dem Bereich Arbeit und Qualifizierung sowie der kirchlichen Flüchtlingshilfe.

Anmeldungen sind bis 23. November 2016 möglich. Die Veranstaltung findet statt in der Zeit von 14:00 – 18:00 Uhr im IN VIA-Zentrum, Stolzestraße 1a, 50674 Köln. Einlass ist ab 13:30 Uhr.

Sozial im Netz

Sozial im Netz

#sozialimnetzinfopostkarte-fachtag_sozialimnetz_24-01-2017_final
Auch in die Soziale Arbeit und Pflege hat die Digitale Welt selbstverständlich Einzug gehalten. Viele Wohlfahrtsverbände stehen dieser Entwicklung noch skeptisch gegenüber und setzen digitale Möglichkeiten noch nicht in der konkreten praktischen Arbeit mit Klienten ein.
Dabei rücken jetzt selbst in den Pflegeheimen Senioren nach, für die der Umgang mit sozialen Netzwerken zum Alltag geworden ist. Darauf müssen sich die Träger einstellen und ihre Angebote ausrichten.
Es gibt bereits praktische Erfahrungen, wie der Einsatz sozialer Netzwerke den Dialog und Austausch mit Wohnungslosen, mit Menschen mit Behinderung, mit Senioren und Jugendlichen bereichert und positiv weiterentwickelt.

Die Caritas Köln lädt gemeinsam mit den Kooperationspartnern, Diözesan-Caritasverband Köln und Hochschule Düsseldorf, zu einem Fachtag „Sozial im Netz“ am 24. Januar 2017 ins Komed im Kölner Mediapark ein. Interessierte können sich ab sofort anmelden unter www.caritas-fachtag.de. Weiterlesen

Ein gutes Gefühl……….. Der Kabarettist Jürgen Becker unterstützt die Arbeit der Kölner Betreuungsvereine

Ein Beitrag von Rainer Röth, Leiter des Betreuungsvereins:

„Es ist Freitag, Wochenmarkt an der Apostelkirche, Ende September, kühles Wetter, die Sonne blinzelt hervor – ich blinzel zurück.
Die Kölner Betreuungsvereine informieren (mal wieder) über ihre Arbeit, über ihre Anliegen, über ihre Sorgen bezüglich der Finanzierung.
Manche Marktbesucher bleiben am Infostand stehen, viele wollen nur schlendern und in Ruhe gelassen werden. Gott sei Dank gibt es neben unserem Stand eine Kaffeebude, der Kaffee schmeckt, ich komme mit der Kaffeegesellschaft ins Gespräch.

Es geht in einigen Gesprächen um schwere Themen: Wer sorgt für mich, wenn ich nicht mehr kann ? Ich bin mit der Betreuung meiner Mutter überfordert ? Ich habe keinen, dem ich vertraue !

Kabarettist Jürgen Becker (li.) mit Rainer Röth, Leiter des Betreuungsvereins

Kabarettist Jürgen Becker (li.) mit Rainer Röth, Leiter des Betreuungsvereins

Dann kommt am späten Vormittag, wie verabredet, Jürgen Becker dazu. Der ist gerade mit seinem Programm „Volksbegehren“ (es geht um Lust und Leidenschaft) auf Tournee. Den Termin mit uns hat er dazwischengeschoben, kommt mit seinem Motorrad vorbei.

Jürgen Becker berichtet, dass sein Onkel durch die Caritas sehr gut betreut worden sei. Er habe das sehr positiv und kooperativ empfunden und unterstütze darum gerne unser Anliegen. Dann gibt er noch ein paar Anekdoten und Geschichten zum Thema der Solidarität zwischen den Generationen zum besten und braust wieder ab.

Zurück bleibt bei mir ein Gefühl:
Da hat jemand erfahren, wie wertvoll unsere Arbeit ist und ist bereit, etwas zurückzugeben, verbunden mit einem großen Vertrauensvorschuß in unsere Arbeit.
Das war ein gutes Gefühl…. Danke, Jürgen!“