Politik für alle

Susanne Steltzer, Leistungsbereichsleiterin Wohnen und Leben im Caritasverband Köln:

Wie vor jeder großen Wahl, fragt der CBP – der Bundesverband Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e.V. – auch vor der anstehenden Bundestagswahl, ob die Parteien auch die Belange der Menschen mit Behinderungen im Blick haben und unterzieht ihre Programme einer Prüfung mit sieben sogenannten Wahlprüfsteinen:

1. Politische Teilhabe und Selbstbestimmung sichern
Menschen mit Behinderungen sind gleichberechtigte und wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger unseres Gemeinwesens.
Ihre politische Teilhabe und Selbstbestimmung ist zu fördern und sicherzustellen, gerade bei den Personen, die aufgrund ihrer Behinderung besondere Zugangsbarrieren bei der politischen Teilhabe zu überwinden haben.
Bestehende Diskriminierungen in den Wahlgesetzgebungen sind zu beseitigen. Wichtig ist jetzt den Ausschluss vom Wahlrecht nach § 13 Bundeswahlgesetz aufzuheben. Weiterlesen

Demokratie und Kirche

Der Vizepräsident des deutschen Bundestages Johannes Singhammer (CSU) fordert die Kirchen in politischen Fragen zu mehr Zurückhaltung auf und Markus Söder (CSU) wünscht, die Kirche solle sich darauf konzentrieren, der Mission Jesu zu folgen.

Gerade in Zeiten von Populismus, demokratiefeindlichen Tendenzen und menschenverachtender Hetze ist jedoch das genaue Gegenteil zwingend erforderlich. Kirche ist nicht als Demokratie verfasst, sie kann auch keine Demokratie sein. Es ist Kirche nicht möglich, demokratisch zu beschließen, sich von der Botschaft Jesu Christi als Fundament christlichen Glaubens zu trennen. Der Auftrag zur Evangeliumsverkündigung ist Kirche gegeben und kann nicht durch Mehrheitsentscheidungen abgeändert werden. Genauso wenig ist es möglich, Kirche die Staatsform Demokratie überzustülpen. Aber Kirche muss wichtige Unterstützerin demokratischen Lebens in unserer Gesellschaft sein. Kirche muss sich, insbesondere weil sie in Ihren eigenen Strukturen wenig demokratisch ausgebildet ist, bedingungslos an die Seite der demokratischen Staatsform stellen.
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Familiennachzug zum minderjährigen Flüchtling – ein (fast) unmögliches Vorhaben

Ein Gastbeitrag von Heike Winzenried, Perspektivberatung für Flüchtlinge/Beratung unbegleiteter Minderjähriger im Caritasverband Köln:

„Der yezidische Jugendliche S. ist im Alter von 16 Jahren im November 2015 ohne Familienangehörige nach Deutschland geflüchtet. Seine Eltern und fünf Geschwister, darunter vier minderjährig, sind seit ihrer Flucht vor dem sogenannten Islamischen Staat im Jahr 2013 gezwungen, in einem Flüchtlingscamp im Nordirak zu leben. Der zwei Jahre ältere Bruder kam bereits im Juli 2015 nach Deutschland und wurde im August 2016 als Flüchtling anerkannt. Im Oktober 2016 fand ein Erstgespräch zwischen der Verfahrensberatung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und dem damals 17-jährigen Jugendlichen und seinem erwachsenen Bruder statt. S. ist sehr besorgt, ob es gelingen kann, seine Familie bis zu seinem 18. Geburtstag am 3. Juni 2017 nachzuholen. Der Familiennachzug zu unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen ist grundsätzlich nur bei Anerkennung eines Asylrechts vor dem Erreichen der Volljährigkeit möglich.

Nun beginnt eine über Monate andauernde Auseinandersetzung mit den beteiligten Behörden. Mehrere Versuche, das Asylverfahren voranzubringen, bleiben zunächst erfolglos. Weiterlesen

„Du siehst mich“ – Von einem ganz besonderen ev. Kirchentag in Berlin

Von einem ganz besonderen evangelischen Kirchentag in Berlin und Wittenberg: 500 Jahre Reformation – ein markanter Jahrestag.

Du siehst mich…“ – Ein provokantes Motto in Zeiten, die geprägt sind von Instagram, Smartpohones , selfi´s , Online- und Printmedien, und last but not least dem Fernsehen….

Auch das kommt zur Sprache bei diesem Kirchentag : Bilder die verharmlosen, Bilder, die die Not virtuell in unser Leben bringen und zugleich politische Haltungen und Handlungen evozieren. Bilder, die Menschen emotionalisieren, Bilder, die mit Ängsten spielen – immer wieder auch  mit Blick auf  Einschaltquoten. Ist dieser Blick durch die Fotolinse gemeint ? Bestimmt nicht.

Am frühen Mittwochmorgen fahre ich mit knapp 50 mir nicht bekannten Personen einer evangelischen Gemeinde aus Hennef mit dem Bus  nach Berlin. Zu Gast sind wir in einer evangelischen Schule in Steglitz. Mit Matratze und Schlafsacke; aber mit liebevoller Versorgung der Eltern und Lehrer.

Nach dem Eröffnungsgottesdienst mit  70 000 Gästen lädt der Abend zu Begegnung bei Linsensuppe, Fallafel und Kartoffelsuppe, Couscous , Bratwurst , Currywust , Schmalzbroten, Gurken aus dem Spreewald, gegrilltem Gemüse  und Livemusik ein.

Morgens beim leckeren Frühstück drehen sich die Gespräche besonders um den Besuch von Barack Obama. Anna, die mit in der Schule übernachtet, hat sich den Wecker  besonders früh gestellt. „Ich möchte nicht zu weit hinten stehen, dann sehe ich nichts mehr“. Hier in Berlin gibt es an sensiblen Zonen und bei besonderen Veranstaltungen intensive Taschen und Einlasskontrollen. Mich lockt es nicht zu Obama. Der gemeinsame Auftritt mit Angela Merkel vor dem Brandenburger Tor lässt doch zu sehr an den aktuellen Wahlkampf denken. Aber es gibt auch Stimmen beim Frühstückstisch, die anderer Meinung sind „beide Politiker vertreten christliche Werte in der Politik, das soll auf dem Kirchentag auch Platz finden können“. Weiterlesen

Projektreise Caritas Libanon – Fazit

Zwischenzeitlich liegt die Reise in den Libanon zwei Wochen zurück. Reise, Gespräche, Begegnungen mit Land und Leuten sowie Caritas-Kolleg(inn)en und Projekte haben nichts an den Eindrücken verblassen lassen. Ich bin begeistert von der hoch professionellen und fachlichen sowie empathischen Arbeit, die die Kolleg(in)en der libanesischen Caritas leisten. Die so unter ganz anderen – oftmals umgekehrten Vorzeichen – geschieht, wie das, was die Rahmenbedingungen unserer Arbeit hier in Köln und Deutschland hergeben.

Mich beeindruckt das Vertrauen, das der Caritas entgegengebracht wird, von UN-Behörden, anderen nationalen Caritasverbänden, ausländischen Staaten und nicht zuletzt der libanesischen Bevölkerung sowie der geflüchteten Menschen. Ich bewundere das Vertrauen der Caritas in die Zukunft trotz aller Ungewissheit hinsichtlich der Dauer und des Ausgangs der Syrienkrise oder finanziellen Rahmenbedingungen. Ich bewundere den unvoreingenommenen Umgang mit den geflüchteten Menschen, ihre klare politische Positionierung hinsichtlich der Hilfeleistungen für die geflüchteten Menschen, aber auch hinsichtlich ihres Einsatzes und ihrer Forderung, die einheimische Bevölkerung nicht aus dem Blick zu verlieren. Wie sagte Father Paul Karam, der Präsident der libanesischen Caritas angesichts der besonderen Situation und Herausforderung im Libanon: „Die Sunniten haben die Unterstützung Saudi-Arabiens, die Schiiten die des Irans und die Christen die Europas und Gottes.“

Ich habe mich jederzeit und an jedem Ort gut begleitet und aufgenommen gefühlt. Die Reise war exzellent vorbereitet und organisiert. Ein dickes Dankeschön nicht nur an die libanesischen Kolleg(inn)en; auch an Caritas international, die Auslandsabteilung des Deutschen Caritasverbandes. Wir sahen nicht die heile Welt im Libanon. Wir hatten einen unverstellten und realistischen Blick auf die Dinge, der auch die konstruktiv kritische Diskussion zuließ und förderte. Eine Reise, an die ich mich gern erinnern werde. Eine Reise, von der ich so viel mitnehmen konnte. Eine Reise, die sich mehr als lohnte. Eine Reise, die half, eine andere Perspektive einzunehmen. Eine Reise, die vieles in der Flüchtlingssituation erklärte. Eine Reise, die den Blick für Zusammenhänge öffnete. Eine Reise, die an den Ausgangsort oftmals langer und gefahrvoller Fluchtwege ging, während wir hier in Köln und Deutschland es mit deren (oftmals unklaren) Ende zu tun haben und in einer Art wieder zu einem Anfang werden, ob (gezwungenermaßen) in die Heimat zurück oder möglicherweise als neue Heimat.

Technisch möglich ist noch lange nicht alltagstauglich; vom langen Weg einer Projektentwicklung….

Die häusliche Pflege und Betreuung ist nicht erst mit der letzten Änderung der Pflegeversicherung zur zukunftsweisenden Versorgungsform geworden. Dieser Bedeutungszuwachs wird begleitet und gefördert durch eine Fülle von technischen Innovationen, die die alltäglichen Verrichtungen und die häusliche Pflege gravierend verändern werden. Bereits heute stehen einige dieser Innovationen an der Schwelle der Marktreife.

Wenn die Caritas-Sozialstationen in Köln Menschen ermutigen wollen, sich auch mit zunehmendem Alter, Hilfe- und Pflegebedürftigkeit für einen Verbleib in der eigenen Wohnung zu entscheiden, werden hierzu professionelle Angebote, bürgerschaftliches Engagement und technische Assistenzsysteme miteinander hilfreich kombiniert werden müssen. Aus unserer Sicht ist die Einführung von intelligenter Technik mit manchen, oft unvorhersehbaren Schwierigkeiten verbunden. Viele Innovationen sind getragen von einer „zündenden“ Idee. Wenige berücksichtigen auch, dass für einen Markterfolg eine systematische Analyse, die Integrationsmöglichkeit in vorhandene Strukturen und nicht zuletzt die explizite Darstellung des Kundennutzens erforderlich ist.

Ein Hausnotrufsystem das mehr kann, als Notrufe absetzen

Wir konnten dies bei dem Versuch erfahren, einen innovativen Ansatz im Bereich des Hausnotrufes zu realisieren. Unser Ziel war zum einen, durch eine selbständige Aktivierung von Notfällen einen Sicherheitsgewinn für Kunden und Angehörige erreichen zu wollen und zum anderen, die Reaktionszeiten bei einem Notfall deutlich zu reduzieren.

Nach einer entsprechenden Analyse haben wir uns für einen Anbieter entschieden, dessen Hausnotruftechnik die Möglichkeiten eines individuell ausgelösten Notrufes ergänzt durch den Einsatz und die Auswertung von Bewegungs- und Kontaktsensoren. Ein spezieller Algorithmus sorgt dafür, dass Notfälle erkannt werden, indem Abweichungen des aktuellen Bewegungsmusters vom angelernten Alltags-Bewegungsprofil des Kunden festgestellt werden. So sollen Notfälle frühzeitig erkannt und zusätzlich schleichende Veränderungen in Form einer Präventivmeldung wahrgenommen werden können, um rechtzeitig die Ursachen zu eruieren und gemeinsam mit dem Kunden und den Angehörigen nach Lösungen zu suchen. Weiterlesen

Projektreise Caritas Libanon – Tag 5 – Freitag, 12. Mai 2017

Der letzte Tag der Projektreise startet mit einer Planänderung. Statt des geplanten Besuchs in einem Frauenhaus für Überlebende von Gewalt gegen Frauen der Caritas in Bhersaf im Norden Libanons geht es in ein Caritas-Zentrum für Flüchtlinge am Rande eines ursprünglich von palästinensischen Christen bewohnten Lagers in Dbayeh unweit Beiruts. Bei dem Lager handelt es sich größten Teils um befestigte Häuser, die vermietet werden. Hier leben schätzungsweise 500 christliche palästinensische, 85 bis 100 muslimische syrische und rund 100 libanesische Familien. Genaue Zahlen gibt es nicht. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Die Rotation der Familien ergibt sich zum Teil aufgrund von Konflikten untereinander.

Das Zentrum der libanesischen Caritas wurde 2000 mit Hilfe von Caritas international gegründet. Vormittags treffen sich hier die Frauen. Sie werden in ihren Kompetenzen befähigt, damit sie eine Perspektive haben, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren. Die Frauen sind zwischen 15 und 60 Jahre und älter. Viele minderjährige syrische Frauen sind bereits verheiratet und haben Kinder. Die Frauen lernen französisch und englisch und werden in Handarbeit, Computer oder im Friseur- und Kosmetikhandwerk ausgebildet. Zudem finden Ernährungsberatung und Alphabetisierungskurse statt.
Nachmittags gehört das Zentrum den Kindern. Sie werden schulisch gebildet und erhalten Hausaufgabenbetreuung in französisch, englisch sowie allen Schulfächern. Wie schon in der Schule für hörgeschädigte, geistig- und lernbehinderte Kinder in Zahleh werden auch in diesem Zentrum regelmäßig Tests durchgeführt, um den Lernfortschritt der Kinder festzustellen und ihren individuellen Lehrplan anzupassen. Im Gegensatz zu den Müttern, die zum Teil unter posttraumatischen Belastungsstörungen leiden, psychosoziale Betreuung erhalten sowie in Einzel- oder Gruppentherapie psychologisch unterstützt werden, sagt uns die Psychologin, dass die Kinder weniger traumatisiert sind. Die meisten von ihnen sind im Libanon geboren und erwecken den Eindruck aufgeschlossener und glücklicher Kinder. Weiterlesen

Projektreise Caritas Libanon – Tag 4 – Donnerstag, 11. Mai 2017

Schon früh geht es heute raus aus Beirut mit dem Bus nach Zahleh in die Bekaa-Ebene, in die Mitte des Landes und Richtung syrische Grenze. Unser Weg führt uns über einen 2.700 Meter hohen Pass. In der Ferne sehen wir Schnee. Unsere Dolmetscherin Djumana erzählt, dass die Libanesen vormittags Skifahren und eine halbe Stunde später am Strand liegen und im Mittelmeer schwimmen gehen können. Ein verrücktes Land, das so viele Gegensätze vereint und dennoch homogen wirkt.

Unser erster Halt ist eine Schule der libanesischen Caritas für Kinder mit Hörschädigung, geistiger sowie Lernbehinderung. Zahleh ist eine überwiegend christlich geprägte Stadt. Über den Straßen befinden sich Ketten mit Kreuzen als Hinweis auf Ostern. Die Schule der Caritas gibt es seit zwölf Jahren. Ursprünglich gestartet mit drei Klassen á 16 Schüler(inne)n hat die Schule heute 176 Schüler(innen). Es gibt mehr Anmeldungen als Aufnahmekapazitäten. Über die Aufnahme an der Schule entscheiden drei IQ-Tests. Bei einem Test geht es um das Hörvermögen, beim zweiten um die geistigen Fähigkeiten und beim dritten um die Einschätzung des Vorliegens einer möglichen Lernbehinderung. Anhand der Testergebnisse erfolgt die Zuweisung in eine Klasse. IQ-Tests sind sehr teuer im Libanon, deshalb kommen viele Eltern, um ihre Kinder an der Caritas-Schule testen zu lassen und nach Möglichkeit anzumelden.

Die Schüler(innen) werden neben den Lehrer(inne)n von Bewegungs- und Sprachtherapeut(inn)en begleitet. Die Lehrer(innen) verfügen über spezialisierte Qualifizierungen. Die Kinder lernen nicht akademisch, sondern in lebenspraktischen Zusammenhängen. Wer schulisch nicht weiterkommt, erhält eine handwerkliche Ausbildung als Kosmetiker(in), Bäcker(in) oder Frisör(in). Theorie und Vorbereitung auf die Praxis finden zwei Jahre in der Schule statt. Die Lehrer(innen) suchen Stellen für die Schüler(innen) und begleiten diese auch während ihrer praktischen Ausbildung. Monatliche Überprüfungen des Wissens geben Hinweise zur Anpassung der individuellen Förderung. Die Schule hat sich bewusst dafür entschieden, den hörgeschädigten Kindern das Lippenlesen statt der Gebärdensprache beizubringen. Zum einen, so die Schulleiterin, weil es keine einheitliche Gebärdensprache, selbst international nicht gibt, und zum anderen das unmittelbare Lebens- und Familienumfeld der Kinder selten die Gebärden kennt und sie sich so jederzeit in der Gesellschaft zurechtfinden können. Der Unterricht findet mittels der staatlichen Lehrbücher statt. Das ist keine Nebensächlichkeit, denn ansonsten wäre kein staatlich anerkannter Schulabschluss möglich. Soweit möglich, wechseln lernbehinderte Kinder mitunter auf reguläre Schulen und werden hier durch Sozialarbeiter(innen und Lehrer(innen) weiter betreut.  Weiterlesen

Projektreise Caritas Libanon – Tag 3 – Mittwoch, 10. Mai 2017

Eine Woche ist es her, dass die Projektreise mit Caritas international in den Libanon hinter mir liegt. Eine Woche, die neben dem Alltäglichen auch die Gelegenheit bot, das Gesehene und Erlebte sacken zu lassen. War der Austausch mit den Kolleg(inn)en der libanesichen Caritas schon spannend und eine lehrreiche Erfahrung, war die Reise ins „Feld“, in die konkreten Angebote und Projekte der libanesischen Caritas für syrische und palästinensische Flüchtlinge, Arbeitsmigrant(inn)en und libanesische Familien noch einmal umso beeindruckender.

Unser dritter Tag startet mit dem Besuch einer Abschiebehaftanstalt für illegale Migrant(inn)en sowie Flüchtlinge ohne Papiere in Beirut. Der Termin findet im neuen Gebäude statt, das im August 2016 in Betrieb genommen wurde. Auf dem Weg kommen wir am alten Gebäude vorbei. Viel ist nicht zu sehen. Der Eingang zur alten Abschiebehaft liegt direkt unter einer Hochstraße. 13 Gefängniszellen á 50 Personen, Käfige, schildern uns die Mitarbeiter(inn)en der libanesischen Caritas, die die Gefangenen auch im neuen Gebäude betreuen. Fensterlos, ohne Tageslicht, beengt, gerade einmal so viel Platz, wie die Matratze zum Schlafen hergab. Kein Vergleich zum neuen Gebäude; ein Vorzeigeobjekt mit den besten Standards; kein anderes Gefängnis im Libanon kann mithalten. Sofern ein solcher Ort etwas Positives ausstrahlen kann, baulich großzügig und sauber. Das Besondere: Die Menschenrechte werden nach Bangkok-Konvention gewährt. Dass dem so ist, ist der Caritas zu verdanken, die bei der Konzeptionierung mitreden und beim Bau durch den libanesischen Staat die für libanesische Gefängnisse vergleichsweisen hohen Standards durchsetzen konnte und auch die Ausstattung der Gefängniszellen übernahm.

Die Abschiebehaft ist die einzige U-Haft für Migrant(inn)en ohne legale Papiere im Libanon und die Caritas die einzige NGO, die in der Abschiebehaft tätig ist. Es gibt eine Sektion für Männer und eine für Frauen mit 200 Männern und 300 Frauen. Bei unserem Besuch werden wir von der Polizei empfangen und nach einem Sicherheitscheck in den Frauentrakt begleitet. Dort werden wir aufgefordert, unsere mobilen Telefone abzugeben, die im Büro der Caritas-Mitarbeiter(inn)en sicher verschlossen werden. Dass die Caritas unsere Telefone verwahrt, bringt zum Ausdruck, welches Vertrauen die Caritas genießt. Weiterlesen

DISKUSSIONSPAPIER ZUM KOMPROMISS DER KOALITIONSFRAKTIONEN ZUM PFLEGEBERUFEGESETZ

BERLIN, MAI 2017
DEUTSCHER CARITASVERBAND
DIAKONIE DEUTSCHLAND – EVANGELISCHER BUNDESVERBAND
DEUTSCHER EVANGELISCHER KRANKENHAUSVERBAND (DEKV)
DEUTSCHER EVANGELISCHER VERBAND FÜR ALTENARBEIT UND PFLEGE (DEVAP)
KATHOLISCHER KRANKENHAUSVERBAND DEUTSCHLANDS (KKVD)
VERBAND KATHOLISCHER ALTENHILFE IN DEUTSCHLAND (VKAD)

Caritas und Diakonie sowie ihre Fachverbände in der Kranken- und Altenhilfe begrüßen, dass der vor über einem Jahr begonnene Gesetzgebungsprozess durch den Kompromiss der Regierungsfraktionen wieder aufgenommen wird. Der Kompromiss sieht vor, dass Auszubildende zwischen einer generalistischen Pflegeausbildung mit dem Abschluss Pflegefachfrau/-mann und den Ausbildungszweigen ab dem 3. Jahr mit einem spezialisierten Berufsabschluss zur Altenpfleger/-in oder Kinderkrankenpfleger/-in wählen können. Allein die zukünftige generalistische Pflegeausbildung qualifiziert zur professionellen Pflege in allen Arbeitsbereichen der Pflege und über alle Lebensphasen hinweg. Sie ist und bleibt auch allein auf EU-Ebene anerkannt. Caritas und Diakonie, die mehr als die Hälfte der Ausbildungskapazitäten in Deutschland stellen, bewerten nach wie vor allein die generalistische Pflegeausbildung als zukunftsorientiert und stehen mit guter Erfahrung für diese Ausbildung.

Folgende Aspekte sind aus Sicht von Caritas und Diakonie zur Umsetzung der Gesetzesintention zwingend erforderlich:

Die Berufsbezeichnung Pflegefachfrau/-mann steht für die generalistische Ausbildung; daher sollte der Ausweis von Vertiefungseinsätzen ausschließlich im Zeugnis und nicht in der Berufsbezeichnung erfolgt, da er nur eine individuelle Schwerpunktsetzung innerhalb der Ausbildung ausdrückt, die ohne Auswirkung auf die Fähigkeit zur Berufsausübung ist.

Die im Gesetzesentwurf vorgesehene Ausweisung von vorbehaltenen Tätigkeiten in allen Arbeitsfeldern ist ein wesentlicher Teil der Pflegeberufereform für die
generalistische Ausbildung zur Pflegefachfrau/-mann. Die vorbehaltenen Tätigkeiten sollten sich bei den laut Kompromiss vorgesehenen zunächst noch gesondert zu erhaltenden Berufsabschlüssen der Altenpflege und der Kinderkrankenpflege auf das jeweils angestrebte Arbeitsfeld beschränken (Pflege alter Menschen bzw. Pflege von Kindern und Jugendlichen).

Die Auszubildenden müssen eine tatsächliche Wahlfreiheit haben, für welchen Abschluss sie sich entscheiden. Es ist daher sicherzustellen, dass in den ersten zwei Ausbildungsjahren alle relevanten Ausbildungsbereiche durchlaufen werden. Es sollte keine (Vor-)Festlegung des angestrebten Berufsabschlusses im Ausbildungsvertrag erfolgen.

Die sechs Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes vorgesehene Evaluation der Verteilung der Ausbildungsabschlüsse muss sich auf alle Auszubildenden beziehen. Eine Begrenzung der Zählung der Abschlüsse auf diejenigen, die ihr Anstellungsverhältnisses später im Bereich der Alten- und Kinderkrankenpflege wählen, verfälscht das Ergebnis. Wählen diese Auszubildenden (bewusst) eine Schule für die theoretische Ausbildung, die ausschließlich die generalistische Pflegeausbildung anbietet, so ist auch dieses als eine Entscheidung zu werten, die in die 50-Prozent-Quote einfließen muss.

Zielgruppe als auch Curriculum einer Pflegeassistenzausbildung unterscheiden sich grundsätzlich von einer auf drei Jahre angelegten Fachkraftausbildung. Die Prüfung zur Pflegeassistenz sollte daher ausschließlich als Option für Auszubildende möglich sein, welche die Ausbildung nicht zu Ende führen (können). Eine bundeseinheitliche eigenständige zweijährige Pflegeassistenzausbildung ist neben der dreijährigen Pflegeausbildung einzuführen. Sie muss Zugang zur Fachkraftausbildung bieten.

Die Neuausrichtung der Pflegeberufereform mit drei unterschiedlichen Abschlüssen und innerhalb der generalistischen Pflegeausbildung mit Schwerpunktsetzungen erfordert einen hohen logistischen Aufwand der Pflegeschulen und Träger der praktischen Ausbildung. Diese müssen in geeigneter Form unterstützt und die dadurch ausgelösten Mehrkosten finanziert werden.