Erneute Flüchtlingsdramen im Mittelmeer – Kampf den Schleppern

Dass Menschen sich auf den oft gefährlichen und unbekannten Weg machen, um für sich und ihre Familien ein besseres und sicheres Leben zu finden, kann wohl jeder nachvollziehen und keiner ihnen verwehren. Handelt es sich jedoch um Flüchtlinge, kommt das bekannte St. Florians-Prinzip umgehend zum Tragen: „Flüchtlinge ja, aber bitte nicht zu uns und schon gar nicht in meine Nachbarschaft.“

Dass der Weg in ein besseres und sicheres Leben enorme Unsicherheiten und Gefahren bis hin zum Tod birgt, verdeutlicht in diesen Tagen erneut die dramatische Anzahl von Menschen, die ihre Flucht über das Mittelmeer mit ihrem Leben bezahlen mussten. Weiterlesen

Lampedusa ist überall

Von Westafrika zu den kanarischen Inseln, von Nordafrika in die spanischen Enklaven und nach Lampedusa, von der Türkei nach Griechenland. Über diese Routen versuchen tausende Menschen ihre Sicherheit, ihr Glück. Es sind nicht immer die „Ärmsten der Armen“, die dies versuchen, es sind oft die jungen und starken, die gut ausgebildeten, die, die Verantwortung zu übernehmen bereit sind, die für ihre Familie oder das ganze Dorf zu sorgen bereit sind. Es sind aber auch die, die bedroht sind, an Leib und Leben – aus politischer Gesinnung oder weil im (Bürger-)Krieg einfach niemand sicher ist. Sie machen sich auf den Weg oder werden geschickt, riskieren im vollen Bewusstsein ihr Leben, um ihre Passion zu erfüllen. Ein Leben in Europa, sicher sein, arbeiten, Geld nach Hause schicken. Sorgen, dass die Familie überlebt, das Dorf.

Doch wir in Europa schotten uns ab. Weiterlesen

Thema Flüchtlinge nicht den Rechten überlassen! Um was geht es hier eigentlich?

Hier ein Gastbeitrag von Clemens Zahn, Fachberater für Caritaspastoral:

„Die Themen Flucht und Flüchtlinge, Armut und Armutswanderung bewegen Europa, zwischen Erschütterung und Abwehr, zwischen Anteilnahme und rechtsnationalistischer, gezielter gewalttätiger Mobilisierung gegen die Ärmsten der Armen.
Worum geht es zuallererst? Der italienische Fotograf und Journalist Fabrizio Gatti hat die Fotos der Kinder gesammelt, die vor Lampedusa ertrunken sind und im Magazin L’Espresso veröffentlicht. Anbei finden Sie die Links zu der englischen Version des Artikels und des Blogs, die uns alle verstummen lassen.

http://espresso.repubblica.it/attualita/2013/10/30/news/names-and-photographs-of-the-children-who-drowned-on-october-11th-while-europe-postpones-the-issue-1.139493

http://gatti.blogautore.espresso.repubblica.it/2013/10/30/The-kids-that-Europe-has-fed-to-the-fish/ 

Das Thema beschäftigt auch die Kirchengemeinden in Köln, die sich, u. a. in Deutz, Porz, Poll, Ehrenfeld, Weiden und Godorf, bereits sehr verdienstvoll engagieren, auch gegen Kampagnen und die heftige Ablehnung einer aufgebrachte (Teil-)Bürgerschaft, die durch Pro Köln und andere rechte Gruppen  gesteuert werden.

Angesichts der Kommunal- und Europawahlen im nächsten Jahr werden wir die Instrumentalisierung dieses Themas durch die radikale europäische Rechte erleben und einer diffamierenden emotionalen Mobilisierung gegen Flüchtlinge auch hier in Köln, die möglicherweise tief bis in die bürgerlichen Schichten hineinreichen wird. Fabrizio Gattis Dokumentation erinnert uns daran, um wen und um wie viel es geht, wenn wir uns gegen diese Kampagnen engagieren und warum wir diese bekämpfen und uns für das Asylrecht und die Integration von Flüchtlingen engagieren müssen.“

Ich fasse es einfach nicht!

Heute schlage ich beim Frühstück den Kölner Stadtanzeiger auf und es fehlen mir einfach die Worte. Da sterben vor Lampedusa Hunderte Flüchtlinge, – es werden immer mehr Leichen aus dem Meer geborgen-, und es ist gerade mal eine Mini-Meldung von 2 Sätzen wert, dass die Bundesregierung sich angesichts dieser Katastrophe beeilt zu erklären, sie werde keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen. Einen Kommentar oder weiteren Hintergrundbericht dazu sucht man vergeblich.

Was für ein Zynismus, wenn Deutschland als das reichste Land der EU bereits vor der  heutigen  Zusammenkunft der EU-Innenminister ein solches Signal sendet. Weiterlesen

Lampedusa’s cemetery – Lampedusa´s Friedhof

Nur mit Trauer, Wut und Empörung kann ich  auf das Sterben von schutzsuchenden Menschen vor Lampedusa reagieren.

Die „Festung Europa“ steht, aber ganz Europa heuchelt Betroffenheit, wenn die Folgen dieser Festung sichtbar werden. Die Toten vor Lampedusa sind  eine Folge der immer effektiveren Abriegelung der europäischen Außengrenzen.

Der Brief der Bürgermeisterin von Lampedusa spricht deutliche Worte, ja, was an den Außengrenzen Europas geschieht, ist eine Schande für Europa.

»Wie groß muss der Friedhof meiner Insel noch werden?« Guisi Nicolini, Bürgermeisterin Lampedusas, über Europas Schweigen angesichts des Flüchtlingssterbens auf dem Mittelmeer.

»Ich bin die neue Bürgermeisterin von Lampedusa. Ich wurde im Mai 2012 gewählt, und bis zum 3. November wurden mir bereits 21 Leichen von Menschen übergeben, die ertrunken sind, weil sie versuchten, Lampedusa zu erreichen. Weiterlesen

„Wer hat heute in der Welt geweint?“

Nicht dass Sie mich falsch verstehen. Ich bin nicht für einen Papstkult und an den Vorgaben unserer Amtskirche muss ich mich oft auch kritisch abarbeiten, doch der Besuch von Papst Franziskus auf der Flüchtlingsinsel Lampedusa hat mich schon sehr beeindruckt und als ich heute seine Predigt las, da war ich gerührt und beschämt zugleich.
Hier ein Auszug davon:
„Adam, wo bist du?“, „Wo ist dein Bruder?“ sind die zwei Fragen, die Gott am Anfang der Geschichte der Menschheit stellt und die er ebenso an alle Menschen unserer Zeit, auch an uns richtet. Ich möchte aber, dass wir eine dritte Frage anfügen: „Wer von uns hat darüber und über Geschehen wie diese geweint?“ Wer hat geweint über den Tod dieser Brüder und Schwestern? Weiterlesen