Plädoyer für pragmatischen Umgang mit Datenschutz

Die Umsetzung der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO)und des für uns als Caritas darüber hinaus gültigen Kirchlichen Datenschutzgesetzes (KDG) treibt seine Blüten. Sie haben es alle selbst erlebt: In der ersten Zeit wurden wir überschüttet mit unterschiedlich formulierten E-Mails im Rahmen der Zusendung von Newslettern. Diese Welle ist jetzt abgeebbt und wird abgelöst von schriftlichen Datenschutz-Formularen, die wir als Kund*innen beim Friseur oder Optiker ausfüllen. Auch Postsendungen enthalten jetzt Anschreiben mit Absicherungen zum Datenschutz.

Ja, natürlich müssen die Privatsphäre jedes Einzelnen ausreichend geschützt und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung gestärkt werden.

Aber was wir jetzt vorliegen haben, und das KDG spitzt einzelne Aussagen der DSGVO noch weiter zu, hat eine tiefe Verunsicherung ausgelöst und verleitet zu panischen Reaktionen: Um ja nichts falsch zu machen, hat eine katholische Kita in Dormagen in Erinnerungsfotoalben die Gesichter der Kinder geschwärzt. Ein skurriler Vorgang, der bundesweit für Aufmerksamkeit sorgte. Es gibt zahlreiche Institutionen, Vereine, Verbände oder auch Pfarreien, die inzwischen ihre Blogs und Webseiten offline geschaltet haben.

Pressestellen, Fotograf*innen, Öffentlichkeitsarbeiter*innen in Verbänden wissen nicht mehr, wie sie ihre Arbeit tun sollen. Unser Auftrag ist es, „nah beim Menschen“ zu sein. Die gesellschaftliche Realität der Menschen, die unsere Dienste der Caritas nutzen, ist es doch, sich vor allem digital in Sozialen Netzwerken und im Internet zu informieren und auszutauschen. Das Visuelle, Fotos und Videos, hat dabei eine entscheidende Bedeutung. Wie sollen wir weiter unsere Zielgruppen erreichen können, wenn Kommunikation über Soziale Netzwerke verhindert wird?

Selbstverständlich, und das entspricht unserem Leitbild, zeigen wir Menschen aus unserer Arbeit im positiven Kontext und natürlich niemals bloßstellend in Fotos und Videos. Der sensible Umgang und Schutz persönlicher Daten und der Privatsphäre von Menschen waren bei uns schon immer wichtig. Alle Online-Präsenzen haben natürlich auch wir nach den neuen Datenschutzregeln angepasst und überarbeitet.

Was wir aber alle brauchen, ist dringend ein pragmatischer Umgang und Auslegung der Datenschutzregeln. So muss zum Beispiel, je nach Situation, auch ein mündlich geäußertes Einverständnis für die Nutzung von Fotos und Videos genügen.

Damit nicht nur abstrakte Daten geschützt werden, sondern Austausch und Kommunikation unter Menschen weiter gefördert und nicht verhindert werden!

Über den Autor

Marianne Jürgens,
Pressesprecherin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, sorgt dafür, dass die Stadt über die Caritasarbeit spricht.


Das begeistert mich:

Sobald Musik erklingt, gibt es kein Halten mehr: Ein Leuchten im Gesicht des 91-jährigen Herrn Schmitz. Herr Schmitz tanzt mit Rollator und Herr Schmitz tanzt mit dem 5-jährigen Jordi. So geschehen beim Caritas-Tanzprojekt „come 2 move – gelöste Grenzen“. Caritas und Kunst: Das berührt die Seele von 60 Teilnehmern aller Generationen mit und ohne Handicaps und von Zuschauern gleichermaßen. Wunderbare Wege der Sozialarbeit...


Zu meinem Ärger:

Die gesellschaftliche Realität macht nicht vor der Kirchentür halt. Der Fall einer gekündigten Leiterin eines katholischen Kindergartens in Königswinter, die nach der Trennung von ihrem Mann in einer neuen Beziehung lebt, ist nur einer von vielen. Sind Katholiken beim Arbeitgeber Kirche angestellt, werden solche Lebensbrüche direkt zur Existenzfrage. Und der Kirche gehen menschlich kompetente, engagierte und angesehene Mitarbeitende verloren.

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