Gekommen, um zu bleiben

Suppenküche

Lebensmittelausgaben entwickeln sich zum festen Bestandteil unseres sozialen Sicherungssystems

Die Angebotspalette der verschiedenen Lebensmittelausgaben in Deutschland ist vielfältig. Es gibt große Suppenküchen, die täglich mehrere hundert warme Mahlzeiten zubereiten, es gibt Verteilerzentren von Lebensmittelpaketen in Größenordnungen von mehreren tausend Paketen pro Monat, es gibt Ausgabestellen für Lebensmittelgutscheine und viele andere Formen der Unterstützung.
Trotz der Unterschiedlichkeit ihrer Ausformung haben die meisten einige Gemeinsamkeiten vorzuweisen. Sie haben häufig klein angefangen, sie wachsen und entwickeln sich in ihrem Wirkungsraum zu zentralen Anlaufstellen für Menschen mit verschiedenen Hilfebedarfen. Genau hier liegt ein Kernproblem der Lebensmittelausgaben. Stehen in Gründungszeiten vor allem die Motive des Handelns im Mittelpunkt, wie z.B. die Vermeidung der Vernichtung von überschüssigen Lebensmitteln oder die Notversorgung von Obdachlosen, stehen mit dem Wachstum eher Fragen der Logistik, Beschaffung von Helferinnen und Helfern oder die finanzielle Ausstattung im Mittelpunkt.
In Großbritannien haben die zwei größten Anbieter FareShare und Trussell Trust im Jahr 2016 eine 20 Millionen Pfund-Partnerschaft mit dem Supermarktriesen Asda abgeschlossen. Auf die Verwendung der Mittel angesprochen, teilte FareShare mit, dass man in größere Lagerhallen, neue Autos, Kühlräume und Gabelstapler investieren möchte. Ein solches Wachstum führt jedoch dazu, dass immer mehr Kommunen diese, ursprünglich aus caritativen/sozialen Motiven entstandenen Angebote als einen festen Bestandteil des sozialen Sicherungssystems verstehen. Eine gemeinnützige Idee wird so zur Industrie und wird Teil eines Versorgungssystems, ob sie wollen oder nicht.
Der Verweis auf eine Lebensmittelausgabe oder ähnliche Unterstützungsstrukturen ist in Sozialämtern inzwischen keine Seltenheit mehr. Auch Sanktionierungen von staatlicher Unterstützung können so befördert werden. Zur Not gibt es ja noch die Tafel. Die staatliche Fürsorgepflicht, das letzte Auffangnetz wird somit langsam aber sicher von privaten Initiativen abgelöst. Meist getragen von ehrenamtlichem Engagement. Ich finde, Lebensmittelausgaben dürfen in einem der reichsten Länder der Welt nur auf kleinste Sozialräume beschränkte Notlösungen sein.
An dieser Stelle möchte ich erinnern, dass die Menschen in schwierigen Lagen „ein Recht auf persönliche und wirtschaftliche Hilfe“ haben. Sie müssen „seinem besonderen Bedarf entsprechen, sie zur Selbsthilfe befähigen, die Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft ermöglichen und die Führung eines menschenwürdigen Lebens sichern“ . Ich würde mir wünschen, dass insbesondere die dafür verantwortlichen staatlichen Stellen und die Politik sich diese Formulierung aus dem Sozialgesetzbuch noch einmal vor Augen führen und endlich einmal konsequent danach handeln würden.

Nils Freund, der Autor des Beitrags, ist Mitarbeiter im Stab Caritaspastoral und zuständig für das Thema “existenzunterstützende Angebote”

Über den Autor

Was ich mag:

Die Stadt entdecken in ihren Vierteln, Straßen, Plätzen. Dort, wo die Menschen leben. Mir die Veedel von ihnen zeigen lassen. Sich einander die Stadt erzählen. Ungesehenes entdecken. Räume wahrnehmen und weiten. Auch für die Caritas.
Manchmal wird was fühlbar. Wenn in St. Agnes die Sängerinnen und Sänger aus dem Viertel, aus den Gemeinden, aus verschiedenen kulturellen Gegenden dieser Welt das Finale von "Joy to the World" bestreiten. Das ist ein Erfolg: Gemeinde, Caritas, soziale Einrichtungen miteinander ins Gespräch bringen und ins gemeinsame Handeln.

Was ich nicht mag

Parallelwelten. Die Tafel als Billigentsorger der Nahrungsmittelwirtschaft. Tatkraft ohne Nachdenklichkeit und Blick auf gesellschaftliche Zusammenhänge. Besserwisserei gegenüber Benachteiligten. Wenn wir als Caritas die Not nur lindern, aber nicht verhindern können.

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