Nie wieder

Der Pogrom vor 80 Jahren: Eine sehenswerte Gedenkinstallation im Gewölbe des Kölner NS-Dokumentationszentrum erinnert an die Pogromnacht am 09. November 1938 in Köln. Drei Synagogen brannten aus, weitere wurden verwüstet, Wohnungen ausgeraubt, Geschäfte zerstört. Systematisch wurde seit 1933 die Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung betrieben und auf den Holocaust hingesteuert.

In Interviews schildern Zeitzeugen, wie sie die Pogromnacht erlebt haben. Die Mehrheitsgesellschaft verhielt sich damals passiv.

Gefährlich wird es, wenn die Erinnerungskultur in unserer Gesellschaft abnimmt, wenn immer weniger Menschen wissen, was damals geschehen ist und vor allem nicht lernen, was das für uns heute bedeutet und wie wir solchen Anfängen aktiv entgegentreten müssen. “Gedenken ist nicht genug”, schreibt die Antisemitismusforscherin Stefanie Schüler-Springorum sehr richtig in der Süddeutschen Zeitung von heute.

Wenn ich die Ausstellung sehe, denke ich an aktuelle Entwicklungen.

Der Jahresbericht 2017 unseres Antidiskriminierungsbüros dokumentiert zum Beispiel mit vielen Fallbeispielen Ausgrenzung von Menschen in unserer Stadt.

Eine Gesellschaft, in der eine Partei wie die AfD im Bundestag und den Ländern vertreten ist, hätte ich, wie viele andere auch, vor einigen Jahren niemals für möglich gehalten. Und wie kann es sein, dass der gerade in den vorgezogenen Ruhestand versetzte Verfassungschef Hans-Georg Maaßen eine solche zentrale Position inne hatte. Seine jetzt offen kommunizierte Gesinnung, die auf dem rechten Auge blind ist,  ist ja nicht erst jetzt vom Himmel gefallen und lässt Schlimmes über die Haltung weiteren Personals des Inlandsgeheimdienstes befürchten.

Den Kopf in den Sand stecken, resigniert und passiv diese Entwicklung hinnehmen, reicht einfach nicht. Wir können nur immer wieder und wieder, im Privaten und gemeinsam mit anderen Haltung zeigen, diskutieren, im Gespräch bleiben. Und uns für Demokratie einsetzen und werben, auch wenn wir manchmal an unserem demokratischen System verzweifeln könnten. Aber etwas Besseres gibt es nicht.

Auch das NS-Dokumentationszentrum widmet sich nicht nur dem Gedenken und der Erinnerung. Hier entsteht ein Haus der Demokratie, in dem auch viele Schulklassen auf der Basis der geschichtlichen Aufarbeitung sich der heutigen Gesellschaft zuwenden.  Damit wir alle sagen können: Nie wieder!

Vor 80 Jahren – Der Pogrom in Köln: Eine Gedenkinstallation vom 07. November 2018  bis 06. Januar 2019  im NS-Dokumentationszentrum, Appellhofplatz 23-25, 50667 Köln

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Über den Autor

Marianne Jürgens,
Pressesprecherin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, sorgt dafür, dass die Stadt über die Caritasarbeit spricht.


Das begeistert mich:

Sobald Musik erklingt, gibt es kein Halten mehr: Ein Leuchten im Gesicht des 91-jährigen Herrn Schmitz. Herr Schmitz tanzt mit Rollator und Herr Schmitz tanzt mit dem 5-jährigen Jordi. So geschehen beim Caritas-Tanzprojekt „come 2 move – gelöste Grenzen“. Caritas und Kunst: Das berührt die Seele von 60 Teilnehmern aller Generationen mit und ohne Handicaps und von Zuschauern gleichermaßen. Wunderbare Wege der Sozialarbeit...


Zu meinem Ärger:

Die gesellschaftliche Realität macht nicht vor der Kirchentür halt. Der Fall einer gekündigten Leiterin eines katholischen Kindergartens in Königswinter, die nach der Trennung von ihrem Mann in einer neuen Beziehung lebt, ist nur einer von vielen. Sind Katholiken beim Arbeitgeber Kirche angestellt, werden solche Lebensbrüche direkt zur Existenzfrage. Und der Kirche gehen menschlich kompetente, engagierte und angesehene Mitarbeitende verloren.

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