Der Kita-Alltag und Corona: Ein aktuelles Stimmungsbild aus unseren CariKids-Kindertagesstätten

Die Omikron-Variante lässt die Corona-Infektionszahlen in Deutschland kontinuierlich steigen, jeden Tag wird aufs Neue der Rekord gebrochen. Corona-Schutzmaßnahmen gelten nach wie vor. Schulen und Kitas bleiben geöffnet, was für die Kinder und Eltern ein Stück Normalität in der Pandemie bedeutet. Aber wie sieht der Alltag für die Erzieher*innen in den Kitas angesichts der sich ständig ändernden Corona-Regeln und der hohen Infektionszahlen unter Kita-Kindern und Mitarbeitenden aus? Diese fühlen sich zunehmend von der Politik im Stich gelassen. Aus diesem Grund haben sie an der Protestaktion unter den Hashtags #Kitasamlimit und #esreicht teilgenommen. Gestartet hatte diese unter anderem der Verband für Kita-Fachkräfte NRW.

„Wir haben die schönste Arbeit von allen“
Eins vorab: Unsere Erzieher*innen sind mit dem ganzen Herzen bei der Sache. „Wir haben die schönste Arbeit von allen. Es ist toll, die Kinder täglich zu erleben, mit ihnen zu arbeiten und zu leben. Wir sehen die einzelnen Entwicklungsschritte und freuen uns, wenn unsere Angebote und Aktivitäten den Kindern Spaß machen und sie motivieren, zu lernen und Erfahrungen zu machen“, sagt Monika Düren, Leitung der inklusiven Kita Maria Hilf der CariKids gGmbH.

Bei aller Leidenschaft für den Beruf sind Erzieher*innen aktuell aber auch höchsten Belastungen ausgesetzt. Und das quasi „unter dem Radar“ der Politik. Während immer wieder betont wird, wie wichtig es sei, dass die Schulen offenbleiben und die Schüler*innen kontinuierlich lernen können, spricht kaum jemand über die Kitas.
Hier muss das Personal täglich den Spagat machen zwischen der eigentlichen Arbeit und den verschiedenen Zusatzaufgaben, die die Pandemie hervorgebracht hat. Jennifer Hill aus der inklusiven Caritas-Kita Porz: „Die Corona-Situation belastet uns immer mehr. Wir sind alle genervt von der Politik und die Mitarbeiter*innen fühlen sich nicht ernst genommen oder gesehen im Vergleich zu den Schulen und anderen gesellschaftlichen Bereichen.“

Pandemie-Alltag
Zweimal wöchentlich findet der PCR-Lolli-Gruppentest statt. Dieser zieht jedes Mal bange Stunden nach sich, denn die Ergebnisse kommen oft erst nach Tagen, und dann nachts oder im schlimmsten Fall erst am nächsten Morgen. Dann müssen bei positivem Ergebnis die Gruppen geschlossen, die Eltern informiert und mit Labor, Gesundheitsamt etc. kommuniziert werden. Das setzt auch die Eltern unter großen Stress, ihre Arbeit und eine alternative Betreuung für ihre Kinder zu organisieren. Für die Maßnahmen haben sie nicht immer Verständnis. Und es gibt nach wie vor Eltern, die ihre Kinder nicht am Lollitest teilnehmen lassen. Eine Testpflicht wie in Schulen ist noch nicht in Sicht, würde aber mehr Klarheit schaffen und die Situation für alle erleichtern.

Ein Corona-Tag in der Kita
Corona hat den Alltag in den Kitas weiterhin fest im Griff. Anne Becker aus der Kita Heilig Geist schildert die Abläufe: „Ein Tag in der Kita sieht im Moment so aus, dass wir Erzieherinnen permanent FFP2-Maske tragen müssen. Das erschwert das Atmen, aber auch die Kommunikation mit den Kindern. Sie verstehen uns schlechter und können unsere Mimik nicht erkennen. Wir müssen eigentlich Maskenpausen machen, was im Alltag aber fast nicht umzusetzen ist. Darüber hinaus müssen wir pausenlos Hygienemaßnahmen durchführen, z. B. Desinfektion der Möbel, aber auch dafür sorgen, dass die Kinder sich regelmäßig die Hände waschen. Auch beim Spielen müssen wir auf Distanz achten und schauen, dass nicht so viele Kinder gleichzeitig in den einzelnen Spielbereichen spielen. Wir betreiben ständig, ohne dass wir es möchten, eine richtige „Hygieneüberwachung“. Durch die Gruppentrennung muss jede Gruppe eigenständig ihren Früh- und Spätdienst abdecken. Wenn noch dazu jemand krank wird, stehen wir vor einem großen Problem. Der Austausch mit den anderen Erzieher*innen ist durch diese ganze Situation auf ein Minimum geschrumpft, was wir alle sehr schade finden. Gruppenübergreifende oder sogar externe Aktionen sind ganz gestrichen, das ist für uns alle richtig traurig. Über allem schwebt natürlich auch die ständige Angst, dass wir uns selbst und unser privates Umfeld anstecken könnten.“

Was jetzt helfen könnte
Guido Geiss als Leiter der fünf Caritas-Kitas fasst zusammen, was aktuell helfen kann: „Wir wünschen uns, dass sich die verantwortlichen Politiker in unsere Lage versetzen und klarere Verordnungen verfassen und zum Beispiel eine Testpflicht erlassen. Die garantierte Erreichbarkeit von wirklich wichtigen Anlaufstellen ist für uns wichtig. Wir wünschen uns, dass einfach auch mal gewürdigt wird, was wir hier leisten. Für die Kinder ist es gut und wichtig, dass die Kitas offenbleiben und es Kontinuität in der Betreuung gibt. Sie brauchen das für ihre Entwicklung. Aber auch die Erzieher*innen müssen gesehen und ihre Lage öffentlich mehr wahrgenommen werden.“

    

Über den Autor

Marianne Jürgens,
Pressesprecherin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, sorgt dafür, dass die Stadt über die Caritasarbeit spricht.


Das begeistert mich:

Sobald Musik erklingt, gibt es kein Halten mehr: Ein Leuchten im Gesicht des 91-jährigen Herrn Schmitz. Herr Schmitz tanzt mit Rollator und Herr Schmitz tanzt mit dem 5-jährigen Jordi. So geschehen beim Caritas-Tanzprojekt „come 2 move – gelöste Grenzen“. Caritas und Kunst: Das berührt die Seele von 60 Teilnehmern aller Generationen mit und ohne Handicaps und von Zuschauern gleichermaßen. Wunderbare Wege der Sozialarbeit...


Zu meinem Ärger:

Die gesellschaftliche Realität macht nicht vor der Kirchentür halt. Der Fall einer gekündigten Leiterin eines katholischen Kindergartens in Königswinter, die nach der Trennung von ihrem Mann in einer neuen Beziehung lebt, ist nur einer von vielen. Sind Katholiken beim Arbeitgeber Kirche angestellt, werden solche Lebensbrüche direkt zur Existenzfrage. Und der Kirche gehen menschlich kompetente, engagierte und angesehene Mitarbeitende verloren.

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