Corona betrifft uns alle, aber nicht alle gleichermaßen

Dieser Gastbeitrag unseres Kollegen Jonas Bücker aus der Kinder- und Jugendarbeit nimmt die jungen Menschen in den Blick.

Es gibt Lebensphasen, in denen wir lernen Autonomie zu entwickeln, soziale Bindungen einzugehen, uns vom Elternhaus unabhängig zu machen. 

Zu diesen Entwicklungsaufgaben gehört die Erfahrung etwas bewirken zu können, einen Unterschied zu machen, etwas zu können. In diesen Lebensphasen entwickeln Menschen eine Idee von sich selbst und der Welt. Ein Großteil dieser Erfahrungs- und Bildungsprozesse findet für gewöhnlich in der Lebensphase Jugend statt.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die Entwicklungsaufgaben für viele junge Menschen erschwert, manchmal auch unmöglich gemacht. Kinder und Jugendliche haben während der Pandemie an vielen Stellen verzichtet. Klassenfahrten fielen aus ebenso wie Abschlussfeiern. 

Regelmäßige unbeschwerte Schulbesuche und Treffen mit Freund*innen waren erschwert. Jugendeinrichtungen waren teilweise geschlossen und öffnen auch heute nur unter Einhaltung bestimmter Schutzmaßnahmen (Beschränkung der Teilnehmendenzahl, Test- und Maskenpflichten, Wegfall bestimmter Angebotsformate). Viele dieser Maßnahmen waren angebracht und notwendig, um die Pandemie möglichst gut zu überstehen.

Trotzdem haben diese Einschränkungen Folgen, die nicht nur im Kontakt mit jungen Menschen sichtbar werden, sondern mittlerweile auch durch Studien untermauert sind. (Anm. der Redaktion: Weiterführende Links und Hashtags am Ende des Artikels)

Junge Menschen sind von einer Zunahme von psychischen Erkrankungen und Belastungen, von Ängsten und Zukunftssorgen belastet. Es muss nun darum gehen, den Interessen und Bedürfnissen junger Menschen wieder mehr Raum zu geben.

Initiativen wie #WirSindDochKeineMaschinen und #WirWerdenLaut unterstreichen die Notwendigkeit, die Anliegen junger Menschen ernst zu nehmen und sie nicht nur auf die Rolle der Schüler*innen zu beschränken. Es gilt, Möglichkeiten zu schaffen, um Verpasstes nachzuholen und Erlebtes aufzuarbeiten. Eben nicht nur in Bezug auf Lehrpläne und Bildungsverläufe, sondern ganz explizit auch hinsichtlich der individuellen Entwicklungsmöglichkeiten junger Menschen.

Wenn beispielsweise in der nächsten Woche ein Großteil des Schulkarnevals ausfallen wird, die Schul- und Veedelszüge abgesagt sind, dafür aber Straßen- und Kneipenkarneval erlaubt bleiben, nehmen viele junge Menschen dies als ungerecht wahr. Ihre Interessen scheinen keine Rolle in den Verhandlungen über die Karnevalszeit gespielt zu haben. Beispielhaft legen diese Entscheidungen offen, welche Gruppen in Gesellschaft mitgedacht werden, wer über eine Lobby verfügt und wer nicht. Gerechtigkeit würde hier Beteiligung und Mitsprache bedeuten. Eine Forderung, die junge Menschen bereits während der gesamten Pandemie äußern und die es dringend ernst zunehmen gilt!

 

Hashtags und weiterführende Links:

#Copsy-Studie @UKEHamburg  #JugendUndCorona @BertelsmannStiftung

Belastungen-von-Kindern-Jugendlichen-und-Eltern-in-der-Corona-Pandemie.pdf;jsessionid=5B27D2DD38AE5F86FCC29031C3F5EA06.1_cid389 (bund.de) 

 

 

 

 

 

 

Über den Autor

Marianne Jürgens,
Pressesprecherin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, sorgt dafür, dass die Stadt über die Caritasarbeit spricht.


Das begeistert mich:

Sobald Musik erklingt, gibt es kein Halten mehr: Ein Leuchten im Gesicht des 91-jährigen Herrn Schmitz. Herr Schmitz tanzt mit Rollator und Herr Schmitz tanzt mit dem 5-jährigen Jordi. So geschehen beim Caritas-Tanzprojekt „come 2 move – gelöste Grenzen“. Caritas und Kunst: Das berührt die Seele von 60 Teilnehmern aller Generationen mit und ohne Handicaps und von Zuschauern gleichermaßen. Wunderbare Wege der Sozialarbeit...


Zu meinem Ärger:

Die gesellschaftliche Realität macht nicht vor der Kirchentür halt. Der Fall einer gekündigten Leiterin eines katholischen Kindergartens in Königswinter, die nach der Trennung von ihrem Mann in einer neuen Beziehung lebt, ist nur einer von vielen. Sind Katholiken beim Arbeitgeber Kirche angestellt, werden solche Lebensbrüche direkt zur Existenzfrage. Und der Kirche gehen menschlich kompetente, engagierte und angesehene Mitarbeitende verloren.

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