Engagement mit Zukunft – für Teilhabe Älterer im Sozialraum

Großes Interesse an Fachtagung von Caritas Köln und Hochschule Düsseldorf

Am 3. Februar fand online die Abschluss-Fachtagung des Projekts „Ehrenamt mit Zukunft“ statt.

Weit über 200 Interessierte aus ganz Deutschland, einzelne auch aus Österreich und der Schweiz, nahmen an der Veranstaltung mit zahlreichen Vorträgen und Workshops teil. Anlass war der Abschluss eines dreijährigen, gleichnamigen Projektes von Caritas Köln und der Hochschule Düsseldorf, gefördert von der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW. Das Projekt hatte zum Ziel, neue Ideen für freiwilliges Engagement zu entwickeln und zu initiieren und somit die Teilhabe älterer Menschen in ihrem Sozialraum zu unterstützen.

Dabei ist die Bereitschaft für freiwilliges Engagement grundsätzlich groß: 30 Millionen engagieren sich in Deutschland ehrenamtlich, das sind mehr als 40 % unserer Bevölkerung ab einem Alter von 14 Jahren, Tendenz steigend. Ohne Ehrenamt geht es also nicht. Aber: Die große Zahl engagierter Menschen stellt auch vor Herausforderungen. Nicht jede Bereitschaft kann befriedigt werden, oft passen das „Angebot“ und die „Nachfrage“ nicht zusammen, Frust entsteht. Will man also dieses Pfund unserer Gesellschaft weiter sinnstiftend nutzen, muss man etwas dafür tun. Ehrenamt braucht Struktur, muss wirksame, nachhaltige Angebote zur Teilhabe auf der einen Seite, aber auch zur Gewinnung von ehrenamtlich Engagierten auf der anderen Seite bereitstellen. Denn Angebote, die nicht angenommen werden, sind nicht wirksam und frustrieren jene, die sich engagieren.

Die Erfahrungen aus den Kölsch Hätz Nachbarschaftshilfen von Caritas und Diakonie, die mit 579 Ehrenamtlichen in 29 Veedeln der Stadt aktiv sind, zeigen, wie notwendig ehrenamtliches Engagement auch in der Krise ist: Die Bedarfe insbesondere Älterer an Unterstützungsangeboten sind in der Corona-Pandemie groß wie nie. Ältere Menschen wenden sich an Strukturen, die sie aus ihrem Veedel, aus ihrem kleiner werdenden Bewegungsradius kennen. „Die Richtigkeit des ursprünglichen Ziels des Projektes, die sozialräumliche Teilhabe älterer Menschen auf beiden Seiten – als „Empfänger“ von Ehrenamt genauso wie als ehrenamtlich Engagierte – zu stärken, wird durch die Corona-Pandemie also einmal mehr bestätigt und für die Zukunft wichtiger denn je.“ sagt Caritas-Vorstand Peter Krücker in seiner Einführung auf dem Fachtag.

Eine umfassende Datenerhebung und praktische Erfahrungen flossen in das Modellkonzept „Engagement mit Zukunft für die Teilhabe Älterer im Quartier“ ein, das Prof. Dr. Anne van Rießen und Katja Jepkens von der Hochschule Düsseldorf als Ergebnis des dreijährigen Projektes vorstellten.

Das Konzept ist empirisch basiert, aber grundsätzlich auf alle Ehrenamtsstrukturen übertragbar. Ehrenamtliches Engagement hat Zukunft, wenn es für beide Seiten, Nutzer*innen und Engagierte, gleichermaßen passt. Auch flexibles und punktuelles Engagement müssen möglich sein. Am Anfang steht immer die Bedarfsermittlung bei älteren Menschen und Engagementwilligen um passgenau Begegnung und Angebote zu vermitteln. Zusätzlich sollten Rahmenbedingungen wie Räume, Fortbildungen und ähnliches für selbstorganisiertes Engagement bereitgestellt werden. Weitere Voraussetzungen für gelingendes Engagement sind die Anbindung und Vernetzung im Sozialraum. Die Demokratisierung von zivilgesellschaftlichem Engagement braucht eine gute tragfähige Basis und hauptamtliche Strukturen, um ältere Menschen und Engagierte an ihren Bedarfen orientiert zusammenzubringen. So kann gesellschaftliche Partizipation und soziale Teilhabe gelingen.

Auch Forschungsergebnisse weiterer Hochschulen zu zivilgesellschaftlichem Engagement waren aufschlussreich. Aus einer Erhebung der Hochschule Luzern, wie sich Engagement unter älteren Freiwilligen während der zwei Jahre Corona-Pandemie verändert und entwickelt hat, lassen sich Auswirkungen für die Zukunft ableiten. Vorbild-Projekte unterschiedlicher Träger regten die Teilnehmenden der Fachtagung zum intensiven Austausch an. Dabei nahmen sie auch ganz konkrete Tipps mit. Zum Beispiel, welche digitalen Kalender am besten eingesetzt werden, in denen Ehrenamtliche und ältere Interessierten Termine für Rikschafahrten selbst eintragen und abgleichen können.

Fazit des Tages: Nur wer die Bedürfnisse der Menschen, der Nutzer*innen und Engagierten erfragt, kann erfolgreich vielseitige, flexible und dynamische Projekte anregen und Begegnung vermitteln. Die Erfahrung zeigt, dass digitale Angebote zwar wichtig sind, aber das Wesen des Engagements, – die Beziehungsarbeit -, nur ergänzen und nicht ersetzen können.

 

Weitere Informationen:

https://www.koelschhaetz-im-veedel.de/projekt-ehrenamt-der-zukunft/

Hier geht es zum Film über das Projekt:

YouTube

 

Über den Autor

Marianne Jürgens,
Pressesprecherin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, sorgt dafür, dass die Stadt über die Caritasarbeit spricht.


Das begeistert mich:

Sobald Musik erklingt, gibt es kein Halten mehr: Ein Leuchten im Gesicht des 91-jährigen Herrn Schmitz. Herr Schmitz tanzt mit Rollator und Herr Schmitz tanzt mit dem 5-jährigen Jordi. So geschehen beim Caritas-Tanzprojekt „come 2 move – gelöste Grenzen“. Caritas und Kunst: Das berührt die Seele von 60 Teilnehmern aller Generationen mit und ohne Handicaps und von Zuschauern gleichermaßen. Wunderbare Wege der Sozialarbeit...


Zu meinem Ärger:

Die gesellschaftliche Realität macht nicht vor der Kirchentür halt. Der Fall einer gekündigten Leiterin eines katholischen Kindergartens in Königswinter, die nach der Trennung von ihrem Mann in einer neuen Beziehung lebt, ist nur einer von vielen. Sind Katholiken beim Arbeitgeber Kirche angestellt, werden solche Lebensbrüche direkt zur Existenzfrage. Und der Kirche gehen menschlich kompetente, engagierte und angesehene Mitarbeitende verloren.

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