Euro 2012 in der Ukraine – Jenseits des Scheinwerferlichts der Stadien

„König Fußball“ regiert wieder unsere Wohnzimmer. Auch ich führe meine „Fußball-Buchführung“ und halte die Ergebnisse nach. Von solchen sportlichen Ereignissen geht immer eine eigene, positive Stimmung aus, der man sich kaum entziehen kann. Über Grenzen hinweg verbindet Sport und schafft, was uns im täglichen Leben nicht immer gelingen will: Teamfähigkeit, Integration, Fairness und Toleranz. Nationale, wirtschaftliche, soziale  und politische Dimensionen treten in den Hintergrund. Im Vordergrund stehen allein die sportlichen Leistungen.

Mit Spannung habe ich auf die Euro 2012 gewartet. Sie bringt mir mit der Ukraine ein Land näher, dass ich noch nicht bereist habe, über das ich mir durch die politischen Berichterstattungen in der Vergangenheit und insbesondere durch die Vorberichterstattungen zur Euro 2012 so meine Gedanken mache. In Deutschland leben etwa 128.000 Ukrainer. Mit rund 3.800 Menschen sind sie die siebtgrößte Bevölkerungsgruppe in Köln.

Jenseits der glitzernden Welt des Fußballs kann jedoch nicht die Augen davor verschlossen werden, dass in der Ukraine hunderttausende  Menschen leben, auf deren Elend niemand sieht: Eine halbe Million Menschen sind vom HIV-Virus infiziert. Tausende Jungen und Mädchen leben auf der Straße.

Fernab der Fernsehkameras sind internationale und inländische Hilfsorganisationen tagtäglich mit der Linderung der Not befasst. So baut die Caritas Ukraine unterstützt durch Caritas international ein System der sozialen Facharbeit nach deutschem Vorbild auf, das Sozialstationen, häusliche Pflegedienste, Kindertagesstätten, Kinder-Erholungsheime, Suppenküchen und Kleiderkammern für Arme, Kranke und Obdachlose umfasst.

Klar können solche Bilder einem die Lust am Spiel so richtig vermiesen. Und natürlich wünsche ich mir, dass die deutsche Nationalmannschaft erfolgreich das Turnier bestreitet. Ich wünsche mir aber auch, dass wir nicht nur das Scheinwerferlicht in den Stadien sehen, sondern jenseits davon und über die Euro 2012 hinaus die Not der Menschen wahrnehmen, ihnen nachhaltig helfen, Hoffnung und Perspektive in ihrem eigenen Land ermöglichen. Und dabei kann wiederum auch der Sport helfen.

Über den Autor

Dorothee Bodewein leitet den Leistungsbereich Integration und Beratung; ob es um Arbeitslosigkeit, Integration von Neuzuwandernden und Einwanderern, Überwindung von Armut und Verschuldungssituationen, sozialraumorientierte soziale Arbeit, die Kooperation mit Migrantenorganisationen, Antidiskriminierungsarbeit, interkulturelle Öffnung oder die Förderung bürgerschaftlichen Engagements geht, immer geht es darum, Menschen Perspektiven zu geben und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen zu suchen.

Das begeistert mich...
... dass es Menschen gibt, die sich haupt- und ehrenamtlich für andere einsetzen, ihre Zeit schenken sowie ihr Wissen und Können einbringen, um ältere, alleinstehende, einsame, kranke oder fremde Menschen ein Stück ihres Weges zu begleiten, in ausweglosen Situationen Zuversicht, Perspektive und Anstoß zu geben.

Das ärgert mich ...
... wenn Menschen ausgegrenzt und in der Gesellschaft nicht wahrgenommen werden aufgrund Geschlecht, Hautfarbe, Nationalität, Alter, Behinderung, Gesundheit und Leistungskraft, Erfolg oder Misserfolg; ja, wenn Menschen ihr Recht auf Würde, freie Entfaltung, Chancengleichheit oder einfach anders zu sein, abgesprochen wird.

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