Tischgespräch

In Kolumba, dem Kunstmuseum des Erzbistums Köln zum Thema Tafeln. Am Tisch vor der Lochner-Madonna mit dem Veilchen und dem anderen Blick auf den Dom.
„denken“, heißt die jetzige Ausstellung und beim wöchentlichen Reden am Tisch werden allmählich Gedanken verfertigt: ca. 20 Menschen sprechen über ein vorgegebenes Thema, das von einem „Experten“ eingeleitet wird.
Schnell waren wir bei der Tafelkritik, die der Caritasverband auf seinen verschiedenen Ebenen übt. Dazu gibt es genug Argumente und Informationen im Tafelforum und beim Diözesancaritasverband.
Beeindruckend die Vielfalt der Denkenden und ihrer Gedanken. Künstler, Soziale, Lehrer…

Wir dachten weit und quer. Es ging schließlich um die Ökonomisierung des Sozialen, der Kunst. Parallelentwicklung, die wie Gleichschaltung klingt auf anderem Niveau. Der totalitäre Kapitalismus. Ohnmacht angesichts von Globalisierung und Individualisierung. Depression.
Dagegen steht die Suche nach Verlässlichkeit, nach Bindung, nach Liebe, die auch Caritas heißt und die zwischen Sozialunternehmen und Prophetentum schwankt, zwischen fremden, zueigen gemachten Sachzwängen hin und her geworfen wird.
Großes Einvernehmen über das, woran es mangelt (nicht an Nahrung, nicht an Geld), und wonach wir uns sehnen, nach Zugehörigkeit, Verbundenheit, nach Liebe. Worte die in diesem Raum gesagt werden konnten.

Eine Rede nicht ohne Gefahr, aber mit Verheißung.

Über den Autor

Was ich mag:

Die Stadt entdecken in ihren Vierteln, Straßen, Plätzen. Dort, wo die Menschen leben. Mir die Veedel von ihnen zeigen lassen. Sich einander die Stadt erzählen. Ungesehenes entdecken. Räume wahrnehmen und weiten. Auch für die Caritas.
Manchmal wird was fühlbar. Wenn in St. Agnes die Sängerinnen und Sänger aus dem Viertel, aus den Gemeinden, aus verschiedenen kulturellen Gegenden dieser Welt das Finale von "Joy to the World" bestreiten. Das ist ein Erfolg: Gemeinde, Caritas, soziale Einrichtungen miteinander ins Gespräch bringen und ins gemeinsame Handeln.

Was ich nicht mag

Parallelwelten. Die Tafel als Billigentsorger der Nahrungsmittelwirtschaft. Tatkraft ohne Nachdenklichkeit und Blick auf gesellschaftliche Zusammenhänge. Besserwisserei gegenüber Benachteiligten. Wenn wir als Caritas die Not nur lindern, aber nicht verhindern können.

2 Kommentare zu “Tischgespräch

  1. Das war ein sehr gutes Gespräch mit einem Referenten der ganz “im Stoff” war,
    sich aber nie zu Polarisierung hinreißen ließ. Was bei einem brisanten Thema wie diesem nicht leicht, aber wichtig ist. Eine Stunde ist viel zu kurz, kann aber,- klug genutzt – schon einiges anstoßen. Anregen zum Nachdenken, vielleicht auch zum Handeln ! Kompliment für L. Hengefeld und auch für das Team vom “Kolumba” unter D.Kraus, die sich mit ihrer Reihe ” Tischgespräche” auf ein Terrain wagen, was in einem Museum noch ungewöhnlich ist. Nimmt man Beuys ” Kunst = Kapital” als Forderung, ist dies ein guter, ein schlüssiger Weg!

  2. Ich wundere mich, dass in diesem Caritas-Blog der Begriff ‘Kultur’ nicht ‘verschlagwortet’ ist. ‘Kulturelle Teilhabe’ schon gar nicht. Nicht in Bezug auf die Mitarbeiter, und erst recht nicht für Menschen, die von der Caritas betreut werden. Dass ein Bericht, der im Kolumba, einem der schönsten Museen der Stadt, verortet ist, immerhin unter die Schlagworte “Allgemein, Armut, Bildung, Ehrenamt, Erziehung, Inklusion, Soziales” passt, aber nicht unter ‘Kultur’…
    Wundere ich mich zurecht?

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