Brauchen wir noch mehr Rettungsschirme?

Gerade hat der Deutsche Bundetag einen 100 Milliarden-Rettungsschirm für Spanien – oder Spaniens Banken (die Experten streiten sich bekanntlich) – beschlossen. Das sind 100.000.000.000 €. Da drängt sich die Frage auf, ob wir nicht viel mehr solcher Rettungsschirme benötigen? Gibt es nicht noch existentiellere Krisen als die Bankensituation Spaniens? Brauchen wir nicht erst recht Rettungsschirme hier in Deutschland für Wohnungslose, Flüchtlinge oder – wie jüngst gefordert – für die Ex-Mitarbeiter von Schlecker (oder bald wieder Karstadt)? Nein, brauchen wir nicht!
Ein Rettungsschirm ist in seiner ursprünglichen Bedeutung ein Notschirm, den ein Fallschirmspringer mitführt, für den Fall, dass der eigentliche Hauptschirm versagt. Der Sozialstaat muss für bekannte Krisensituationen solche Hautpschirme aufspannen – und die Situation von Arbeitslosen, Flüchtlingen, Menschen mit Behinderungen, Missbrauchsopfern und vernachlässigten Kindern und Jugendlichen ist bekannt. Hier brauchen wir keine neuen Rettungsschirme, sondern verlässliche Unterstützungsstrukturen auf die jeder in Not geratene zurückgreifen kann.
Rettungsschirme sind plötzlich populär geworden – zu Unrecht. Kein Fallschirmspringer käme auf die Idee, nur noch mit dem Rettungsschirm abzuspringen, er weiß ganz genau: Wenn dieser versagt, bin ich tot. Wir sollten uns mehr auf die Qualität der eigentlichen Hautpschirme konzentrieren – die müssen schließlich im Alltag die Hauptlast aushalten und tragen.
Zuletzt: Sind 100 Milliarden für Spanien angesichts wichtiger zu lösender sozialer Probleme in Deutschland überhaupt gerechtfertigt? Ist das überhaupt der richtige Weg? Da will ich mich nicht vor einer Positionierung drücken – aber, in diesen Blog passt es leider nicht mehr rein.

Über den Autor

Marianne Jürgens,
Pressesprecherin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, sorgt dafür, dass die Stadt über die Caritasarbeit spricht.


Das begeistert mich:

Sobald Musik erklingt, gibt es kein Halten mehr: Ein Leuchten im Gesicht des 91-jährigen Herrn Schmitz. Herr Schmitz tanzt mit Rollator und Herr Schmitz tanzt mit dem 5-jährigen Jordi. So geschehen beim Caritas-Tanzprojekt „come 2 move – gelöste Grenzen“. Caritas und Kunst: Das berührt die Seele von 60 Teilnehmern aller Generationen mit und ohne Handicaps und von Zuschauern gleichermaßen. Wunderbare Wege der Sozialarbeit...


Zu meinem Ärger:

Die gesellschaftliche Realität macht nicht vor der Kirchentür halt. Der Fall einer gekündigten Leiterin eines katholischen Kindergartens in Königswinter, die nach der Trennung von ihrem Mann in einer neuen Beziehung lebt, ist nur einer von vielen. Sind Katholiken beim Arbeitgeber Kirche angestellt, werden solche Lebensbrüche direkt zur Existenzfrage. Und der Kirche gehen menschlich kompetente, engagierte und angesehene Mitarbeitende verloren.

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