Ungerechtes Ehegattensplitting: Eine Ursache für Altersarmut?

Mit heutigen Familienmodellen hat das 1958 eingeführte Ehegattensplitting nichts mehr zu tun, legte es doch  bei Einführung eine Alleinverdiener- und Hausfrauenehe oder ein großes Gefälle im Verdienst der Ehepartner_innen zugrunde. Statt eines altertümlichen Steuersystems wäre doch eine noch viel konsequentere Förderung von Vereinbarkeit von Familie und Beruf zeitgemäß. 
Das Modell des Ehegattensplitting will Ehen gegenüber unverheirateten Paaren oder Alleinstehenden steuerlich begünstigen. Beide Einkommen werden zusammengezählt, halbiert und damit insgesamt geringer besteuert. Unverheiratete Paare sowie Alleinerziehende werden durch diese Regelung steuerlich benachteiligt.

Eine der möglichen Folgen des Ehegattensplitting: Beim gering Verdienenden, oft ist es meistens nach wie vor die Frau, die wegen Kinderbetreuung nur Teilzeit arbeitet, bleibt am Ende des Monats nicht viel übrig, wenn, so die Regel, die Steuerklasse V gewählt wird. Schnell kommt das Gefühl auf, Arbeiten lohnt sich nicht, der geringe Verdienst wirkt demotivierend. Daran ändert auch der Ausgleich  bei der jährlichen Steuererklärung nicht viel.

Und wer wenig verdient, zahlt wenig ein und hat nachher nur eine Minirente, somit ebnet Ehegattensplitting auch den Weg in die Altersarmut für Frauen. Laut OECD ist das Rentengefälle zwischen Mann und Frau in kaum einem anderen Industriestaat so hoch wie in Deutschland.

Ob die Verhandlungspartner_innen bei den Groko-Gesprächen dieses heiße Eisen anpacken werden? Ich glaube nicht, obwohl beide Parteien sich Familienpolitik als Schwerpunktthema auf die Fahnen geschrieben haben.

Unsere Seniorenberater_innen begleiten täglich Frauen, die von ihrer Rente nicht leben können und aus Armut von vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens ausgeschlossen sind.

 Ehegattensplitting also ersatzlos streichen? Oder kann ein Modell wie das in Frankreich praktizierte Familiensplitting eine Alternative sein?

Über den Autor

Marianne Jürgens,
Pressesprecherin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, sorgt dafür, dass die Stadt über die Caritasarbeit spricht.


Das begeistert mich:

Sobald Musik erklingt, gibt es kein Halten mehr: Ein Leuchten im Gesicht des 91-jährigen Herrn Schmitz. Herr Schmitz tanzt mit Rollator und Herr Schmitz tanzt mit dem 5-jährigen Jordi. So geschehen beim Caritas-Tanzprojekt „come 2 move – gelöste Grenzen“. Caritas und Kunst: Das berührt die Seele von 60 Teilnehmern aller Generationen mit und ohne Handicaps und von Zuschauern gleichermaßen. Wunderbare Wege der Sozialarbeit...


Zu meinem Ärger:

Die gesellschaftliche Realität macht nicht vor der Kirchentür halt. Der Fall einer gekündigten Leiterin eines katholischen Kindergartens in Königswinter, die nach der Trennung von ihrem Mann in einer neuen Beziehung lebt, ist nur einer von vielen. Sind Katholiken beim Arbeitgeber Kirche angestellt, werden solche Lebensbrüche direkt zur Existenzfrage. Und der Kirche gehen menschlich kompetente, engagierte und angesehene Mitarbeitende verloren.

Ein Kommentar zu “Ungerechtes Ehegattensplitting: Eine Ursache für Altersarmut?

  1. Diese Modell gehört schon seit 30 Jahren in das Familiensplitting umgewandelt. Dann könnten in einem die viel zu niedrigen Kinderfreibeträge angepasst werden, die m.W. nach wie vor das Existensminimum von Kindern besteuern.
    Andererseits muss man sich immer klarmachen, dass Veränderung im Steuersystem die wirklich kleinen Gehälter (egal von wem verdient) nicht so sehr betreffen. Sie bezahlen relativ wenig Steuern auf ihr Einkommen. Dafür aber im Verhältnis zu diesem Einkommen wesentlich höheren Anteil der Mehrwertsteuer.
    Ausserdem drücken die Sozialabgaben, die ja % für alle (“normalen”) Einkommen gleich zu Buche schlagen.
    Trotzdem guter Artikel liebe Marianne.

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