Harmonie wird überschätzt

Tisch mit vielen KuchentellernMit dieser Überschrift, las ich in diesen Tagen einen interessanten Artikel von Prof. Aladin El- Malaalani. Er ist Prof. für Politikwissenschaft und politische Soziologie und arbeitet im NRW Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration.
Er befasst sich, mit seinen Äußerungen mit dem Thema Integration und deren Folgen. Seine These, Integration wird zu oft mit einen Missverständnis verbunden, nämlich der Idee von einer konfliktfreien Gesellschaft. Er schreibt: „ Wenn Integration oder Inklusion oder Chancengleichheit gelingt, wird unsere Gesellschaft nicht homogener, nicht harmonischer und nicht konfliktfreier. Nein, das Gegenteil ist viel wahrscheinlicher. Die zentrale Folge gelungener Integration ist ein erhöhtes Konfliktpotential.“
Er vergleicht unsere Gesellschaft mit einer Tischgemeinschaft bei der mehr Menschen partizipieren wollen und können, sich aktiv beteiligen und etwas vom Kuchen abbekommen wollen. Da ist die Idee von Harmonie eher naiv oder eine Projektion von Wünschen und Hoffnungen.
Er schreibt:“ gelungene Integration erhöht deshalb das Konfliktpotential, weil Inklusion, Gleichberechtigung und eine Verbesserung der Teilhabechancen nicht zu einer Homogenisierung der Lebensweisen, sondern zu einer Heterogenisierung, nicht zu mehr Harmonie und Konsens in der Gesellschaft, sondern zu mehr Dissonanz und Neuaushandlungen führt.“
Das dauerhafte Ausgeschlossensein vom Tisch steigert die Wahrscheinlichkeit für abweichendes Verhalten, für Kriminalität und Gewalt. Bei der Integration hingegen, handelt es sich um grundlegende, die Gesellschaft verändernde Konflikte

Ich finde die Gedanken von Prof. El- Malaalani spannend und kann seinem Ansatz gut folgen.
Ich frage mich: Sind wir, als Gesellschaft diesen Aushandlungsprozessen gewachsen? Sind wir bereit, mit Menschen verschiedener Herkunft und Lebensweise den Kuchen zu teilen?
Unsere Gesellschaft und das Miteinander wird weiter komplexer und dem müssen wir uns als mündige, reflektierte, konfliktbereite Menschen stellen. Eine ängstliche Abschottung und nationales Denken und Handeln wird uns dabei nicht helfen.

Über den Autor

Maria Hanisch, Geschäftsfeldleiterin Ambulante Dienste: Ob Senioren, pflegebedürftige Menschen, Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung, mein Credo ist „Die Zukunft ist ambulant.“

Das begeistert mich:
Ich liebe Musik und hier vor allem Bach und seine Werke. Am Wochenende bin ich oft recht flott mit dem Rennrad unterwegs. Höhepunkt dieses schweißtreibenden Sports war meine Teilnahme am „Jederfraurennen“ Rund um Köln, Resultat: 10. Platz in meiner Altersgruppe.

Zu meinem Ärger:
Sozialpolitische Arbeit im Einsatz für Menschen mit Pflegebedarf oder Behinderung braucht Ideen und einen Blick über den Tellerrand. Es macht mich ganz wild, dass wir die Herausforderungen der Zukunft so halbherzig angehen und innovative Konzepte über Parteigrenzen und engen finanziellen Rahmenbedingungen nicht konsequenter vorantreiben.

2 Kommentare zu “Harmonie wird überschätzt

  1. Die Fragen stellen sich mir nicht. Es gibt keine Alternative zur heterogen Gesellschaft. Das „aushandeln“ ist ein Grundelement der Demokratie.

    • Falls jemand tatsächlich etwas nachlesen möchte: Es handelt sich um Professor El Mafaalani, der sich engagiert in die Integrationsdebatte einbringt. Allerdings stammt die Einschätzung “Die Harmonie wird überschätzt” auch aus anderen Quellen der Friedens- und Konfliktforschung, hat also nicht allein mit (ggf. fehlender) Einwanderungspolitik zu tun. Es geht eigentlich auch nicht darum, seinen Kuchen zu teilen, sondern darum, ihn andere auch mal probieren zu lassen – und dafür vielleicht andere Rezepte und neue Kuchen kennen zu lernen. Manchmal entsteht daraus etwas ganz Neues, manchmal etwas leicht Verändertes, manchmal kommen wir zu dem Altvertrauten zurück… Jedenfalls braucht es Offenheit und Gesprächsbereitschaft im Umgang mit unseren Mitmenschen und natürlich auch eine Grundhaltung der Akzeptanz von Diversität. Deshalb muss ich privat trotzdem nicht alle Menschen in Köln (oder Bayern) mögen – und darf meinen selbst gebackenen Kuchen schon mal auch allein mit denjenigen essen, die ich mir dazu ausgesucht habe und die tatsächlich meine Einladung auch angenommen haben… Klar für mich aber generell: Vielfalt ist viel wert!

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