Sozialarbeiter*innen des Herzens

Mit Terminen ist das mitunter so eine Sache. Zu manchen will man nicht. Zu manchen muss man. Zu anderen würde man gern. Wieder andere scheinen einfach nicht in den Kalender zu passen. Und dann gibt es da Termine, die sind ein echter Gewinn. Die lassen einem einfach nur das Herz aufgehen. Die sind echte Highlights. Einen solchen Termin hatte ich in dieser Woche, auch wenn der Anlass an sich recht spröde und simpel mit dem Begriff „Zertifikatsübergabe“ in meinem Kalender überschrieben war.

Tatsächlich ging es auch um eine Zertifikatsübergabe. Die vierte seit Bestehen des Projektes zur Qualifizierung von Stadtteilmüttern und -vätern im Caritasverband Köln. Ein Projekt, das seit 2009 in Meschenich beheimatet ist, in der Vergangenheit sich immer wieder neuen Anforderungen und geänderten Begebenheiten angepasst hat und unter Schirmherrschaft des Bezirksbürgermeisters für den Kölner Süden steht.

Warum war das ein toller Termin? Weil sich wunderbare, selbstbewusste und stolze Frauen präsentiert haben, die aus unterschiedlichen Ländern wie Irak und Ägypten kommen.

Die sich angesichts und trotz aller kultureller und religiöser Vielfalt mit großer Offenheit, Bereitschaft und Sensibilität mit Themen wie Gesundheit, Ernährung, Kindererziehung, Bildung, Sexualität, Umgang mit Geld und Konsum, der deutschen Kultur, unseren Grundrechten sowie dem rechtlichen und politischen Rahmen unseres Zusammenlebens auseinandergesetzt haben. Die trotz aller anfänglich sie auch begleitenden Sorgen und Ängste, wie die Begegnung miteinander funktionieren kann, über die Monate des Kennen- und gemeinsam Lernens festgestellt haben, dass sie im Herzen gleich sind. Die sich selbst gefordert haben, „besser zu sein“: für sich, für ihre Kinder, für die Gesellschaft, für unser Land, wie es eine Teilnehmerin zum Ausdruck gebracht hat. Die nicht nur sich selbst helfen, auch anderen. Die Anlaufstellen sind, Brücken bauen und Netze knüpfen. Die der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen und in die Gesellschaft investieren. Die ihre Zukunft in die eigenen Hände nehmen und gestalten. Die über die Qualifizierung gewachsen sind, an sich selbst und den Herausforderungen, denen sie sich gestellt haben. Die den Balanceakt meistern zwischen Bewahren der eigenen kulturellen Heimat und religiösen Lebensführung sowie der Offenheit und Akzeptanz dem für sie Neuen gegenüber. Die Kampfgeist gezeigt, Willen bewiesen und sich weiterentwickelt haben, darunter Teilnehmer*innen, die nie eine Schule besucht haben. Die in zum Teil kurzer Zeit ihre deutschen Sprachkenntnisse und -fähigkeiten verbessert haben. Die einfach nur aufgrund ihres Mutes und ihres Engagements Hochachtung und Respekt verdient haben.

Warum Sozialarbeiter*innen des Herzens? Weil sie sich nicht nur mit inhaltlichen Themen auseinandergesetzt haben, sondern auch mit den professionellen Prinzipien, die zu den wesentlichen Grundlagen sozialer Arbeit gehören und für sie unerlässlich sind, wenn sie Familien mit Migrationshintergrund über familienrelevante und gesellschaftliche Themen informieren, zu Behörden begleiten, bei der Schul- und Kindergartenanmeldung unterstützen, Elterncafes in Kindergärten leiten oder bei Übersetzungen helfen: Schweigepflicht, Hilfe zur Selbsthilfe sowie Nähe und Distanz.

Die nächsten Stadtteilmütter und -väter stehen schon in den Startlöchern. Sie konnten bei der Zertifikatsübergabe einen Blick darauf werfen, was im Rahmen ihrer 12-monatigen Qualifizierung auf sie wartet und ihnen am Ende winkt.

Über den Autor

Dorothee Bodewein leitet den Leistungsbereich Integration und Beratung; ob es um Arbeitslosigkeit, Integration von Neuzuwandernden und Einwanderern, Überwindung von Armut und Verschuldungssituationen, sozialraumorientierte soziale Arbeit, die Kooperation mit Migrantenorganisationen, Antidiskriminierungsarbeit, interkulturelle Öffnung oder die Förderung bürgerschaftlichen Engagements geht, immer geht es darum, Menschen Perspektiven zu geben und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen zu suchen.

Das begeistert mich...
... dass es Menschen gibt, die sich haupt- und ehrenamtlich für andere einsetzen, ihre Zeit schenken sowie ihr Wissen und Können einbringen, um ältere, alleinstehende, einsame, kranke oder fremde Menschen ein Stück ihres Weges zu begleiten, in ausweglosen Situationen Zuversicht, Perspektive und Anstoß zu geben.

Das ärgert mich ...
... wenn Menschen ausgegrenzt und in der Gesellschaft nicht wahrgenommen werden aufgrund Geschlecht, Hautfarbe, Nationalität, Alter, Behinderung, Gesundheit und Leistungskraft, Erfolg oder Misserfolg; ja, wenn Menschen ihr Recht auf Würde, freie Entfaltung, Chancengleichheit oder einfach anders zu sein, abgesprochen wird.

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